In den Teppichetagen der Staatsbetriebe ist der Teufel los: Bei der
Bahn probt das oberste Kader den Aufstand gegen CEO Andreas Meyer (48). Bei der Post treten innerhalb von acht Tagen der CEO und ein Verwaltungsrat zurück. Und auch Verwaltungsrat Wolfgang Werlé (61) lässt auf Anfrage offen, ob er weitermachen will. Politiker sind beunruhigt. «Mir macht grosse Sorgen, was bei der Post passiert», sagt CVP-Nationalrat Urs Hany (54): «Seit Claude Béglé da ist, herrscht dort Unruhe.»
SP-Bundesrat Moritz Leuenberger (63) pokert hoch: Er hat die Wahl Meyers und Béglés zu verantworten. Beide unterscheiden sich frappant von ihren Vorgängern, Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel (63) und Ex-Post-Chef Ulrich Gygi (63). Beide waren SP-Mitglieder, beide beherrschten die politische Mechanik in
Bern. Und beide setzten gerne auf Konsens. Imagemässig haben
SBB und Post von den zwei Charismatikern profitiert. Doch Weibel und Gygi hinterliessen Altlasten:
- Die SBB bauen ihr Angebot aus, ohne über ausreichende Mittel für den Unterhalt zu verfügen. Die Güterverkehrsdivision Cargo leidet unter chronischen Defiziten. «Weibel wollte es allen recht machen», sagt ein bürgerlicher Politiker: «Das muss Meyer auslöffeln.»
- Die Post steckt strategisch in einer Sackgasse: Der Briefversand bricht ein – und damit auch die Einnahmen aus diesem Geschäft.
Angesichts dieser Probleme überrascht es nicht, dass in den Chefetagen der Staatsbetriebe dicke Luft herrscht. Mit ihrer forschen Art machen Meyer und Béglé Probleme öffentlich, die vorher jahrelang verdeckt blieben. Und genau das dürfte Leuenberger gewollt haben.
Bei den SBB geht sein Kalkül auf. Deren Konzernleitung sei «gut aufgestellt», lobt Christoffel Brändli (
SVP, 66), Präsident der ständerätlichen Verkehrskommission. Meyer mache ihm einen guten Eindruck.
Bei der Post bröckelt hingegen die Unterstützung. Einen weiteren Fauxpas kann sich Béglé nicht leisten. «Die Abgänge schaden dem Ruf der Post», kritisiert Max Binder (SVP, 61), Präsident der nationalrätlichen Verkehrskommission. In deren nächsten Sitzung werden Leuenberger und Béglé Auskunft geben müssen.
Béglés Mandat in Indien
Aus dem Job wurde ein Jöbli. Post-Präsident Claude Béglé (60) ist Mitglied des Beirats des indischen Geldhauses Vayana. Ein BLICK-Leser hat dies auf der Firmen-Website entdeckt. Vor einem Jahr schrieb Béglé in einem Brief, er habe «die Leitung einer Investmentgesellschaft» übernommen. Offenbar krebste er zurück, weil das Post-Präsidium dies zeitlich nicht zulässt.