Post-Knatsch Leuenberger wehrt sich gegen DRS-Vorwürfe

  • Publiziert: 12.01.2010, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Simon Hehli

BERN – Moritz Leuenberger habe im Zoff um Post-Verwaltungsratspräsident Béglé falsch informiert, kritisierte heute das Schweizer Radio. Das lässt der Bundesrat nicht auf sich sitzen.

Heute Morgen berichtete Radio DRS, Moritz Leuenberger habe sich bei seinen gestrigen Erklärungen zum Post-Knatsch um Verwaltungsrats-Präsident Claude Béglé in Widersprüche verwickelt.

Konkret ging es um Leuenbergers Erläuterungen zum Rausschmiss von Postchef Michel Kunz. Diese Abwahl sei sehr klar erfolgt, sagte der Infrastruktur-Minister. Acht Verwaltungsräte hätten sich für Kunz Abgang ausgesprochen, keiner dagegen. Bloss einer habe sich der Stimme enthalten.

Nun zitierte Radio DRS aber aus dem Sitzungsprotokoll: Dort stehe kein Wort von einem Entscheid, der mit 8:1 ausgefallen sei. Der Entscheid, dass Kunz gehen müsse, sei stattdessen nach «chaotischem Verlauf der Abstimmung» mit 6:3 ausgefallen.

Gab es kein 8:1-Ergebnis?

Das Staatsmedium suggerierte damit, dass Leuenberger bewusst das für seinen Protegé Béglé günstigere Resultat von 8:1 vorgeschoben habe, das es so gar nie gegeben habe.

Gegenüber Blick.ch erklärt nun Leuenbergers Sprecher Dominique Bugnon, wie es zur Verwirrung kommen konnte. Tatsächlich stehe im Protokoll nichts von einem 8:1-Resultat, räumt er ein. «Dennoch gab es zur Grundsatzfrage, ob Kunz gehen müsse, in einer Abstimmung tatsächlich acht Ja-Stimmen, so wie es Leuenberger gestern erläutert hat», sagt Bugnon.

Danach kam es zur Abstimmung, ob Kunz sofort entlassen werden solle. Hier gab es ein Stimmverhältnis von sechs Ja-Stimmen gegenüber drei Enthaltungen. So gab das auch Leuenberger gestern bekannt.

Resultat aus dem Protokoll gestrichen

Was er nicht sagte: Verwaltungsrats-Mitglied Rudolf Hug hat gemäss Bugnon in der Sitzung beantragt, dass nur die zweite Abstimmung im Protokoll vermerkt werde. Und so geschah es denn auch. Wieso Hug darauf bestanden hat, kann Bugnon nicht sagen.

Brisant ist, dass Hug einer der beiden Verwaltungsräte ist, die später aus Protest gegen Béglés Führungsstil und dessen hochtrabende Auslandspläne zurückgetreten sind. Deshalb stellen sich die Frage, ob er das weniger eindeutige Resultat im Protokoll sehen wollte, um Béglé zu schaden.

Hug war für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen.