Trotz Juden-Vergleich Leuenberger nimmt Kreis in Schutz

BERN – Rechtspolitiker fordern vom Bundesrat, Georg Kreis als Präsident der Anti-Rassismus-Kommission abzusetzen. Doch in der Regierung hat der Historiker einen treuen Verbündeten.

  • Publiziert: 17.12.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play Moritz Leuenberger kritisiert, dass Urheber von unbequemen Ideen diffamiert würden. (Reuters)

Georg Kreis hat derzeit einen schweren Stand: Im Streitgespräch mit SVP-Scharfmacher Christoph Mörgeli bemühte er im «Club» von SF einen Vergleich der derzeitigen Attacken auf den Islam mit der antisemitischen Stimmung der 30er-Jahre.

Letzte Woche krebste Kreis zwar zurück und erklärte gegenüber Blick.ch, er würde die Aussage nicht noch einmal machen. Doch das reicht seinen Gegnern aus den Reihen der Volkspartei und der FDP nicht: Sie verlangen ultimativ den Rücktritt des streitbaren Historikers und FDP-Mitglieds.

Ein prominenter Fürsprecher nimmt Kreis nun aber in Schutz. Moritz Leuenberger sieht sich beim Sturm der Entrüstung, der über Kreis hereinbrach, an eigene Erfahrungen erinnert: Vor drei Jahren habe er über die Möglichkeit einer stufenweisen Erhöhung des Rentenalters theoretisiert, schreibt der amtsälteste Bundesrat in seinem Blog. «Auch dagegen gab es helle Empörung.»

Als weiteres Beispiel nennt Leuenberger die Aufregung, die Ex-Postdirektor Michel Kunz mit seinem Vorschlag der Briefkastengebühr provoziert habe. «Der Reflex, neue Gedanken und Ideen entrüstet zurückzuweisen, ist in der öffentlichen Diskussion auf Schritt und Tritt zu beobachten», bemängelt der Infrastrukturminister.

Schlimmer noch scheine ihm aber, dass immer öfter die Urheber von solchen Ideen «verunglimpft, persönlich attackiert und diskreditiert werden». Denn eine Demokratie brauche auch neue und ungewohnte Ideen und Meinungen, irritierende zuweilen, solche, die nach ausgiebiger Diskussion vielleicht auch wieder verworfen werden müssten, betont Leuenberger.

«Aber dass sie überhaupt nicht erst geäussert werden, aus Furcht, das öffentliche Denken werde abgestraft, kann niemals der Sinn einer aufgeklärten Demokratie sein. Die Hoffnung, eine solche sein zu wollen, sollten wir nicht aufgeben», schliesst Leuenberger sein Plädoyer für Querdenker wie Georg Kreis.

Ob diese Aufforderung zum ungestraften Tabubruch auch für seinen alten Intimfeind Christoph Blocher gilt? (hhs)

play Georg Kreis kann die Unterstützung derzeit gut gebrauchen. (SF)