Forderung Leuenberger muss weg!

  • Publiziert: 18.08.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Helmut-Maria Glogger

Ex-Sat.1-Chef Roger Schawinski richtet harsche Worte an Medienminister Moritz Leuenberger. Unverblümt fordert er dessen Ablösung.

Einst waren sie Freunde: Radio- und TV-Pionier Roger Schawinski und Bundesrat Moritz Leuenberger. Als der SP-Politiker 1995 in den Bundesrat gewählt wurde, hoffte der Radio-24-Gründer auf eine neue Medien-Strategie. Er erwartete einen Abbau des Monopols der SRG und eine Öffnung des Schweizer Markts für private TV-Anbieter.

Doch nichts dergleichen geschah. Im Gegenteil: «Moritz Leuenberger hat seit über einem Jahrzehnt bewiesen, dass er nichts ändern will.» Schawinski bitter: «Der Kommunismus ist untergegangen, Weltreiche sind zerfallen, aber die SRG bleibt unsterblich, solange es Gebühren in Milliardenhöhe und keine inländische Konkurrenz gibt.»

Tatsächlich ist die Schweiz weltweit wohl das einzige demokratische Land, das nur einen nationalen Sender zulässt. Die SRG bekommt 1,54 Milliarden Franken – an Gebühren. Um rund 4500 Stellenbesetzer zu verköstigen. Bundesrat Moritz Leuenberger (60) ficht das nicht an. Er höhnt, «dass die Medienvielfalt nicht nur von der Zahl der Publikationen abhängt». Die Idee, die SRG zu privatisieren findet er, «ist nicht ernst zu nehmen».

Dass dies zu absurden Situationen führt, übersieht Leuenberger geflissentlich. Zum Beispiel, dass Fernsehschaffende auf den Monopolisten SRG angewiesen sind, dass sie keine Chance haben, zu wechseln. Dass ist Roger Schawinski ein Dorn im Auge. In seinem neuen Buch («Die TV-Falle», ist jetzt in den Läden!) schreibt er über das globale Business Fernsehen. Im Interview mit dem SonntagsBlick Magazin aber sorgt er sich um sein Land. Und er macht den Mann dingfest, der das Schweizer TV-Monopol wie ein Oligarch verteidigt: Moritz Leuenberger.

Schawinski: «Es klingt verrückt, aber Veränderungen kann es nur geben, wenn wir bald einen neuen Medienminister haben werden.» Im Klartext: Leuenberger muss weg. Und was sagt Leuenberger dazu? Sein Pressesprecher André Simonazzi kurz und bündig: «Wir kommentieren sicher nicht, was Herr Schawinski sagt.»

play Moritz Leuenberger: Der Mann, der keine TV-Konkurrenz will (Foto: ZVG)