Letzte Redeschlacht vor der grossen AHV-Abstimmung Streit ums Plus für die Rentner

Morgen entscheidet das Volk über die umstrittene AHV-plus-Initiative. An der Züspa in Zürich kam es zum letzten Duell zwischen Befürwortern und Gegnern.

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An der Züspa in Zürich kam es zum letzten Duell vor dem grossen Showdown am morgigen Abstimmungssonntag. Gestern kreuzten SP-Nationalrat Corrado Pardini und Regine Sauter, die für die FDP in der Grossen Kammer sitzt, bei BLICK on tour die Klingen.

Thema der von Ringier-Publizist Hannes Britschgi geleiteten Diskussion: die AHV-plus-Ini­tiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.

Das Begehren verlangt zehn Prozent höhere AHV-Renten. Macht unter dem Strich für jeden alleinstehenden Senior immerhin rund 200 Franken pro Monat. Finanziert über Lohnbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Doch die Stärkung der ersten Säule hat es schwer im Volk – die letzte Umfrage sieht die Gegner im Vorteil: 52 Prozent der Befragten lehnen die Vorlage ab, ermittelte das Institut GFS Bern zuletzt.

Diese Rücklage schien Befürworter Pardini gleich zu Beginn wettmachen zu wollen. «Die Schere zwischen den Löhnen und Renten geht auseinander. Gönnen wir unseren Rentnern ein Leben in Anstand!», ruft der Berner ins Publikum.

200'000 Senioren seien heute auf Ergänzungsleistungen (EL) angewiesen und müssten sich, um diese geltend zu machen, «vor dem Staat ausziehen».

So redet sich Pardini schon nach Minuten in Form. Sauter wiederum kontert nüchtern: «Es ist nötig, dass wir unseren Rentnern ein Leben in Würde ermöglichen – und das tun wir in der Schweiz», so die Zürcherin. «Wer heute Ergänzungsleistungen bezieht, erhält mit dieser Initiative nicht mehr», fährt sie fort. Wer hingegen heute schon die Maximalrente beziehe, habe eine Erhöhung wahrscheinlich gar nicht nötig.

Tatsächlich profitieren Bezüger von Ergänzungsleistungen nicht von einem Ja zur Initiative. Doch an Pardini prallt diese Kritik nicht nur ab, sie steigert seinen Furor noch. So sehr, dass sein Kopf zeitweise die Farbe seines Parteibuches annimmt. Diese Hingabe verfängt im Publikum. «Wenn wir die AHV nicht stärken, dann treiben wir die Menschen in die zweite und in die dritte Säule. Und wer verdient daran?», fragt er rhetorisch in die Runde. Und gibt die Antwort gleich selbst: «Die Klientel der Freisinnigen Partei, die Banken und die Versicherungen

Sie habe kein Problem damit, Finanzinstitute zu vertreten, gibt Sauter zurück. «Aber die Leute leben länger. Und dann reicht das Geld einfach nicht mehr.» Umso wichtiger sei daher das Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge, «damit wir das Risiko verteilen können». Sie rede die AHV nicht schlecht, so Sauter weiter, aber bis 2030 weise diese einen Finanzbedarf von sieben Milliarden Franken aus.

Mit der heutigen FDP könnte man die AHV nicht mehr gründen, so Gewerkschafter Pardini zum Abschluss. Eine Attacke ganz nach dem Geschmack des überwiegend älteren Publikums. Zumindest hier bleibt das Vertrauen in die AHV ungebrochen.

Publiziert am 24.09.2016 | Aktualisiert am 24.09.2016
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  • News  Man 24.09.2016
    Wir sollten nicht jammern, wir sind alle selbst schuld. 2006 wurde die Volksinitiative, mit welcher die Nationalbankgewinne – abzüglich einer Überweisung von jährlich einer Milliarde Franken an die Kantone – in die AHV-Kasse hätte fliessen sollen, abgelehnt.
  • Franz  Birrer , via Facebook 24.09.2016
    allein die neueste Erhöhung der Franciese von Fr. 300.-auf Fr. 500.- frist von der geplanten AHV Erhöhung garantiert 5 Prozent weg der Rest von 5 Prozent wird innert 3 Jahren von der Prämienerhöhung gefressen, darum ein kräftiges JA in die Urne.
  • Robert  Mosimann 24.09.2016
    In der Schweiz setzt die Finanz- Wirtschafts-und Macht-Elite vor Abstimmungen immer das gleiche und mit Sicherheit funktionierende Wundermittel ein: Es heisst "ANGST". ANGST vor Wohlstandsverlust, Arbeitsplatzverlust, Euro-Frankenproblem usw.
    Hoffen wir, dass dieses Mittel bei der kommenden AHV-Abstimmung nicht die gewünschte Wirkung bringt.
  • David  Brunner aus Wetzikon
    24.09.2016

    Die AHV tut heute bei weitem nicht mehr die Existenz sichern. Die AHV-plus-Initiative ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Vorlage löst kaum Probleme und ist darum abzulehnen. Die Annahme wäre sogar kontraproduktiv, weil es dann heisst, man hätte ja jetzt etwas für die Altersvorsorge getan. Die AHV muss auf einen Existenz sichernden Stand gebracht werden. Es braucht die Grundsatzdiskussion, auch darüber, dass m.E. das BVG zugunsten der AHV aufgelöst werden sollte.
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    24.09.2016
    Frau Sauter, wunderschöne Aussage, dass es darum gehe, den Rentnern ein Leben in Würde zu ermöglichen. Leider ist dies bei weitem nicht immer Realität. Es gibt Rentner, die auf Ergänzungsleistungen verzichten, weil sie meinen, es sei eine Sozialhilfe. Zudem gehört ausgerechnet ihre Partei zusammen mit SVP und anderen zu denjenigen, die in verschiedenen Kantonen Budgets bezüglich Ergänzungsleistungen zusammen streichen und damit bei den Bedürftigen sparen.Bitte ehrlich sein,Sie sind unglaubwürdig