Franz Weber und seine Mitstreiter hofften heute vergebens auf ein Machtwort des Bundesrates. Die Frage, ob der Baustopp für Zweitwohnungen bereits ab dem 1. September gilt, bleibt weiter offen. Klar ist nur: Die Zeit drängt.
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Ab wann gilt denn jetzt der Baustopp für Zweitwohnungen? (Archivbild, Zermatt 2007) (Keystone )
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Vera Weber ist vom Bundesrat enttäuscht. (Keystone)
In den Bergen herrscht Torschlusspanik: Seit Annahme der Zweitwohnungs-Initiative vor fünf Monaten ist die Zahl der Baugesuche in vielen Tourismusgebieten markant angestiegen.
Mitinitiantin Vera Weber spricht gar von einer «Lawine von Baugesuchen, insbesondere im Wallis». Aufhalten kann diese Lawine lediglich der Bundesrat – was er zur grossen Enttäuschung Webers heute aber nicht tat.
Die Frage, auf die von der Regierung eine Antwort erwartet wurde: Gilt der Baustopp in Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20 Prozent bereits ab dem 1. September oder erst ab dem 1. Januar 2013?
Bundesratssprecher André Simonazzi wollte darauf heute keine schlüssige Antwort geben. Er sagte nur, dass die Landesregierung wohl nächste oder übernächste Woche kommunizieren werde.
Und selbst wenn der Entscheid am 29. August fallen sollte, behalte sich die Regierung «die Freiheit vor, den 1. September als Datum zu wählen», erklärte ein gutgelaunter Simonazzi.
Bisher war Weber zuversichtlich, dass sich das frühere Datum durchsetzen würde – «schliesslich war dies der von der Arbeitsgruppe zur Umsetzung der Initiative favorisierte Vorschlag».
Dass sich der Bundesrat heute zu keinem Entscheid durchringen konnte, erklärt sie sich mit dem «massiven Druck von Seiten der Baubranche und der Bergkantone».
Optimistisch bleibt sie trotzdem, auch wenn der 1. September immer näher rückt: «So lange wir keinen Entscheid haben hoffen wir weiter, dass der Volkswille respektiert wird», sagt die Tochter des prominenten Umweltschützers Franz Weber.
Und falls der Bundesrat den Zweitwohnungs-Baustopp doch auf Anfang 2013 verschieben sollte? «Dann wird die Lawine weitergehen und das Funktionieren der Gerichtsapparate durch die vielen Einsprachen und Beschwerden erheblich beeinträchtigt.»
Der Baustopp, der in vielen Gemeinden wegen der Zweitwohnungs-Initiative droht, hat für eine Flut von Baugesuchen gesorgt. In Laax GR beispielsweise sind im zweiten Quartal dieses Jahres Baugesuche für 252 Wohnungen eingegangen - normalerweise erhält die Gemeinde Gesuche für rund 15 Wohnungen. Dies zeigt der von Credit Suisse und dem Schweizerischen Baumeisterverband publizierte Bauindex Schweiz.
Ebenfalls einen Boom erlebt das Wallis: In Nendaz stieg die Gesuchszahl von 31 auf 101 Wohnungen im ersten und 141 im zweiten Quartal, in der Gemeinde Bagnes, in der Verbier liegt, waren es zuerst 46 und dann 100 Wohnungen statt durchschnittlich 25.
Ein Baugesuch bedeutet jedoch nicht, dass tatsächlich gebaut werden darf. Viele Gemeindeverwaltungen dürften der Antragsflut kaum gewachsen sein. Thomas Rieder von der Credit Suisse geht aber davon aus, dass nun viele Gemeinden unter Hochdruck die hängigen Baugesuche abarbeiteten.
Wie viele davon bereits bewilligt worden sind, kann er aufgrund der verfügbaren Daten nicht sagen. Rieder erinnert daran, dass die Rechtskraft einer Baubewilligung durch Einsprachen auch noch verzögert werden kann. (sda)
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