Kuriosität in St. Gallen: Dieser «Gewerkschafter» will für die SVP ins Parlament

Eben kürten Forscher die SVP zur neuen Arbeiterpartei. Jetzt haben sie schon selbsternannte Gewerkschafter.

Ist in Berneck im St. Galler Rheintal aufgewachsen: SVP-Gewerkschafter Marcel Adolf. play

Ist in Berneck im St. Galler Rheintal aufgewachsen: SVP-Gewerkschafter Marcel Adolf.

marceladolf.ch

Top 3

1 AC/DC rockt die Schweizer Politik Teuflische CVP-Bundesrätin
2 «Ein grosses Problem» «Pro Service public»-Initiant zweifelt an...
3 Debatte im Nationalrat Homosexuelle sollen Stiefkinder adoptieren dürfen

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
24 shares
15 Kommentare
Fehler
Melden

In St. Gallen finden Ende Februar die Kantonsratswahlen statt. Da verwundert es nicht, wenn Politiker mit dem Slogan «Ein echter Gewerkschafter für das Rheintal!» um Stimmen werben. Dennoch dürfte mancher Ostschweizer das Plakat von Marcel Adolf überrascht haben.

Denn der 25-Jährige will nicht etwa für die Sozialdemokraten ins Parlament, sondern für die SVP. Adolf arbeitet in einer grossen Firma in der Textilbranche und vertritt dort die Interessen der Büezer.

Adolf SVP.jpg play
So wirbt SVP-Gewerkschafter Adolf um Wählerstimmen. PS: Bei dieser Gelegenheit möchten wir Herrn Adolf noch mitteilen, dass seine Internetseite «marceladolf.CH» heisst - nicht «.COM» wie oben angegeben.

Er sieht kein Problem, als rechter Politiker auch Gewerkschafter zu sein. «Heute wählen viele Arbeitnehmer SVP. Etablierte Gewerkschaften wie die Unia vertreten aber fast nur linke Anliegen», erklärt er.

Deshalb sei er auch nicht Mitglied bei einer grösseren Gewerkschaft, sondern kämpft innerhalb des Betriebs für gute Arbeitsbedingungen. Denn eine starke Stimme der Arbeiter sei nach wie vor wichtig, erklärt er.

«Es bringt nichts fünf Prozent mehr Lohn zu fordern»

Da er selbst im Betrieb arbeite, könne er diese «viel besser artikulieren als Profi-Gewerkschaften». Schliesslich sitze er selbst im gleichen Boot. Rund 20 Stunden pro Monat wendet er für die gewerkschaftliche Arbeit auf. «Ich bin Vollblut-Gewerkschafter», sagt er stolz.

Dabei gehe er eher zurückhaltend zur Sache und pflege eine gute Beziehung zur Geschäftsleitung. «Es würde nichts bringen, in der aktuellen Wirtschaftslage fünf Prozent mehr Lohn zu fordern», findet er.

Kürzlich habe er für eine Erhöhung um 0,3 Prozent plädiert. Damit sei er zwar nicht durchgekommen, dafür habe die Firma versprochen, dass es trotz Frankenstärke keine Mehrarbeit gebe. Ebenfalls erreicht habe er, dass Angestellte bereits ab 45 Jahren eine zusätzliche Ferienwoche erhalten.

«Solche Verhandlungen sind bei uns hart, aber immer fair. Es ist quasi die erste Stufe der Sozialpartnerschaft. Die Unia sollte sich dringend mehr daran orientieren», so Adolf.

Erst kürzlich befanden zwei SP-nahe Wissenschafter, dass die SVP die neue Arbeiter-Partei sei (BLICK berichtete). Ob die Gewerkschaften deshalb bald in rechter Hand sind, darf dennoch bezweifelt werden. (vuc)

Publiziert am 11.02.2016 | Aktualisiert am 15.02.2016
teilen
teilen
24 shares
15 Kommentare
Fehler
Melden

15 Kommentare
  • Dracomir  Pires aus Bern
    12.02.2016
    Selbst die Sozialisten haben zugegeben, dass die Volkspartei die neue Arbeiterpartei ist. Warum sollte die SVP dann nicht gewerkschaftliche Anliegen vertreten? Es stimmt schon, dass Unia und Co. sehr links stehen und mit 5 Prozent absolut utopische Lohnforderungen stellen. Der SVP-Gewerkschafter ist da viel realistischer und daher auch büezerfreundlicher.
  • Hans  Fehr 12.02.2016
    Ich glaube mit dem Nachnamen Adolf hätte ich mich eher dafür entschieden links zu politisieren... Kleiner Scherz
    Zum Thema: SVPler Gewerkschaft ist ein Paradoxon ...
    • Thomas  Hager aus Luzern
      12.02.2016
      Bei Männern die den Vornamen Adolf von 33 bis 45 erhielten konnte man die Gesinnung der Eltern gut erkennen. In unserer Zeit orientiert man sich an Stars oder Filmfiguren wie zB. Kevin. Adolf Ogi hat sich da gut durchgemogelt, er wäre heute für die SVP kaum mehr tragbar.
  • Bruno  Köppel aus St.Gallen
    12.02.2016
    Eine Partei mit sozialer Grundhaltung, ohne gleich die ganze Welt zu uns einladen zu wollen, hätte in der Schweiz die absolute Mehrheit.
  • remo  balisto 12.02.2016
    Er geht also zurückhaltend zur Sache und plädiert für 0,3 Prozent Lohnerhöhung, welche er nicht durchkriegt. Da ist mir aber meine Linksorientierte gewerkschaftliche Betriebskommission lieber, welche für uns 1 Prozent Lohnerhöhung ausgehandelt hat. Ob er wirklich so eine starke Stimme für die Arbeitnehmer ist, oder doch eher pflegeleicht für den Arbeitgeber, müssen wohl seine Arbeitskollegen bei der nächsten Betriebskommissionswahlen entscheiden.
  • Daniel  Roth 12.02.2016
    Daran sieht man, dass in der Schweiz eine sozialliberale Partei fehlt. Sozial im Sinne Unterstützung von Langzeitsarbeitlosen und Liberal im Sinne der Einschränkung der Personenfreizügigkeit. Das was Marcel Adorf macht, würde sehr gut in eine sozialliberale Partei passen.