Kult-Komiker Peach Weber kämpft für Atomausstiegs-Initiative «Manche Atom-Lobbyisten gehörten hinter Schloss und Riegel!»

BERN - Beim nächsten Urnengang entscheidet die Schweiz über die Atomausstiegs-Initiative. Mit Komiker Peach Weber haben die Initianten einen prominenten Supporter. Im BLICK-Interview spricht der Aargauer über AKW, die Masseneinwanderungs-Initiative und Gölä.

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BLICK: Peach Weber, am 27. November stimmen wir über die Atomausstiegs-Initiative ab. Sie engagieren sich für ein Ja, geben Ihr Gesicht für den Flyer der Initianten her. Warum?
Peach Weber: Weil ich es als ­einen meiner grössten Fehler sehe, dass ich mich in den 70er-Jahren nicht der Anti-AKW-Bewegung angeschlossen habe. Ich war zwar volljährig, aber hatte primär Musik, Freundinnen und andere Sachen im Kopf.

In Ihrem Heimatkanton stehen mehrere AKW. Was stört Sie denn heute daran?
Gerade als Aargauer sollte man sich dagegen wehren, schliesslich sind wir mit Leibstadt und Beznau gesegnet. Wenn man nur schon daran denkt, was geschehen könnte, dreht man doch durch. Manchmal frage ich mich, in welcher Nähe ein Unfall passieren muss, bis das jedem klar wird. Dazu kommen die ungeklärte Frage der Endlagerung und die absurd tiefen Versicherungssummen. Dem Volk wurde über Jahrzehnte eine verlogene Rechnung präsentiert. Manche Lobbyisten, die dafür verantwortlich sind, gehörten hinter Schloss und Riegel.

Erst letzte Woche hat der Nationalrat die Energiestrategie verabschiedet. Neue AKW werden wohl so oder so nicht mehr gebaut. Die Initiative ist überflüssig.
In der Schweiz wurde schon sehr vieles beschlossen, von dem ein paar Jahre später nichts mehr übrig blieb. Hinzu kommt, dass es nicht schnell genug gehen kann, alle bestehenden Kernkraftwerke abzuschalten. Unser zu schneller Einstieg in den vermeintlich billigen Atomstrom hat die Entwicklung im Bereich von sauberen, erneuerbaren Energien um 30 Jahre zurückgeworfen. Da protestieren Menschen gegen Windräder, die man im Zweifelsfall auch problemlos wieder verschwinden lassen könnte. Die AKW beschäftigen aber noch die nächsten hundert Generationen.

Wollen Sie sich künftig vermehrt politisch engagieren oder gar einer Partei beitreten?
Nein, ich bin zwar ein politischer Mensch, aber absolut parteilos. In meinen Programmen kommt Politik nicht vor, ich mache 100 Prozent Unterhaltung. Aber wenn ich zu ernsteren Themen befragt werde, sage ich meine Meinung. Ideologische Diskussionen finde ich lächerlich. Und das Parolen-Gejohle vor Abstimmungen ist für mich Kindergarten. Ich bilde mir meine eigene Meinung.

Die vielleicht umstrittenste Frage im Land ist die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative. Was meinen Sie dazu?
Das ist ein Dilemma. Indem die Linken jahrelang gesagt haben, es gebe kein Problem mit der hohen Zuwanderung in die Schweiz, haben sie ihre Wähler in die Arme der SVP getrieben. Man sollte Probleme diskutieren, wenn sie aufkeimen – und nicht, wenn sie schon kaum mehr lösbar sind.

Vor kurzem hat sich Mundart-­Rocker Gölä sehr prägnant zur Schweizer Politik geäussert. Was halten Sie davon?
Viele Künstler haben Angst vor negativen Folgen, wenn sie sich zu ernsthaften Themen äussern. Gölä ist ein cooler Typ, aber solche Rundumschläge sind nicht mein Ding. Wahrscheinlich wusste er eine Stunde nach dem Interview auch nicht mehr so recht, was er alles gesagt hat.

Publiziert am 04.10.2016 | Aktualisiert am 28.10.2016

Darum gehts

Bern – Hinter der Volksinitiative Für den geordneten Ausstieg aus der Atom­energie stehen die Grünen, auch SPler sitzen ­im Komitee. Die Initianten verlangen die rasche Abschaltung aller Schweizer AKW und ein Betriebsverbot. Das Volk stimmt am 27. November über die Initiative ab.

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41 Kommentare
  • Norbert   Jansen aus Meierskappel
    04.10.2016
    AN der Atomenergie scheiden sich die Geister:Die Konservativen preisen die Vorzüge der Kernspaltung,während man im alternativen Spektrum das nukleare Feuer fürchtet. Beiden Seiten täte es gut ihre ideologischen Scheuklappen abzulegen.Früher wurde die Wäsche von Hand gewaschen,zum trocknen aufgehängt wenn die Sonne schien.Heute muss alles auf Knopfdruck funktionieren und zwar rund um die Uhr.Alle wollen Strom.Stellt Euch vor ihr hättet keinen mehr,was dann.Das wäre eine Katastrophe.
    • Marcel  Amgwerd aus Solothurn
      04.10.2016
      Wir leben aber nicht mehr "Früher", sondern im 21. Jahrhundert. Früher existierten diese Technologien nicht und das Zeitrad lässt sich nicht zurückdrehen. Heute gibt es sogar Kernkraftwerke die mit Core Catchern, die eine Kernschmelze überstehen. Fortschritt lässt sich nicht aufhalten.
  • Ernest  Blanco 04.10.2016
    Der lernresistente ehemalige Primarlehrer. Tatsache ist und bleibt: Jedes Jahr sterben mehr als 1 mio Menschen frühzeitig an den Folgen der extrem unweltschädigenden Kohleverbrennung. Und wieviele Tote gab es in den letzten 50 Jahren wegen AKW Unfällen und ihren Folgen? genau, etwa 100 mal weniger - trotz Tschernobyl und Fukuschima. Und die globalen Umweltschäden aufgrund des CO2 und sauren Regens sind unendglich viel Grösser als alle Schäden und Folgen der AKWs und Ihres Mülls.
    • Anselm-Gilbert  Karlen aus Naters
      04.10.2016
      Scheuklappen versperren Ihnen die klare Sicht. Leider. Angestellt oder Aktionär? Alle anderen wünschen weniger Risiko. Das ist möglich, auch wenn es etwas mehr kostet.
    • Jürg  Balsiger , via Facebook 05.10.2016
      Genau richtig !!!
      @Anselm-Gilbert Karlen: "Das ist möglich auch wenn es etwas mehr kostet"...Sie wären wahrscheinlich der Erste der über steigende Strompreise motzt...
  • Roland  Wyler 04.10.2016
    Als Einstein sagte: "der Alte würfelt nicht", meinte Max Born der Quantenmechaniker, eine neue Erkenntnis setzt sich erst durch, wenn die Generation der alten Lehrmeinung ausgestorben ist. Gilt für den Hexenglauben genauso wie auch für die Atomkraftwerkideologie mittels Kernspaltung (nicht zu verwechseln mit Kernenergie zBsp. Sonnenenergie). Also braucht es noch etwas Zeit. Ideologen sind eben Dilettanten der Unwissenheit
  • Marion  Jost aus Schönenwerd
    04.10.2016
    Man sollte einfach nicht vergessen was für Altlasten wir den nächsten Generationen hinterlassen!! Bis heute ist die Endlagerung in der Schweiz nicht geregelt!! Was das bis heute gekostet hat, sprengt alles! Und die Kosten die noch kommen werden ebenso!! Man sollten an dem alten Zopf AKP wirklich nicht mehr festhalten, vor allem weil so viele neue Projekte in der Pipeline sind die in den nächsten Jahren kommen werden! Peach Weber hat hier vollkommen recht!
    • Anselm-Gilbert  Karlen aus Naters
      04.10.2016
      Wenn es um die AHV geht, sorgen sich viele Atombefürworter um die armen Jungen, die alles bezahlen müssen. Wenn es um den Atomabfall, der tausende Jahre betreut und überwacht werden muss, da kümmert es diese Politer keinen Deut was sie den Jungen hinterlassen. Ein Ding ist eben nicht immer ein Ding. Das ist die Bürgerliche Erklärung zu dieser differenzierten Einstellung.
    • Xaver  Arnet 04.10.2016
      @Lieber Anselm-Gilbert Karlen: Obwohl ich nicht Kernphysiker bin, wage ich die Behauptung, dass es nicht Tausende von Jahren braucht, bis man eine sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen hinkriegt. Hätten sie vor 100 Jahren (1916) gedacht, dass 1969 der 1. Mensch den Mond betritt oder 1967 die erste erfolgreiche Herztransplantation durch Christiaan Barnard ausgeführt wird? Bitte ein wenig mehr Vertrauen in die Innovation und Zukunft!
  • Eugen  Inauen 04.10.2016
    Amerika, England, Frankreich, Russland nur um einige zu
    nennen, werfen tonnenweise Atommuell ins Meer.
    Atomabfall strahlt ewigs, auch im Wasser,
    die Menschheit will aber nicht von
    dieser Technik weg, weil viel
    Geld damit verdient wird.
    Peach Weber ist schlau
    genug und hat was
    gesagt, wo vielen
    nicht in den
    Chram
    passt.