Küchenhilfen, Aushilfsbademeister, Zimmermädchen: So grotesk rekrutiert der Bund Temporärmitarbeiter

Der Bund setzt exzessiv externe Temporäre ein. Für Politiker ist das Mass voll.

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Der Berner Beamten­apparat wächst Jahr für Jahr. Zusätzlich beschäftigt die Verwaltung Heerscharen von teuren externen Mitarbeitern. Weil die Beamten wissen, wie umstritten diese Praxis ist, verstecken sie die Externen in intransparenten Sachkrediten. Jüngst machte eine Untersuchung das Ausmass des «Söldnerwesens» beim Bund publik, seither ist Feuer im Dach: Politiker, die der Verwaltung auf die Finger schauen müssen, fühlen sich getäuscht.

Jetzt zeigen konkrete Beispiele, wie grotesk der Bund Jobs an externe Temporär­mitarbeiter verteilt. Es geht dabei nicht um Spezialaufgaben für IT-Cracks oder Top-Berater, sondern um ganz normale «Büez». So sucht das Bundesamt für Informatik aktuell Temporärbüros, die «Kaufmännisches Personal» für «standardisierte Funktionen» zur Verfügung stellen können. Es geht um 160 000 Arbeitsstunden über vier Jahre, was rund 25 Vollzeitstellen entspricht. Warum nicht reguläres Personal eingestellt wird? Die Temporären seien für «Überbrückungen» nötig, heisst es beim Amt.

Ein zweiter Fall: Soeben haben sich zwei Temporärfirmen dicke Aufträge des Bundesamts für Sport (Baspo) gesichert. Sie versorgen die Sportzentren in Tenero und Magglingen mit Köchen, Zimmermädchen, Küchenhilfen und sogar Aushilfsbademeistern. Es gehe darum, «saisonale Schwankungen, Grossanlässe und kurzfristige Personalausfälle» zu bewältigen, erklärt das Baspo.

Für Politiker sind das nur faule Ausreden. FDP-Ständerat Hans Hess (OW), Präsident der Geschäftsprüfungskommission, findet die Fälle «einfach unglaublich». SVP-Nationalrat Alfred Heer fühlt sich komplett verschaukelt: «Das ist ein Witz! Offensichtlich sind unsere Beamten zu faul, selbst geeignetes Personal zu suchen und einzustellen.» Auch Maria Bernasconi, SP-Nationalrätin und Geschäftsführerin beim Personalverband des Bundes, sagt: «Diese Fälle sind sehr stossend. Da wird das Personalgesetz umgangen.»

Erstaunlich: Die Politiker, egal ob links oder rechts, kritisieren alle dasselbe. Sie erwarten, dass die Verwaltung ihren Personalbedarf und die Einsätze besser plant. Sie monieren, dass die Temporär-Exzesse teuer sind und den Personalvermittlern die Kassen füllen. Und sie sind überzeugt, dass die aktuelle Personalpolitik der Verwaltung nur Verlierer kennt.

Für reguläre Mitarbeiter sei es schwierig, immer wieder neue Leute einzuarbeiten. Es gebe viel Personalfluktuation. FDP-Ständerat Hess sagt: «Unbefriedigend ist die Praxis auch für die Temporären, weil sie in ungeregelten Arbeitsverhältnissen stehen.» SVP-Heer pflichtet bei: «Man könnte Arbeitslosen eine Stelle geben. Aber nein, man fördert unsichere Temporärjobs.»

Uneinigkeit herrscht nur bei der Frage, wie den Temporär-Exzessen beizukommen ist. Maria Bernasconi (SP) erwartet, dass die Ämter ihren Personalbedarf ehrlich kommunizieren, damit reguläres Personal angestellt werden kann. Anders sieht dies FDP-Hess: «Es muss ein Ruck durch die Verwaltung gehen. Sonst sehe ich nur noch die Möglichkeit, die Sachkredite zu kürzen, um den Beizug von Externen endlich einzudämmen.»

Publiziert am 23.10.2014 | Aktualisiert am 23.10.2014
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4 Kommentare
  • Hans  Scheidegger 23.10.2014
    Nach dem Berater-Wahsinn nun dieser Temporär-Irrsinn! Da fragt sich der Steuerzahler zu Recht, warum das Geld so verschleudert wird. Mit einer sorgfältigen Personalplanung könnte man tatsächlich Millionen sparen!
  • Daniel  Weilenmann aus Zürich
    23.10.2014
    Mich erstaunt es, dass das RAV nicht in die Pflicht genommen wird um Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen bzw. zu vermitteln.
  • Heinz  Britschgi aus Langnau bei Reiden
    23.10.2014
    Es geht um 160 000 Arbeitsstunden über vier Jahre, was rund 25 Vollzeitstellen entspricht.
    Danach braucht es kein Personal mehr?
    Man könnte Arbeitslosen eine Stelle geben. Aber nein, man fördert unsichere Temporärjobs.
    Wie sollen diese Leute ein vernüntiges Leben / Familienplanung umsetzen?
    Wieder die ALV belasten?
    Die streichen die Prozente immer mehr und Leute die Arbeiten wollen kriegen keinen neue Festanstellung.
    Nur noch Temporär.
    Und ganz absurd, SEHR viele sind ÜBERQUALIFIZIERT.
  • Rolf  Hess aus Münchenbuchsee
    23.10.2014
    Die Zahl der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung stieg zwischen 2009 und 2013 von 158 200 auf 183 300, wie aus der Beschäftigungsstatistik des Bundes hervorgeht. In der Zahl inbegriffen sind einzig Verwaltungsstellen bei Bund, Kantonen und Gemeinden – nicht aber Berufe wie Lehrer oder Ärzte, die ebenfalls im öffentlichen Dienst stehen. Der Zuwachs innerhalb von vier Jahren beträgt 25 100 Stellen, mit anderen Worten: Pro Monat gibt es in der Schweiz 523 neue Beamtenstellen. Ohne Tempräre