Angstkampagne oder berechtigtes Anliegen? Die Befürworter eines strengeren Rauchergesetzes ziehen mit Zahlen in den Abstimmungskampf. Die Entscheidung fällt am 23. September.
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Thomas Cerny: Gegen kantonale Sonderzüge beim Schutz vor Passivrauchen. (Sabine Wunderlin)
Aufmarsch der Extremisten in Bern? In diese Ecke sehen sich die «Schutz gegen Passivrauchen»-Initianten zu Unrecht gedrängt.
Die Aussage, dass sie ein totales Rauchverbot forderten, sei eine «für eine sachliche Meinungsbildung der Stimmenden schädliche Fehlinformation», sagte Lungenliga-Direktorin Sonja Bietenhard heute vor den Medien.
An ihrer Seite: Thomas Cerny, der berühmteste Schweizer Krebsspezialist. Er hat unter anderem auch den Entertainer Kurt Felix (†71) behandelt.
In den Kampf gegen bediente Fumoirs und Raucherlokale zieht er mit Zahlen: «Passivrauchen verursacht weltweit jährlich 600’000 Todesopfer», zitiert der Onkologe aus einer von der Weltgesundheitsorganisation WHO in 192 Ländern durchgeführten Studie.
Dass in der Schweiz seit Mai 2010 bereits ein verschärftes Rauchergesetz gilt, ist den Initianten nur ein kleiner Trost. «Solange nach wie vor Arbeitnehmende im Tabakrauch arbeiten müssen, hat das Bundesgesetz den Titel ‹Schutz vor Passivrauchen› nicht verdient», so Bietenhard.
Auch das Föderalismus-Argument wollen die Initianten nicht gelten lassen. «Es geht hier um den Schutz vor einem Gift der Giftklasse 1, zu der auch Asbest zählt», so Cerny. Dass man sich beim Rauchen so grosszügig zeige liege einzig daran, «dass dieses historisch und gesellschaftlich verankert ist».
Abgestimmt wird am 23. September. Die Initiative verlangt, dass alle Innenräume rauchfrei werden, die öffentlich zugänglich sind oder als Arbeitsplatz dienen.
Damit wären künftig in Restaurants nur noch unbediente Fumoirs erlaubt. In 8 Kantonen ist dies schon heute so. In 18 Kantonen sind bediente Fumoirs dagegen erlaubt, in 11 davon auch kleine Raucherlokale.
Umstritten ist, ob bei einer Annahme der Initiative das Rauchen auch in Einzelbüros verboten wäre.
Laut dem Abstimmungsbüchlein des Bundes ist dies der Fall. Die Initianten kritisieren die Auslegung des Bundes aber. Wo keine Drittpersonen geschädigt würden, bliebe das Rauchen erlaubt, versichern sie.
Gesundheitsminister Alain Berset wird zu dieser Frage voraussichtlich morgen Stellung beziehen. (per/sda)
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