Kampf um schärferes Rauchverbot Krebs-Spezialist Cerny: 600'000 Tote wegen Passivrauchen

Angstkampagne oder berechtigtes Anliegen? Die Befürworter eines strengeren Rauchergesetzes ziehen mit Zahlen in den Abstimmungskampf. Die Entscheidung fällt am 23. September.

  • Publiziert: 13.08.2012, Aktualisiert: 14.08.2012
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play Thomas Cerny: Gegen kantonale Sonderzüge beim Schutz vor Passivrauchen. (Sabine Wunderlin)

Aufmarsch der Extremisten in Bern? In diese Ecke sehen sich die «Schutz gegen Passivrauchen»-Initianten zu Unrecht gedrängt.

Die Aussage, dass sie ein totales Rauchverbot forderten, sei eine «für eine sachliche Meinungsbildung der Stimmenden schädliche Fehlinformation», sagte Lungenliga-Direktorin Sonja Bietenhard heute vor den Medien.

An ihrer Seite: Thomas Cerny, der berühmteste Schweizer Krebsspezialist. Er hat unter anderem auch den Entertainer Kurt Felix (†71) behandelt.

Das geltende Rauchverbot genügt nicht

In den Kampf gegen bediente Fumoirs und Raucherlokale zieht er mit Zahlen: «Passivrauchen verursacht weltweit jährlich 600’000 Todesopfer», zitiert der Onkologe aus einer von der Weltgesundheitsorganisation WHO in 192 Ländern durchgeführten Studie.

Dass in der Schweiz seit Mai 2010 bereits ein verschärftes Rauchergesetz gilt, ist den Initianten nur ein kleiner Trost. «Solange nach wie vor Arbeitnehmende im Tabakrauch arbeiten müssen, hat das Bundesgesetz den Titel ‹Schutz vor Passivrauchen› nicht verdient», so Bietenhard.

«Ein Gift der Giftklasse 1»

Auch das Föderalismus-Argument wollen die Initianten nicht gelten lassen. «Es geht hier um den Schutz vor einem Gift der Giftklasse 1, zu der auch Asbest zählt», so Cerny. Dass man sich beim Rauchen so grosszügig zeige liege einzig daran, «dass dieses historisch und gesellschaftlich verankert ist».

Abgestimmt wird am 23. September. Die Initiative verlangt, dass alle Innenräume rauchfrei werden, die öffentlich zugänglich sind oder als Arbeitsplatz dienen.

Damit wären künftig in Restaurants nur noch unbediente Fumoirs erlaubt. In 8 Kantonen ist dies schon heute so. In 18 Kantonen sind bediente Fumoirs dagegen erlaubt, in 11 davon auch kleine Raucherlokale.

Umstritten ist, ob bei einer Annahme der Initiative das Rauchen auch in Einzelbüros verboten wäre.

Laut dem Abstimmungsbüchlein des Bundes ist dies der Fall. Die Initianten kritisieren die Auslegung des Bundes aber. Wo keine Drittpersonen geschädigt würden, bliebe das Rauchen erlaubt, versichern sie.

Gesundheitsminister Alain Berset wird zu dieser Frage voraussichtlich morgen Stellung beziehen. (per/sda)

Beliebteste Kommentare

  • Meier  Daniel
    mich ärgern zwar die Raucher auch oft. Aber solche Verbots-Gläubige sind mir dann doch noch mehr zuwider. Mit Sicherheit haben die doch noch ein ganzen Stapel an Verboten in der Schublade und werden uns damit die nächsten Jahre drangsalieren.
  • Mike  Egger
    600000 Tote wegen Passivrauchen!
    Wurde mich mal interessieren, wie jemand auf solch eine Zahl kommt. Keiner kann sagen, dass jemand am Passivrauchen gestorben ist. Heute wird jede Krankheit der Atemwege pauschal dem Rauchen angelastet, wenn er nicht geraucht hat war es halt das Passivrauchen.
    Ich kenne Leute die noch nie eine Zigarette geraucht haben oder Alkohol getrunken haben. Trotzdem erkranken diese Leute an Lungen- oder Leberkrebs.

Alle Kommentare (40)

  • Josua  Häfeli , Luzern
    Ich glaub, würde man all diese Zahle von Toten durch: Rauchen, Passivrauchen, Alkohol, Drogen, Übergewicht, Abgase usw zusammenzählen...die Zahl wäre wohl grösser als die Weltbevölkerung... -.-
    • 14.08.2012
    • 24
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  • Heidi  Engel , Sumiswald , via Facebook
    Warum wollen sie einfach noch mehr Verbieten!! lasst doch den Rauchern das Rauchen!
    Ich bin nicht Gegner der Rauchern, und Rauche selber nicht, aber
    beim Zigarettenkauf fliesst ein Teil auch in die AHV liebe Lungenliga!!
    auch sie wollen doch einmal auch davon Beziehen, und Sterben müssen alle einmal ob mit oder ohne Lungenkrebs.


    • 14.08.2012
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  • Josua  Häfeli , Luzern
    Wie will man das eruiren?? Also das der Tod ausschliesslich vom Passivrauchen kommt??
    Unmöglich...und eine solch plakative, ja schon fast ketzerische Aussage kommt von einem Krebsspezialist...

    Ich glaube kaum dass eine Kellnerin, die nicht raucht eine Arbeitsstelle antritt, bei der sie genau weiss, dass dort geraucht wird...und wenn wird es ihr wohl kaum so viel ausmachen...
    • 14.08.2012
    • 20
    • 5
  • Sam  Pirelli , via Facebook
    Um es wieder einmal klar zu sagen: Aufgrund der freiwillig verkürzten Lebenserwartung verursachen wir Raucher vom 20. Lebensjahr bis zum Tod 27 Prozent geringere KK-Kosten - bei AHV/PK sind die Einsparungen entsprechend noch grösser. Bereits heute werden zwei Drittel der Kosten von über 70-Jährigen verantwortet - darunter hats naturgemäss recht wenige Raucher. Wenn ihr weitermacht mit dem Verbotswahn der erstaunlicherweise nur Raucher und nicht etwa auch Autoabgase betrifft, dann hab ich auch keine Lust mehr, solidarische euren Alzheimer und euren Parkinson zu subventionieren.
  • andi  walt
    600000 wegen Passivrauchen? Wieviele haben Depressionen und Burnout am Arbeitsplatz weil sie mit allem Druck nicht Klarkommen???
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