Bankdaten-Streit Köppel will deutsche Minister verhaften lassen

MÜNCHEN – Die Stimmung zwischen Bern und Berlin wird wegen der geklauten Bankdaten zusehends gereizter. Jetzt giesst auch noch der Weltwoche-Chef Öl ins Feuer.

  • Aktualisiert am 13.01.2012
  • Von Simon Hehli
Roger Köppel macht sich in Deutschland derzeit keine Freunde.- Reuters

In der Sendung «Münchner Runde» des Bayerischen Rundfunks spielte «Weltwoche»-Boss Roger Köppel gestern den Winkelried für das Schweizer Bankgeheimnis. Köppel ist als früherer Chefredaktor der Berliner Zeitung «Die Welt» ein gern gesehener Talkgast in Deutschland.

«Wer wissentlich gestohlenes Gut kauft, ist ein Hehler», schoss Köppel gegen die deutsche Regierung. Mit dieser Aussage war der Vorzeige-Intellektuelle der Nationalkonservativen noch in bester Gesellschaft mit Schweizer Politikern von links bis rechts. Doch er setzte im Eifer des Gefechts noch einen drauf.

«Wenn ich Politiker wäre, würde ich die deutsche Regierung anzeigen wegen Anstiftung zu Industriespionage. Und wenn ein deutscher Minister in die Schweiz kommen würde, würde ich ihn verhaften lassen», polterte Köppel.

Wenig hilfreich findet Mario Fehr solche Kampfrhetorik. «Das ist blanker Unsinn», erklärt der SP-Aussenpolitiker gegenüber Blick.ch. Die Schweiz könne es sich nicht leisten, eine juristische Auseinandersetzung oder einen Handelskrieg mit unserem wichtigsten Handelspartner vom Zaun zu brechen.

Statt Öl ins Feuer zu giessen, sollte die Schweiz besser um das Goodwill der deutschen Öffentlichkeit kämpfen, damit das Ansehen des Landes nicht noch mehr Schaden nimmt, betont Fehr.

«Wir müssen klarmachen, dass wir bereit sind, das Grundübel des derzeitigen Konflikts auszuräumen: die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und -betrug, die sich durch nichts rechtfertigen lässt», verlangt der Zürcher Nationalrat.

Das neue Doppelbesteuerungs-Abkommen mit Deutschland, das die Schweiz derzeit aushandelt, sieht genau diesen Schritt vor. «Aber es sind Leute wie Köppel, die immer noch an der Fiktion des Bankgeheimnisses festhalten und die uns letztlich in diese Bredouille gebracht haben», kritisiert Fehr.

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