Heisser Agrar-Herbst Kleinbauern gegen die Grossen – aber alle gegen Schneider-Ammann

  • Publiziert: 09.08.2012
  • Von Irène Harnischberg
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Kleinbauern-Präsidentin Regina Fuhrer ist unzufrieden.

Mit der neuen Agrarpolitik 2014–2017 ist die Existenz von Tausenden von Betrieben bedroht, warnen die Kleinbauern.

Die Landwirtschaftspolitik wird vom Schweizerischen Bauernverband dominiert. Und der will vor allem eines für seine Klientele, die Grossbauern: viel Geld für die Produktion, wenig Geld für die Nachhaltigkeit und Ökologie.  Doch in der Schweiz gibt es nicht nur Grossbauern. Ganze zwei Drittel aller Bauernhöfe bewirtschaften nur eine Fläche von ­weniger als 20 Hektaren.

Und diese Bauern schlagen jetzt Alarm: Die Agrarpolitik 2014–2017 (AP 14–17) von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gefährdet die Existenz von Tausenden von kleinen und mittleren Betrieben, warnen sie. Regina Fuhrer, Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung, die zwar grundsätzlich einverstanden ist mit der Stossrichtung der neuen Agrarpolitik, ortet vor allem drei entscheidende Probleme:

Ausbildung: Künftig gibt es nur noch Direktzahlungen für jene, die ein eidgenössisches ­Fähigkeitszeugnis oder ein eidgenössisches Berufsattest vorweisen können. Eine gleichartige Ausbildung in einem anderen Beruf, ergänzt mit einer landwirtschaftlichen Weiterbildung (NELA), genügt nicht mehr. «Diese neue Regelung ist völlig unsinnig und verhindert, dass auch Quereinsteiger eine Chance haben», sagt Fuhrer. Auf solche Quereinsteiger ist der primäre Sektor mit seinen mehr als 17 000 Nebenerwerbsbetrieben aber angewiesen. Ein Blick in die Statistik zeigt zudem, dass es bereits heute dem Landwirtschaftsbereich an Nachwuchs fehlt. Um die Nachfolge aller Bauernbetriebe im Zyklus von 40 Jahren sicherzustellen, wären 1500 Ausgebildete nötig. Pro Jahr schliessen aber nur rund 900 Landwirte mit dem Berufsdiplom ab.

Abschaffung Direktzahlungslimiten: «Es ist wichtig, dass Direktzahlungen an einzelne Betriebe nicht à discrétion ausbezahlt werden. Es braucht für die Akzeptanz in der Bevölkerung deshalb eine Begrenzung nach oben», fordert die 53-jährige Biobäuerin.

Berechnung der Arbeitskraft: Mit der AP 14–17, für die Schneider-Ammann 13,7 Milliarden Franken ausgeben will, sollen auch die Faktoren zur Berechnung der Standardarbeitskraft angepasst werden. Dadurch würden viele kleine und mittlere Betriebe von Direktzahlungen und Investitionshilfen ausgeschlossen, und damit wäre deren Existenz gefährdet. «Das ist nicht akzeptabel», sagt Fuhrer. «Und gerade auch die Arbeit der Bäuerinnen wird damit nicht genügend honoriert.»

Beliebteste Kommentare

  • René  Widmer , Ersigen
    Viel wichtiger als nur die reine Kostenbetrachtung wäre die Förderung der nachhaltig positiven Landwirtschaft. Dies ist vor allem mit Direktzahlungen zu lösen. Solange wir 5 bis 10 mal mehr Geld ausgeben für die Subvention der Milchwirschaft anstelle von Gemüse etc., wird kein Bauer auf Gemüseanbau umsteigen. Und alle, die sich für die Erhaltung und Vergrösserung des Butter- und Fleischberges einsetzen gehörten abgewählt!

Alle Kommentare (5)

  •  
    die svp muss nun dafür sorgen dass die subventionen in der landwirtschaft um die hälfte gekürzt werden. viele landwirte sind einfach frührentner auf bundeskosten. jeder arbeiter und angestellte hat heute keine garantie dass er seinen arbeitsplatz behalten kann. einem bauern kann sowas nicht passieren dank der immensen staatssubventionen. er kann gar nicht "verlumpen". ich bin ein bauernbub.
  • René  Widmer , Ersigen
    Viel wichtiger als nur die reine Kostenbetrachtung wäre die Förderung der nachhaltig positiven Landwirtschaft. Dies ist vor allem mit Direktzahlungen zu lösen. Solange wir 5 bis 10 mal mehr Geld ausgeben für die Subvention der Milchwirschaft anstelle von Gemüse etc., wird kein Bauer auf Gemüseanbau umsteigen. Und alle, die sich für die Erhaltung und Vergrösserung des Butter- und Fleischberges einsetzen gehörten abgewählt!
    • Manfred  Schnyder , Wanzwil
      Langfrist stirbt der Bauer in der Schweiz, schon weil die Rahmenbedingungen nicht mehr existieren und auch das Anbauland.
      • 09.08.2012
      • als Kommentar auf René  Widmer , Ersigen
      • 12
      • 4
  • Bruno  Köppel , St.Gallen
    Die schweizerische Kleinbetriebslandwirtschaft ist viel zu teuer und durch nichts zu rechtfertigen. Dass Tausende von kleinen und mittleren Betrieben "gefährdet" sind ist keine Gefahr, sondern ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft.
  • Klaus  Rangelov
    Alle sollen dem freien Markt ausgesetzt werden, schlanker Staat, weniger regulieren, sparen, Subventionen streichen, undsoweiter. Soweit die SVP-Logik. Ausser natürlich es geht um die Bauern. Da kann man nicht genug Kohle zum Fenster raus schmeissen, die Stammwählerschaft will schliesslich besto.. äh ruhiggestellt werden, damit man wieder schön die eigenen Ziele mehr Geld für die Reichen, weniger Geld für den Mittelstand verfolgen kann.

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