Maurers Rüstungs-Progrämmli Kampfjet-Konstrukteure kämpfen ums Überleben

BERN – Ueli Maurer präsentierte heute das Rüstungsprogramm 2010. Dabei interessierte vor allem, was er nicht kaufen kann: die neuen Kampfflieger.

  • Publiziert: 17.02.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Simon Hehli

Das Rüstungsprogramm des VBS für dieses Jahr fällt verhältnismässig mager aus: Nur gerade 600 Millionen Franken steckt Ueli Maurer in 2500 neue Fahrzeuge, zwei PC21-Trainingsflugzeuge und die Aufrüstung der leichten Transport- und Schulungshelikopter. Damit versucht der SVP-Bundesrat die schlimmsten Mängel seiner maroden Armee wenigstens behelfsmässig zu beheben.

Der grösste finanzielle Brocken, der möglicherweise bald auf die Armee zukommt, ist aber die Beschaffung neuer Kampfjets als Ersatz für die altersschwache Tiger-Flotte. Der Bundesrat will darüber erst entscheiden, wenn der neue Sicherheitsbericht vorliegt (Blick.ch berichtete).

Dringend, aber nicht dringend genug

Ueli Maurer machte erneut klar, dass er den Kauf der neuen Flieger für dringend hält – aber nicht für das «dringendste Geschäft von allen.» Deshalb plädiert er dafür, vorerst auf die Anschaffung zu verzichten.

Diese ablehnende Haltung bringt offenbar die Hersteller der drei Modelle, die zur Auswahl stehen, zum Verzweifeln. Zumindest für die Produzenten des Rafale und des Gripen, die französische Dassault Aviation und die schwedische SAAB-Tochterfirma Gripen International, geht es gemäss Maurer ums nackte Überleben.

«Der Rafale ist noch nirgends verkauft. Und auch für Gripen gehts darum: Verkaufen sie noch einmal oder nicht? Deshalb wäre für sie ein Abschluss mit der Schweiz so wichtig», betonte Maurer. Die beiden Firmen betrieben denn auch intensives Lobbying bei Schweizer Politikern. Es geht immerhin um einen Auftrag in der Höhe von 2,2 Milliarden, der ihnen zu entschwinden droht.

Schweizer Auftrag hätte enormen Werbeeffekt

SVP-Nationalrat Thomas Hurter gibt seinem Parteikollegen Maurer Recht: «Gripen International ist eine sehr kleine Firma, die bisher nur wenige Flieger absetzen konnte. Auch der Rafale fand ausserhalb Frankreichs keinen Absatz», erklärt der Militärexperte und frühere Kampfpilot gegenüber Blick.ch.

Ein Schweizer Vertreter von Gripen widerspricht Hurter und weist darauf hin, dass der schwedische Flieger bisher immerhin nach Ungarn, Tschechien, Thailand und Südafrika verkauft worden sei und in Grossbritannien zu Schulungszwecken verwendet werde.

Der Eurofighter, der von Deutschland, Spanien, Grossbritannien und Italien gemeinsam hergestellt wird, kennt keine grösseren Absatzschwierigkeiten. Doch auch die Eurofighter GmbH sei enorm am Schweizer Auftrag interessiert, sagt Hurter.

«Unser Evaluationsverfahren gilt weltweit als vorbildlich. Deshalb könnte das Flugzeug, das sich bei uns allenfalls durchsetzt, von einem grossen Werbeeffekt profitieren», betont der SVP-Politiker. Jakob Büchler, CVP-Nationalrat und Präsident der Sicherheitskommission, ist derselben Meinung: «Die Schweiz setzt auf Qualität. Deshalb ist unser Auftrag für die drei Bewerber so wichtig.»

play Thomas Hurter lobbyiert für den Kauf neuer Kampfflieger – und weiss genau, wieso das Geschäft für die drei Bewerber-Firmen so wichtig ist. (Michael Stahl)