JSVP-Boss Liebrand mit Brandbrief zum Abschied: «Intrigen», «Drecksspiele» und «Mobbing» in der SVP

Ende Woche tritt Anian Liebrand als Präsident der Jungen SVP zurück. Zum Abschied hinterlässt er seiner Partei einen Brandbrief und spricht von parteiinternem Mobbing. Besonders scharf kritisiert er die Luzerner SVP-Bosse.

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Politik

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«Was ich vor kurzem innerhalb meiner Partei erleben musste, hätte ich niemals für möglich gehalten und befremdet mich sehr.» Mit solchen Worten verabschiedet sich der 26-jährige Anian Liebrand – zumindest vorerst – aus der Politik.

Am Samstag tritt er an der Delegiertenversammlung der Jungen SVP als Parteipräsident zurück. Schon nach den Nationalratswahlen hat er seine Ämter in der Luzerner SVP niedergelegt.

Nach «reiflicher Überlegung» habe er sich nun entschieden, seinen Ärger öffentlich zu machen. Sowohl die Bevölkerung des Kantons Luzern als auch die Parteibasis sollen seiner Meinung nach wissen, «wenn in unserer Partei Machenschaften Einzug halten, die so gar nicht SVP-like sind», schreibt er auf Facebook.  In der Luzerner SVP würden «Intriganten den Takt angeben», wettert er.

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«Intriganten» seien in der SVP am Werk, findet JSVP-Boss Anian Liebrand. KEY

 Zwar sei es «völlig normal», dass er für sein «jahrelanges Engagement» keinen Dank, sondern «höchstens einen Tritt in den Hintern» erhalte. Doch nun hats dem Jung-Politiker komplett den Nuggi rausgehauen.

Was ist passiert? Am Anfang des Zoffs stand gemäss Liebrand ein Interview in der Parteizeitung über die kantonale Asyl-Initiative. Der «Kurier» soll in alle Luzerner Haushalte gestreut werden.

Doch der Chefredaktor habe ihm kurz später beschieden, das Interview werde «auf Geheiss des Kantonalpräsidenten» nicht erscheinen. Peter With, Präsident der Stadt-Partei habe in diesem Fall gedroht, alle Ämter niederzulegen, behauptet Liebrand, spricht von «Erpressungen» und «Dreckspielen».

Luzerner SVP-Chef ist Nationalrat Franz Grüter. Von diesem zeigt sich Liebrand «schwer enttäuscht». Schliesslich habe er teilweise mehr Kontakt mit ihm gehabt als mit seiner Freundin oder seinen Eltern. «Und der Dank dafür ist, dass man mich ausbootet, wenn ein Einzelner offenbar ein Problem mit mir hat», so der Jung-Politiker.

Für ihn ist klar: «Jetzt, da ich ja (bald) kein politisches Amt mehr ausübe, kann man mich ja guten Gewissens wegmobben.»

Badge für Frau? Franz Grüter (SVP/LU). play
Der Luzerner SVP-Präsident Franz Grüter spricht von einer «Überinterpretation» Liebrands. Keystone

Grüter zeigt sich auf Anfrage überrascht ob den Vorwürfen. Zwar sagt er: «Es trifft zu, dass ich entschieden habe, das Interview zur Asyl-Initiative mit ihm nicht zu publizieren.»

Er habe jemanden zu Wort kommen lassen wollen, der ein in der Luzerner SVP eine Funktion innehabe. «Dieser Entscheid hat ihn offensichtlich sehr betroffen gemacht.»

Der Nationalrat stellt aber klar: «Bei der Behauptung, ich hätte mich von Herrn With erpressen lassen, handelt es sich um eine Überinterpretation.»

Dieser habe bloss «ein bisschen Druck gemacht», so Grüter.

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Peter With, Präsident der Stadtluzerner SVP, sagt, Liebrands Behauptung entbehre «jeglicher Grundlage».

With selbst sagt: «Ich habe niemandem gesagt, dass ich zurücktrete. Diese Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage.» Fakt sei, dass Liebrand nicht mehr im Komitee der Initiative habe mitarbeiten wollen. «Er hinterlässt eine grosse Lücke, ich bedaure seinen Rückzug aus der SVP Kanton Luzern», fügt er an.

Grüter indes sagt, von Mobbing könne keine Rede sein, Liebrand geniesse weiter sein Vertrauen. «Richtig ist, dass die Grosswetterlage nach seinem mässigen Abschneiden bei den Nationalratswahlen schwierig war», wagt er einen Erklärungsansatz. Er werde das Gespräch mit dem Nachwuchspolitiker suchen.

Dieser schreibt, er wolle nun für einige Zeit Abstand gewinnen. Auf Anfrage wollte er sich nicht weiter zum Eklat äussern.

Publiziert am 25.01.2016 | Aktualisiert am 25.01.2016
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34 Kommentare
  • s  z aus Zürich
    26.01.2016
    DAs überrascht nicht, kommt doch eine EWS aus dieser Partei. Wenn es um populistische Themen geht, dann ist es eine Volkspartei und wenn es um die Kohle der Parteioligarchen geht, dann ist es eine Oligarchenpartei. Genial ist das Marketing der SVP zusammen mit der FDP welche es schaffen, 70 Prozent der Wähler gegen die Erbschaftssteuer zu stimmen und die AHV über die MwSt und Lohnnebenkosten zu bezahlen lassen. Dies in einer Schweiz, in der 98 Prozent NUR davon träumen!
  • Thomas  Hager aus Luzern
    26.01.2016
    Es freut die Mehrheit in der Schweiz wenn sich die SVP gegenseitig an den Kragen geht. Danke!
  • Alexandra  Weber aus Kloten
    26.01.2016
    Solche Szenchen gehören wohl zur Politik und zwar WELTWEIT!
    Aber andere SCHLECHT zu machen oder durch den MIST ziehen ist wohl eher schlechte Charaktersache.
    ewz
  • Melanie  Schwab aus Bülach
    25.01.2016
    Herr Bachmair : Sie haben nicht gelesen, was Anian Liebrand sagt.. Was er sagt, wird wohl stimmen. War der Liebrand nicht mal der Star der jungen SVP ? Denken Sie mal nach. Wenn der das sagt, dann muss das ja wohl stimmen. Vielleicht hat er gemerkt, wie es da wirklich zugeht. Und das sollte Ihnen auch die Augen öffnen.. Wenn eine Partei ihre Mitglieder so behandelt, wie Anian Liebrand es erzählt.. Sie kennen den Spruch : Schau, wie jemand andere behandelt, so wird er dich behandeln..
  • Philipp  Krick 25.01.2016
    Mein Problem mit dieser Partei ist, dass sie einerseits Probleme angeht, an denen sich die anderen nicht die Finger verbrennen wollen und andererseits rein menschlich gesehen. desolat ist. Und sich und der Sache somit schadet.