Johann Schneider-Amann: «Der grösste Blödsinn»

Maschinen-Industrieller Johann N. Schneider-Ammann wütet gegen die Forderung, dass fast 70% aller Kinder die Matur brauchen.

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Verrückter Arbeitsmarkt: Für die bestbezahlten Stellen finden sich bei Weitem nicht genügend Schweizer und Schweizerinnen. So halten Spitäler im Inland vergeblich Ausschau nach Ärzten. An den Universitäten werden immer mehr Stellen mit ausländischen Professoren besetzt. Und ein Unternehmen ums andere findet für Kaderstellen keine geeigneten Bewerber mit rotem Pass.

Weil die Schweiz nicht genügend Hochschul-Absolventen «produziert», holt sie diese im Ausland – selbst jetzt, in der tiefsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten.

Mitten in dieses Malaise platzen die Schweizer Akademien der Wissenschaften mit einem «Weissbuch». Und mit einer brisanten Forderung: Zwei Drittel aller Schüler sollen Zugang zu einem Studium an einer Hochschule oder Fachhochschule erhalten. Nicht sofort, aber bis 2030.

Die Kehrseite der Medaille: Die Berufslehre – der weitaus stärkste Pfeiler in unserem Bildungssystem – würde zu einem Mauerblümchen-Dasein degradiert. Dagegen protestiert Johann N. Schneider-Ammann heftig. Der Unternehmer und Präsident der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie: «Das ist der grösste Blödsinn. Die ganze Welt beneidet uns um unsere Berufslehre – diese Kombination von Ausbildung im Betrieb und Theorie an der Schule.»

Zurzeit machen etwa 45 Prozent der Jugendlichen einen Lehrabschluss oder absolvieren eine vollzeitliche Berufsschule. «Wir brauchen Praktiker, die das Land von unten bauen können», sagt Schneider-Ammann, und er fährt fort: «Spätestens in dieser Krise ist klar geworden: Banken- und andere Dienstleistungsbranchen bringen die Schweiz nicht immer und automatisch vorwärts, intellektuelle Berufe auch nicht.»

Schneider-Ammann wird unterstützt vom Ökonomen und Bildungspolitiker Rudolf Strahm: Unsere Berufslehre sei einer der wichtigsten Gründe dafür, dass die Schweiz so reich sei. Strahm weiter: «Um jeden Preis mehr Akademiker ausbilden – das ist falsch. Wenn schon, brauchen wir mehr Ärzte, Ingenieure und Naturwissenschafter. Aber sicher nicht mehr Politologen, Ethnologen und Psychologen.»

Publiziert am 03.09.2009 | Aktualisiert am 19.01.2012
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  •   03.09.2009
    Ich kann Herr Ammann nur unterstützen... dieser Bildungswahn ist sehr schlecht. Wir brauchen gute Berufsleute und wir brauche Leute mit Praxis... Das ganze Bildungssystem ist heute fraglich. Viele Kurse könne gar nicht durchgeführt werden da zuwenig Teilnehmer und in der Krise fehlt es an Geld. Wenn Bildung nur noch kostet, dann haben wir echt ein Problem. Weiter wird oft Weiterbildungen zuwenig honoriert...Steuermässig sowieso.
  •   03.09.2009
    Akademie der Wissenschaft, Weissbuch... das tönt nach Harry Potter. Purer Schwachsinn, ausgedacht von unfähigen Theoretikern, die noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben. Der Weg über Berufslehre, Berufsmaturität und Fachhochschule bringt die fähigsten Leute heraus. Forderung abgelehnt!
  •   03.09.2009
    Endlich jemand, der begreift und laut sagt, was Sache ist! Chapeau.
  •   03.09.2009
    Johann Schneider-Ammann und Rudolf Strahm ist voll beizupflichten. Wenn zwei Drittel der Schüler die Matur machen sollten, hiesse das eine unverantwortliche Senkung des Niveaus der gymnasialen Ausbildung. Das Niveau ist heute schon bedenklich tief. Unsere Berufslehre darf nicht zum Mauerblümchen verkümmern.
  •   03.09.2009
    Ich kann J. Schneider-Ammann nur unterstützen. Da hat er einen gewaltigen Punkt getroffen. Wer hat die letzten Pleiten verbrochen......... man muss nur die Geschichte ansehen...... es spricht ja für sich. Swissair, UBS und andere fast Kolapse, sind von den theoretikern verbockt worden. Sicherheit, Entwicklung und Verhandlung, lernt man nicht im Schulbank.