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Auf der Daten-CD mit belastendem Material gegen deutsche Steuersünder finden sich vor allem Credit-Suisse-Kunden. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung» heute.
Bislang hiess es, dass der deutsche Fiskus etwa 100 Millionen Euro eintreiben könnte. Es gehe aber um viel mehr Geld. Aus «gut informierten Behördenkreisen» heisst es, es handle sich um einen der grössten Komplexe von Steuerhinterziehung durch Deutsche überhaupt.
Gemäss der Zeitung geht es um deutsche Kunden, die ihr Vermögen ganz oder teilweise nicht versteuert hätten. Dies seien Kunden, die nur selten Kontakt zur Bank hätten – wegen der Entdeckungsgefahr.
Deutschland drängt auf den Kauf der CD, will das Geld seiner Steuerflüchtlinge unbedingt eintreiben.
Gestern fand der cash-Power-Talk statt. Mit dabei: Urs Rohner, Vize-Präsident der Credit Suisse.
Herr Rohner, der Bundesrat hat am Mittwoch auf die Steueraffäre reagiert. Was halten Sie davon?
Urs Rohner: So weit ich das beurteilen kann, war es eine moderate Reaktion. Dass man bei gestohlenen Kundendaten keine Amtshilfe leisten will, scheint mir eigentlich klar.
Was raten Sie dem Bundesrat?
Dazu fühle ich mich nicht berufen. Doch im aktuellen Fall bin ich klar der Meinung, dass die Regierung hart dagegen halten und keine Konzessionen eingehen sollte.
Sind CS-Kunden vom Datenklau betroffen?
Wir haben im Moment keinerlei Indizien, die darauf hindeuten, dass es sich um CS-Daten handelt.
Haben sich verängstigte Kunden aus Deutschland bei ihrer Bank gemeldet?
Es ist sicher so, dass eine solche Geschichte nicht zur Beruhigung beiträgt, egal welche Bank betroffen ist. Das ist ja möglicherweise auch die Absicht: Dass man gar nicht so genau weiss, um welche Bank es sich handelt – falls überhaupt eine betroffen ist. Das Ganze scheint mir jedenfalls sehr gut abgestimmt zu sein.
Wie kann sich eine Bank schützen?
Zunächst einmal: Niemand kann in eine Bank reinspazieren und ein paar Tausend Kundendaten mitnehmen. Der Schutz von Kundendaten hat für eine Bank natürlich oberste Priorität. Aber mit genügend krimineller Energie kann man jedes System knacken – auch ein Banksystem. Aber es wäre falsch, hier von einem Trend zu sprechen. Es gab in jüngerer Vergangenhei drei Fälle: Vor ein paar Jahren Liechtenstein, dann kürzlich der Fall HSBC in Frankreich und jetzt offenbar ein neuer Fall.
Verstehen Sie die deutsche Sicht?
Als Jurist habe ich höchste Bedenken. Rechtsstaatlich und politisch halte ich es für bedenklich, wenn befreundete Staaten auf diese Weise miteinander umgehen. Das kann nicht der richtige Weg sein. Ich glaube, eine Regierung, die so etwas macht, geht ein grosses politisches Risiko ein.