Nach AKW-Panne am Mittwoch Jetzt kommt die Initiative «Mühleberg vom Netz»

  • Publiziert: 10.02.2012
  • Von Christof Vuille
play Franziska Herren und Walter Kummer beim Unterschriftensammeln für ihre Initiative. (zvg)

Eine kleine Gruppe von Bürgern im Kanton Bern reicht heute die Initiative «Mühleberg vom Netz» ein. Die Unterschriftensammlung lief wie geschmiert.

Heute reicht das kleine Initiativkomitee das Begehren in Bern ein. «Die Unterschriftensammlung verlief absolut problemlos, wir haben über 15‘000 beglaubigte Unterschriften», sagt Initantin Franziska Herren. Die Leute seien auf sie zugekommen, um unterschreiben zu können. «Wir trugen lustige Hüte, welche zeigten, um was es geht.» Unterstützung erhielten sie von den Sozialdemokraten und später auch von Greenpeace.

«Hauptberufliches» Unterschriftensammeln

Nach der AKW-Havarie in Fukushima habe sie Herzklopfen bekommen, sagt die 44-jährige zu Blick.ch. Als klar wurde, dass das Kernkraftwerk Mühleberg als Folge der Katastrophe in Japan nicht abgeschaltet wird, handelte sie rasch. Zusammen mit Walter Kummer (50), den sie erst seit etwa neun Monaten kennt, lancierte sie am 27. September die Initiative, welche verlangt, dass Mühleberg so rasch wie möglich vom Netz geht. Insgesamt sieben Personen aus dem Umfeld der beiden stehen hinter dem erneuten Kampf gegen die Atomenergie. Für ihre politische Arbeit legten Kummer und Herren ihre Jobs für ein halbes Jahr auf Eis. Nun zeigt sich: Es hat sich gelohnt.

Initiantin: «Es ist ein langer Weg»

Die Initianten sind überzeugt, dass die Mehrheit der Berner Stimmberechtigten nicht an Mühleberg festhalten will. Deshalb fordern sie den Kanton Bern auf, sich aktiv für eine Abschaltung einzusetzen. Die Initiative geht nun an den Regierungsrat. Danach kommt die Vorlage innerhalb eines Jahres in den Grossen Rat, welcher unter Umständen einen Gegenvorschlag formulieren kann. Erst danach spricht das Volk.

«Es ist ein langsamer Weg», sagt Herren. Mitinitiant Walter Kummer rechnet damit, dass es bis zur Abstimmung drei Jahre dauern könnte. Selbst wenn das Volk dann Ja sagt, wird Mühleberg vorerst weiter Strom produzieren.

Initiative soll Druck machen

Die Hoffnung ist, dass die Initative so viel Druck auf den Mühleberg-Betreiber BKW ausübt, dass sich bereits vorher etwas bewegt. Pikant: Hauptaktionär der BKW ist der Kanton Bern und damit indirekt die Berner Bürgerinnen und Bürger. Mit dem Aktienanteil von 52.5% an der BKW könne der Kanton direkten Einfluss auf das operative Geschäft nehmen, sind die Initianten überzeugt.

So oder so: Bis aus Mühleberg endgültig kein Atomstrom mehr in die Haushalte fliesst, dürfte es noch Jahre dauern.

Kommentare (6)

  • Jolanda  Walser , Gretzenbach
    Ich hoffe die AKW betreiber wachen endlich auf und fahren alle gleichzeitig auf Null, damit die Idioten mal auf die Welt kommen.
    • 11.02.2012
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  • peter  Schaad
    Ich bin gespannt, wie in Zukunft die immer grösseren Strombedürfnisse gedeckt werden reduktion fossiler Energien, Elektroautos usw. sollen. Auch interessant ist die Inkonsequenz der "Umweltschützer". Wenn es um AKW abschalten geht, dann geht bei ihnen sogar Strom produzieren mit CO2 Schleudern. Es ist wichtig, sichere AKWs zu haben und ich bin überzeugt, dass die in Schweiz das auch sind.
    • 11.02.2012
    • 0 Gefällt mir
  • Walter  Nef , Niederweningen
    Bern und später die Schweiz schafft sich selbt ab ,die Deutschen zeigen wie man ein Land an die Wand fährt.
    • 10.02.2012
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  • Rolf  Gurtner , Münsingen
    Wie wärs mit "alle AKW-Gegner vom Netz"? Stellt den Fantasten den Strom ab, dann hätte es genug für die Realisten unter uns. Solange Ästeten, Blüemliliebhaber und andere Schöngeister alle Stromprojekte behindern, sind wir auf Mühleberg schlicht angewiesen.
    • 10.02.2012
    • 0 Gefällt mir
  • Robert  Marek
    Liebe alle: das war keine Panne, sondern ein ganz normaler Vorgang im Rahmen eines gut funktionierenden Sicherheitsdispositivs. Schade, dass mit solchen Schlagzeilen Desinformation betrieben wird.
    • 10.02.2012
    • 1 Gefällt mir
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