
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Volk und Stände stimmen aller Voraussicht nach über die Abzocker-Initiative und einen Gegenvorschlag dazu ab. Der Nationalrat hat sich heute auf die Inhalte des Gegenvorschlags festgelegt.
Die Ausgestaltung der Vorlage war von vielen taktischen Überlegungen begleitet. Nun beinhaltet sie weitgehend das, was die CVP und die FDP vorgeschlagen hatten: Eine wirtschaftsfreundlichere Alternative zum Volksbegehren.
Weil die SP den Gegenvorschlag nicht gefährden wollte, zog sie einige Anträge zurück, deren Annahme zu einer Verschärfung der Vorlage geführt hätte. Eine Verschärfung hätte bewirken können, dass die Mitteparteien die Vorlage am Ende nicht mehr unterstützt hätten, was wiederum im Interesse der SVP gewesen wäre.
Bei den inhaltlichen Entscheiden gab es indes wechselnde Allianzen: Zuweilen verhalfen SP und SVP gemeinsam einem Vorschlag zum Durchbruch, zuweilen FDP und SVP.
Ziel von Initiative und Gegenvorschlag ist es, Lohn- und Boni- Exzesse zu verhindern. Erreicht werden soll dieses Ziel mit einer Stärkung der Aktionärsrechte. So sollen die Aktionäre börsenkotierter Unternehmen jährlich über den Gesamtbetrag der Vergütungen an den Verwaltungsrat abstimmen.
Der Gegenvorschlag schreibt vor, dass Boni nur ausbezahlt werden dürfen, wenn jemandes Leistung zum langfristigen Gedeihen des Unternehmens beigetragen hat. Verwaltungsräte und Manager sollen mit Klagen zur Rückgabe von Geldern gezwungen werden können, wenn sie ihre Arbeit schlecht machen. Zudem sollen goldene Fallschirme grundsätzlich untersagt werden.
Die Mehrheit zeigte sich überzeugt, dass so die «Abzockerei» eingedämmt werden könnte. Die Linke betonte allerdings, für sie handle es sich nur um einen ersten Schritt. Mehr Aktionärsdemokratie führe nicht zwingend zu tieferen Löhnen, es brauche Obergrenzen.
Die Debatte dauerte nahezu den ganzen Tag und war geprägt vom Schlagabtausch zwischen der SVP und der SP. Unzufrieden war am Ende die SVP, die vergangene Woche mit ihrer Strategie des indirekten Gegenvorschlags auf Gesetzesebene unterlegen war.
Sie wollte am Mittwoch den direkten Gegenvorschlag beerdigen, unterlag aber mit 128 zu 59 Stimmen. Die Hauptziele der Minder- Initiative seien im Gegenvorschlag «total verwässert» worden, kritisierten Toni Brunner (SVP/SG) und Pirmin Schwander (SVP/SZ).
Wenn die SP – die ja den Gegenentwurf eigentlich auch nicht wolle – ehrlich wäre, würde sie die SVP unterstützen und ihn ablehnen, monierte Schwander. Daniel Jositsch (SP/ZH) entgegnete, die SVP lehne den Gegenvorschlag nur deshalb ab, weil sie unter allen Umständen die Volksabstimmung verhindern wolle.
Sonst werde die SVP nicht müde, den Volkswillen anzurufen, hielt Jositsch fest. Bei der Abzocker-Initiative aber scheue sie eine Abstimmung «wie der Teufel das Weihwasser». Dies sei auch nicht verwunderlich, trage die SVP doch einen grossen Teil der Verantwortung für die Abzockerei.
Ulrich Schlüer (SVP/ZH) fragte Jositsch daraufhin, wie er denn erkläre, dass der Initiant der Abzocker-Initiative sich mit der SVP geeinigt habe, wenn diese doch die falschen Ziele verfolge.
Schwander warf seinerseits der Linken vor, sie verfolge nur das Ziel, Christoph Blocher – der sich mit Initiant Thomas Minder geeinigt hatte – eine Niederlage zu bescheren. «Träumen Sie in der Nacht von Christoph Blocher?», fragte Alfred Heer (SVP/ZH) die Linke.
Am Ende beschloss der Rat, Volk und Ständen sowohl die Abzocker- Initiative als auch den direkten Gegenvorschlag zur Annahme zu empfehlen. Für die Stichfrage empfiehlt er den Gegenvorschlag. Eine bürgerliche Minderheit hätte dem Volk nur den Gegenvorschlag zur Annahme empfehlen wollen. Die SVP enthielt sich der Stimme.
Die Vorlage geht nun an den Ständerat. Es ist davon auszugehen, dass auch dieser sich für den Gegenvorschlag entscheidet. Er könnte jedoch noch Änderungen anbringen, und auch die Abstimmungsempfehlung könnte anders ausfallen.
play
Thomas Minders Initiative kommt zusammen mit einem Gegenvorschlag vors Volk. (Blick)