Der Emmentaler SVP-Landwirt Andreas Aebi über den heissen Agrar-Herbst Jammern Bauern eigentlich immer?

Der Berner SVP-Nationalrat Andreas Aebi warnt vor dem Niedergang der Bauern.

  • Aktualisiert: 10.08.2012
  • Inteview: Irène Harnischberg
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Andreas Aebi gestern im Stall bei seinen Kühen in Alchenstorf BE.

(Philippe Rossier)
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Andreas Aebi will weniger staatliches Geld für Direktzahlungen einsetzen.

(Philippe Rossier)

BLICK: Herr Aebi, was läuft schief in der Landwirtschaftspolitik? Die Konsumenten jammern, die Politiker jammern – und die Bauern jammern ja sowieso immer, heisst es.
Andreas Aebi:
Die Landwirtschaftspolitik ist sehr komplex. Zudem haben wir das System von den Amis übernommen.

Was heisst das?
Die Amerikaner sagen: Die Preise müssen tief sein, also stützen wir das System mit Subventionen. Sonst brauchen die ärmeren Menschen Lebensmittelbons.

Die Preise in der Schweiz sind aber nicht tief.
Ja, das stimmt. Es läuft einiges schief. Ich habe vor kurzem in ­einem Restaurant für anderthalb Liter Wasser 12 Franken bezahlt. Und wir Bauern erhalten für ­einen Liter Milch gerade noch 52 Rappen.

Was spricht denn dagegen, im grenznahen Deutschland billige Lebensmittel einzukaufen?
Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft. Um es etwas salopp zu sagen: Es geht doch nicht, in Deutschland einzukaufen und in der Schweiz auf die Toilette zu gehen.

Was haben Sie eigentlich gegen Johann Schneider-Ammann?
Nichts.

Warum torpedieren Sie dann seine Agrarpolitik 2014–17, mit der er die Landwirtschaft mit 13,7 Milliarden Franken unterstützen will?
Schneider-Ammann soll dafür sorgen, dass die Nahrungsmittelproduktion nicht noch weiter zurückgeht.

Das tut er doch. Zusätzlich legt er aber das Gewicht auch noch auf die Ökologie. Was ist daran falsch?
Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz ist mit rund 55 Prozent der tiefste aller Industrieländer. Gleichzeitig steigt die Bevölkerung pro Jahr um 80000 Personen. Die wollen doch auch essen und trinken.

Das spricht aber noch nicht gegen mehr Geld für die Ökologie.
Mehr Geld für die Ökologie heisst, dass es weniger gibt für die produzierende Landwirtschaft. Und das wiederum heisst, wir müssen mehr Nahrungsmittel importieren.

Was ist daran falsch?
Die USA importieren Lebensmittel pro Einwohner für zehn Franken, die Europäische Union für 60 Franken und die Schweiz für 600 Franken. Wollen wir künftig für 1000 Franken importieren?

Wie hoch sollte denn der Selbstversorgungsgrad sein?
Ich möchte, dass er nicht weiter sinkt. Wenn wir anfangen, Milch aus Osteuropa zu importieren, dann ist das der Niedergang der Landwirtschaft.

Sie wollen gar nicht erst auf die Vorlage eingehen?
Ja, ich will, dass Schneider-Ammann nochmals über die Bücher geht. Es gibt über 120 Anträge. Das wird zum Flickenteppich. Und das ist nicht gut.

13,7 Milliarden Franken sind aber viel Geld.
Ja, es ist viel Geld. Ich verlange auch nicht mehr, ich möchte einzig, dass es richtig verteilt wird. Zudem sollte der Zahlungsrahmen der Teuerung angepasst werden.

Was würde die neue Regelung für Ihren Bauernhof bedeuten?
Ich würde weniger Direktzahlungen erhalten, obwohl ich ­einen höheren ökologischen Standard habe als verlangt. Das heisst, ich würde gezwungen, weniger zu produzieren.

Künftig erhält ein Bauer nur noch Direktzahlungen, wenn er ein Berufsdiplom hat. Ist das richtig?
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin ja selber auch Lehrlingsausbilder. Wahrscheinlich müssen wir vor allem für die Berggebiete einen Kompromiss finden.

Was heisst das konkret?
Wenn einer im Wallis in sehr extensiven Lagen Schafe hält, leistet er einen wichtigen Beitrag. Dann müssen wir uns überlegen, welche Ausbildung er braucht.

Aber im Grundsatz sind Sie dagegen.
Ich zeige Ihnen das am Beispiel meines Sohns. Er bildet sich zurzeit zum Landmaschinenmechaniker aus. Dann macht er noch die Ausbildung zum Bauern. Ich will nicht, dass mein Sohn eine Schnellbleiche macht. Die Schweiz braucht gut ausgebildete Bauern.

Und was haben Sie gegen die Übergangsbeiträge von 600 Millionen? Damit können sich die Bauern besser ans neue System anpassen.
Diese Beiträge sind nicht klar geregelt. Um mich zu wiederholen: Wir brauchen das Geld vor allem für die Produktion von Nahrungsmitteln.

Da sind sich aber Gross- und Kleinbauern nicht ganz einig.
Ich erlebe das nicht so. Rund um mich in meinem Dorf beispielsweise sind die Bauern mit mir einverstanden, auch der Biobauer.

Sie waren letzten Samstag an der SVP-Bauern-Landsgemeinde. Rund 1000 Bauern waren dabei und haben gegen die neue Agrarpolitik protestiert. Wie ist die Stimmung bei den Bauern?
Ich spüre eine gewisse Resignation. Vor allem auch bei den jungen Bauern. Letzte Woche wurde der Milchpreis wieder gesenkt und keiner tut was dagegen. Das ist schon sehr demotivierend.

Thema war auch der Agrarfreihandel, unter anderem mit China. Sind Sie dagegen?
Ich habe nichts dagegen, wenn beispielsweise Datteln, Orangen und Gewürze importiert werden. Aber es ist völlig unnötig, Lebensmittel, die ein Schweizer Bauer produziert, zu importieren.

Wird Aebi neuer Bauernpräsident?

Andreas Aebi (53) ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Sein Hof im Bernischen Alchenstorf ist 21 Hektaren gross. In seinem Stall stehen 40 Kühe. 2007 wurde er als SVP-Vertreter in den Nationalrat gewählt. Zurzeit ist er Präsident der Aussenpolitischen Kommission. Der Meisterlandwirt bildet Lehrlinge aus, ist als Auktionator im In- und Ausland unterwegs.Im Herbst will er Nachfolger von Hansjörg Walter als Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes werden. Neben dem SVP-Nationalrat gibt es noch drei weitere Anwärter fürs Präsidium. Die Wahl ist im November.

Beliebteste Kommentare

  • Thomas  Berger
    Nestlé, Emmi, etc bestimmen über die Landwirtschaftspolitik. Schlussendlich sind die Bauern indirekt bei solchen marktbeherrschenden Narungsmittelgrosskonzernen angestellt. Geld regiert die Welt. Dieser Spruch gilt überall.
  • Niklaus  Birchmeier , Würenlingen
    Liebe Bauern; Tut endlich auch einmal etwas für euch. Nicht nur jammern. Arbeitet zuerst einmal zusammen und organiiert Euch. Beim Milchpreis ruft Ihr nach dem Staat. Auch hier ist freie Marktwirtschaft. Aber ihr könnt ja eimal am gleichen Strick zehen.
    Noch etwas: ich siehe immer grössere Traktoren und gibt es bei Euch kein Subventionsmissbrauch? von dem spricht auch nieman. Dass es der Bauer nicht einfach weiss ich auch. Aber stellt Euch bitte dieser Herausforderung. Die Industrie muss es auch.
    Niklaus Birchmeier, Würenlingen

Alle Kommentare (4)

  • Claudia  Berger , Latterbach
    liebe steuerzahler die ihr so über die landwirtschaft wettert,ich denke es ist immer noch günstiger direktzahlungen zu zahlen als dann plötzlich viele arbeitslose bauern auf der sozialhilfe zu haben.
  • Hans  Meier , Lenzburg
    Die Landschaftspflege ist mit den Direktzahlungen, ca. 3 Milliarden !! pro Jahr abgegolten! Ihre Produkte müssten sie dann schon ohne Staatshilfe verkaufen können ! Tun sie aber nicht sonden richten sich im abgeschotteten Schweizermarkt gemütlich ein und ziehen den Schweizern nochmals ca. 3 Milliarden mit den zu teuren Produkten aus dem Sack!
  • Niklaus  Birchmeier , Würenlingen
    Liebe Bauern; Tut endlich auch einmal etwas für euch. Nicht nur jammern. Arbeitet zuerst einmal zusammen und organiiert Euch. Beim Milchpreis ruft Ihr nach dem Staat. Auch hier ist freie Marktwirtschaft. Aber ihr könnt ja eimal am gleichen Strick zehen.
    Noch etwas: ich siehe immer grössere Traktoren und gibt es bei Euch kein Subventionsmissbrauch? von dem spricht auch nieman. Dass es der Bauer nicht einfach weiss ich auch. Aber stellt Euch bitte dieser Herausforderung. Die Industrie muss es auch.
    Niklaus Birchmeier, Würenlingen
  • Thomas  Berger
    Nestlé, Emmi, etc bestimmen über die Landwirtschaftspolitik. Schlussendlich sind die Bauern indirekt bei solchen marktbeherrschenden Narungsmittelgrosskonzernen angestellt. Geld regiert die Welt. Dieser Spruch gilt überall.

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