Illegale Pools, Kinosäle und Saunas: Für reiche Ausländer gilt die Bauordnung nicht

Chalet-Chaos in Verbier: Zahlreiche Häuser von wohlhabenden Ausländern wurden illegal erstellt. Schuld ist ein lokaler Bau-Filz.

Bauboom im Walliser Touristenort Verbier play
Verbier erlebt seit 2005 einen enormen Bauboom – befeuert von reichen Ausländern. Manche lokale Bauunternehmer drücken bei Verstössen gerne beide Augen zu. Keystone

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«Es gibt eine Behandlung für die reichen Ausländer, die einen Zweitwohnsitz in Verbier wünschen. Und eine andere, strengere Behandlung für die Bewohner der Region.» So beschreibt der Architekt Léonard Bender das System von Bau-Filz, das über Jahre im Walliser Nobelskiort Verbier geherrscht hat. Dies berichtet «Le Temps».

Fünfzig Verstösse in 15 Bau-Dossiers

Enthüllt hatte die Bau-Affäre die Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» im vergangenen Sommer. Daraufhin hat Architekt Bender im Auftrag der Gemeinde Bagnes, zu der Verbier gehört, fünfzehn Baudossiers untersucht, die von der Gemeinde bewilligt wurden. Fünfzig Verstösse hat er dabei festgestellt. Sechs Dossiers verletzten das Zweitwohnungsgesetz. Weitere sechs Fälle verstossen gegen die Lex Koller, die den Verkauf von Grundstücken an Ausländer verbietet. Teils wurde die erlaubte Baufläche um mehrere Hundert Quadratmeter überschritten. 

Verantwortlich für den Bau-Skandal ist gemäss Gemeindepräsident Eloi Rossier einerseits die kommunale Bauordnung: Sie verbietet Schwimmbäder, Saunas und Kinosäle, die reiche Ausländer in die Kellergeschosse ihrer Chalets einbauen liessen. Andererseits sei das Bauamt personell unterdotiert gewesen. So habe sich die lokale Baubranche «gewisse Freiheiten aneignen» können, so Rossier gegenüber «Le Temps». 

Der Baukommissions-Präsident baut mit

Auch Interessenkonflikte haben eine Rolle gespielt. Besonders aufmerksam beobachtet wird der Präsident der Baukommission, der zugleich lokaler Baulöwe ist. Seine Firma soll in mehreren rechtswidrigen Chalets Arbeiten ausgeführt haben. Sogar bei der Erstellung von unbewilligten Projektteilen sei sie beteiligt gewesen, schreibt «Le Temps»

Die Gemeinde Bagnes hält den Untersuchungsbericht von Architekt Bender vorerst unter Verschluss. Zunächst soll das lokale Parlament den Bericht zur Kenntnis nehmen. 

Publiziert am 26.02.2016 | Aktualisiert am 26.02.2016
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  • Oliver  Furrer aus Zürich
    27.02.2016
    In der Gemeinde Klosters gibt es ähnliche Fälle. Die kalte Fläche wird nachträglich ohne Baubewilligung zu warme Wohnfläche umgebaut und lokale Architekten, GUs, Bauunternehmen und Handwerker sind involviert. Auch Verstösse gegen Lex Koller, Zweitwohnungsgesetz und Pauschalsteuergesetze sind verbreitet. Es gibt Makler die Grundstückgewinnsteuer durch Schwarzzahlungen umgehen. Zweitwohungen werden als Erstwohnungen vermietet usw. Es interessiert einfach niemandem etwas...
  • Toni  Brunner aus Dasmarinas/Cavite/Philippines
    27.02.2016
    Lustig, dass sich jetzt wieder diejenigen gross aufregen, die im Herbst 2015 noch über den Wahlsieg von SVP/FDP gejubelt haben.
    Unsere Tourismusdörfer sind aber nicht von Linken regiert. Merkt ihr was Leute...? Vermutlich nein...
    Die schönsten Plätze im Land gehören meist Ausländern und wer hats verkauft... wereliwer...??? Genau... jene die Schweiz retten wollen... autsch!
    • Reto  Hauser 27.02.2016
      Das hat nichts mit den Parteien, sondern den Persönlichkeiten zu tun. In Städten, wo Linke und Grüne an der Macht sind, herrscht genauso Filz und werden Posten, Wohnungen und Aufträge an Getreue vergeben. Im Übrigen ist das beste Mittel gegen Mauscheleien und Filz immer noch check and balances, also Machtverteilung und Kontrolle.
  • Toni  Brunner aus Dasmarinas/Cavite/Philippines
    27.02.2016
    Das Wallis wie es leibt und lebt, es gibt nicht nur einen Sepp Blatter dort.
    Ich war 1972 zum 1. Mal in den Skiferien dort, insgesamt 18x bis 1990.
    Leider wurde Verbier mit den Jahren zum totalen Bonzenkaff, Normalos sind wahrscheinlich heute unerwünscht.
    Damals konnte man seine Unterkunft noch direkt auf den Skis erreichen, ausser den 3-4 wichtigsen Zufahrtsstrassen war nichts schwarzgeräumt.
    Zäune zwischen den Grundstücken gab es kaum.
    Diesmal stimmts wirklich: Gute alte Zeiten!
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    27.02.2016
    Das war ja immer so - alle Lexs und Eidgen. Auflagen wurden immer nach Möglichkeit umgangen, auch nach der Abstimmung zur 2.Wohnungsinitiative. Wermutstropfen : wenns die Einheimischen nicht stört, machts nichts, wenn der Touristenstrom einmal versiegen sollte unds mit der Wirtschaf bachab geht, werden die Verbianer auf ihrem gewachsenen Mist sitzen bleiben - macht auch nichts !
  • Roman  Bachmair aus Naters
    27.02.2016
    Kürzlich war da doch ein Artikel über ein Neubau, aus welchem einige Mieter und Eigentumswohnungbesitzer wieder ausziehen müssen, da das Gebäude nur für gewerbliche Zwecke zugelassen wurde.

    Nun denn, konsequenterweise müssen diese illegal erstellten Bauten umgehend abgebrochen bzw. zurück gebaut werden, mit entsprechendem Bussgeld für die Verursacher.

    Zudem ist es halt blöd, wenn man den Bock zum Gärtner macht, wie in diesem Fall den "Baulöwen" zum Chef über dieser Metier.
    • Toni  Brunner aus Dasmarinas/Cavite/Philippines
      27.02.2016
      Sie müssten es am besten wissen als Walliser, da wird gar nichts passieren...!