Geklaute Schweizer Bankdaten für Deutschland Hier jammern Marder über Eierdiebe

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Kommentar von Clemens Studer, Politik-Chef BLICK

Doris Leuthard, Bundespräsidentin, sagt: «Generell halten wir es für ziemlich schwierig, wenn ein Rechtsstaat illegale Daten verwendet.»

Pirmin Bischof, Nationalrat, sagt: «Es geht rein darum, Geld zu machen (…). Das ist der niedrigst denkbare Beweggrund für eine solche Tat; ein ethisches Motiv ist nicht zu erkennen.»

Hier jammern Marder über Eierdiebe.

Was ist passiert? Ein bislang Unbekannter hat den deutschen Behörden 1500 Datensätze von mutmasslichen Steuerbetrügern angeboten. Die hat er sich – nach Schweizer Recht – selbstverständlich illegal beschafft.

Machen wir uns nichts vor: Der Datendieb ist kaum ein hehrer Kämpfer für mehr Steuergerechtigkeit. Er will seinen Schnitt machen – so wie ihn die Schweizer Banken jahrzehntelang mit ausländischen Steuerbetrügern gemacht haben. Wahrscheinlich, dass er selber daran beteiligt war. Aber in Zeiten der Krise ist die Steuertrickser-Ehre offensichtlich nicht mehr viel wert.

Worum geht es? Der Rest der Welt will sich die schlaumeierische Schweizer Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung nicht mehr gefallen lassen.

Die monatelangen Rückzugsgefechte scheinen die Kämpfer für die alte Ordnung komplett durcheinander zu bringen. Brecht-Figuren in einem Dürrenmatt-Roman: Mackie Messer im Durcheinandertal.

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