Hämmerle bricht sein Schweigen Aufstand der Bähnler gegen die zweite Röhre!

Die Eisenbahner sind sauer auf die SBB-Spitze, weil diese sich nicht gegen die zweite Gotthardröhre wehrt. Nächste Woche planen sie deshalb einen Aktionstag. Und alt Nationalrat Andrea Hämmerle bricht nun sein langes Schweigen. Mit der Röhre werde die Neat «sinnlos konkurrenziert».

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Die SBB-Konzernleitung unterstützt den Bau eines zweiten Gotthard-Strassentunnels. Das sorgt bei der Basis für Ärger. «Die SBB-Spitze stösst das Personal mit dieser Parole vor den Kopf, da sie damit die Verlagerungspolitik und SBB-Arbeitsplätze gefährdet. Unsere Leute sind sauer!», sagt Giorgio Tuti von der Eisenbahnergewerkschaft SEV.

SEV-Präsident Giorgio Tuti. play
SEV-Präsident Giorgio Tuti.

«Nachdem der erste Gotthard-Strassentunnel 1980 eröffnet wurde, sanken die Passagierzahlen bei der Bahn von 20'000 auf 9000 Personen pro Tag», so Tuti. Auf die Neat werde sich die zweite Röhre ebenfalls klar negativ auswirken. «Die Haltung der SBB-Spitze ist völlig unverständlich – offenbar gab es da eine entsprechende Direktive vom Bund.»

Aktionstag am 2. Februar

Kein Wunder also, blasen die Bähnler nun zum Gegenangriff. Am 2. Februar werden Hunderte Gewerkschafter an einer Aktion gegen die zweite Röhre teilnehmen: An allen grösseren Bahnhöfen der Schweiz werden sie den Pendlern Postkarten verteilen.

Auf der Karte ist ein Bild mit SBB-Angestellten im Gotthard-Basistunnel der Neat zu sehen, der am 1. Juni offiziell eröffnet wird. Ihre Botschaft: «Sensation am Gotthard: Die zweite Röhre ist schon da!»

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Mit einer Postkarten-Aktion kämpfen die Bähnler für ein Nein zur zweiten Gotthard-Strassenröhre.

Der Basistunnel schaffe mehr als genug Kapazität, um den Personen- und Gütertransport zwischen Nord und Süd zuverlässig und sicher abzuwickeln, sagt SEV-Präsident Tuti. Auch während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels ohne zweite Röhre. «Die Verladelösung ist machbar. Und unsere Leute wollen allen zeigen, dass sie das können.»

Hämmerle bricht sein Schweigen 

Doch nicht nur die Bähnler machen mobil. Mit dem Bündner alt SP-Nationalrat Andrea Hämmerle stellt sich ein prominenter Alpenschützer an ihre Seite. Lange hatte Hämmerle geschwiegen, da er im SBB-Verwaltungsrat sitzt. Zur offiziellen SBB-Position will er sich denn auch nicht äussern.

«Aber als Mitinitiant der Alpeninitiative und langjähriger Verkehrspolitiker sage ich klar: Der Ausbau der Strassenkapazität ist verkehrspolitisch völlig falsch», so Hämmerle. «Sie ist eine klare Konkurrenz zur Neat. Wir haben 20 Milliarden in die Neat investiert, mit den drei Milliarden Franken für den neuen Strassentunnel wird diese Investition sinnlos konkurrenziert.»

Andrea Haemmerle play
Alt SP-Nationalrat Andrea Hämmerle (GR). Sobli

Für Hämmerle ist zweite Röhre zudem schlicht verfassungswidrig: «Die Kapazität wird auf vier Spuren erhöht, auch wenn – vorerst zumindest – nur zwei genutzt werden. Das widerspricht dem Alpenschutz-Artikel in der Verfassung.»

«Mit wenig Aufwand sofort mehr Sicherheit»

Und wie steht er zum wichtigsten Argument der Tunnelfreunde, der Verkehrssicherheit am Gotthard? «Der Sicherheitsgewinn mit einer zweiten Röhre ist minimal. Man könnte mit wenig Aufwand viel mehr Sicherheit produzieren – und das sofort und nicht erst in 20 Jahren. Zum Beispiel durch bauliche Massnahmen wie Mittelleitplanken.»

Zudem könne man das frei gewordene Geld andernorts an gefährlichen Hotspots in die Sicherheit investieren. «Dann erhält die ganze Schweiz mehr Verkehrssicherheit.»

Publiziert am 29.01.2016 | Aktualisiert am 21.02.2016
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  • Alexander  Schmieden aus Muri
    30.01.2016
    Es gibt viele Gründe für und wider der 2. Gotthardröhre und jede Seite will ihre Pfründe wahren. Wenn man aber die kilometerlangen Staus vor dem Gotthardtunnel sieht, sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass hier Abhilfe geschaffen werden muss. Die Güter müssen nun mal mit LKW`s zum Kunden. Beamen kann man sie nicht.
    Und wenn es stundenlange Wartezeiten vor den Portalen gibt : die meisten Urlauber fahren nicht mit dem Zug. Der Verkehr nimmt nicht ab, er wird sich umverteilen.
  • Hans-Peter  Brechbühl 30.01.2016
    Ich glaube wenn der Autobahntunnel ausgebaut wird so
    hat das kein grosser Einfluss auf die Bahn. Die meisten
    Autobesitzer die im Tessin oder in Italien Ferien
    verbringen wollen nehmen so oder so das Auto denn
    es kommt für eine Familie günstiger und ist auch
    bequemer und erst noch ohne die Nervensägen
    mit ihren Handys.

  • Hans  Schmid aus Lenzburg
    30.01.2016
    Der Bahn-Basistunnel wurde grundsätzlich für die schweren Güterzüge geplant. Ich bin skeptisch, ob dieser Tunnel dann wirklich dieser Bestimmung gemäss genutzt wird. Diese mit 80 km/h fahrenden Züge kommen den mit 200 km/h fahrenden Personenzüge in die Quere. In diesem Nadelöhr soll dann noch ein Autoverlad Platz haben? Es soll dies glauben, wer will.
  • Peter  Antenen aus Witzenhausen
    30.01.2016
    Selbst der "Politgewerkschaft " SEV sollte klar sein, dass ein langer Strassentunnel mit Gegenverkehr einfach nur gefährlich ist. Mit einer zweiten Röhre könnte so einiges an Gefahrenpotential eliminiert werden. Dass der SEV gegen zusätzliche Sicherheit für Automobilisten ist, finde ich stossend. Bei der Bahn gilt doch auch Sicherheit zuerst oder? Zudem scheint der SEV vergessen zu haben, dass all die Luxusprojekte im öV auch teils durch die Autofahrer finanziert werden müssen.
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    30.01.2016
    Mit einer Tunnelgebühr könnte die Verlagerung auf die NEAT sicher auch wesentlich beeinflusst werden.