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Andreas Brunner: «Mehraufwand wurde erwartet, aber nicht in dieser Dimension.» (RDB)
Neue Aufgaben und mehr Bürokratie: Die Staatsanwälte vieler Kantone sind wegen der neuen Strafprozessordnung überfordert und schlagen Alarm.
Die Staatsanwälte rufen um Hilfe: Wie die «NZZ» heute schreibt, herrscht bei den Strafverfolgungsbehörden vieler Kantone akuter Personalmangel.
Besonders drastisch: Basel Stadt. Die dortige Staatsanwaltschaft verlangt laut «NZZ» 30 zusätzliche Mitarbeiter, «um Pendenzen abbauen und sicherstellen zu können, dass Straftaten nicht verjähren».
Wie schlimm ist die Lage? «Wir müssen Prioritäten setzen», sagt der Basler Staatsanwalt Beat Voser. Früher sei es vorgekommen, «dass mangels Personal ein Velodiebstahl nicht untersucht werden konnte; jetzt weitet sich das nach oben aus».
Das heisst: Es bleiben auch schon mal Fälle von Körperverletzung oder Betrug liegen.
Mitverantwortlich für die missliche Lage ist die Anfang 2011 in Kraft getretene neue Strafprozessordnung. Ihr Ziel waren landesweit einheitliche Strafprozesse. Sie hat aber offenbar auch zu Mehraufwand geführt. «Die Masse an Papieren, die ausgefüllt werden müssen, verlangsamt den Gang der Justiz», klagte SVP-Nationalrat André Bugnon kürzlich in einem Vorstoss.
Hinzu kommt eine Gewichtsverlagerung von der Polizei hin zur Staatsanwaltschaft: Während früher – wie beispielsweise im Kanton Aargau – Strafverfahren durch die Polizei geführt wurden, ist heute die Staatsanwaltschaft dafür zuständig.
«Der Mehraufwand war voraussehbar, aber nicht in dieser Dimension», sagt Andreas Brunner, Präsident der Konferenz der Strafverfolgungsbehörden der Schweiz und Leitender Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich.
Mangelnde Vorbereitung auf das neue System will er seinen Amtskollegen jedoch nicht vorwerfen: «Die Kantone hatten bisher sehr unterschiedliche Strafverfolgungstraditionen. Dass die Vereinheitlichung nicht reibungslos über die Bühne gehen würde, war zu erwarten.»
Die überforderten Strafverfolgungsbehörden verlangen also mehr Personal. Dass die klammen Kantone parallel zu dieser Aufstockung beim Polizeipersonal sparen können, glaubt Brunner allerdings nicht. Auch dort sei der Druck gross, so der Zürcher: «Die polizeilichen Massnahmen wachsen mit der Bevölkerungserhöhung und der 24-Stunden-Gesellschaft massiv.» (per)
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