Grüne über Nacktselfie-Affäre: «Wenn das stimmt, hat Geri Müller ein Problem»

BADEN - Hat er Nacktselfies aus dem Badener Stadthaus verschickt und die Empfängerin später bedroht? Nationalrat Geri Müller nimmt Stellung. Seine Partei trifft sich derweil zur Krisensitzung.

Geri Müller, Nationalrat (Grüne/AG): «Ich kann nicht Autofahren. Wäre ja schön, wenn das alle Aargauer nicht könnten. Dann wäre die Schweiz sauberer – und sicherer.» play
Er habe die Frau zu ihrem eigenen Schutz bei der Polizei gemeldet, schreibt Geri Müller in einer Stellungnahme. Keystone
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Politik

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Der Nationalrat soll seiner Ex-Geliebten per Whatsapp Nacktbilder von sich im Büro und anzügliche Nachrichten geschickt haben, berichtet die «Schweiz am Sonntag» heute. Ausserdem habe der Stadtammann von Baden AG die jungen Frau aus Bern unter Druck gesetzt, die Selfies samt den Chat-Protokollen auf ihrem Handy zu löschen, schreibt die Zeitung. Ihr würden mehrere der Fotos wie auch Textnachrichten vorliegen.

So soll der Politiker der Grünen Partei seiner Geliebten ein Unten-ohne-Foto geschickt haben – oder Sex-Gesäusel in Textform: «Im Büro. Bin schon erregt. Hab nur noch das T-Shirt an.»

Er soll sogar die Polizei dazu bewegt haben, die Frau in Baden festzunehmen, so die Vorwürfe der «Schweiz am Sonntag». Die Frau wurde vergangene Woche tatsächlich von der Stadtpolizei Baden angehalten und befragt. Strafrechtlich Relevantes konnte die Badener Polizei aber nicht feststellen.

Später beschlagnahmte die Berner Kantonspolizei allerdings das Handy der Frau. Darauf sollen sich auch die Nacktaufnahmen von Müller befinden.

Müllers Kantonalpartei hat sich bereits am frühen Sonntagmorgen zu Wort gemeldet und per Tweet Kritik an ihrem Aushängeschild geäussert.

Jonas Fricker, der Kantonalpräsident der Aargauer Grünen, sagte zur Nachrichtenagentur SDA über den Tweet zwar: «Es war eine Einzeläusserung in der Hitze des Gefechts.» Geri Müller ist damit aber noch lange nicht aus dem Schneider. Seine Partei traf sich heute Nachmittag zur Krisensitzung. Für Fricker war bereits vorher klar: «Wenn dies alles stimmt, dann hat Geri Müller ein Problem.»

Fricker sagte weiter, dass ihn die Geschichte nichts angehen würde, wenn sie privat wäre. Weil Müller aber vorgeworfen wird, Nacktbilder aus seinem Büro während der Arbeitszeit einer Bekannten geschickt zu haben, sei es «halt schon ein Thema».

Sollten sich die Informationen der «Schweiz am Sonnntag» bestätigen, müsste Müller «die Konsequenzen ziehen». Doch zuerst müsse er mal mit ihm reden.

Krisensitzungen jagen sich

Am frühen Nachmittag kam es schliesslich zur Krisensitzung der Lokalsektion der Grünen Baden und des Teams Baden. «Wir distanzieren uns von einem Verhalten, welches dem Ansehen und der Integrität einer Stadt oder einer Behörde schaden könnte», teilten die Parteikollegen anschliessend mit.

Das «private Handeln» habe eine «öffentliche Dimension» bekommen. Nun müsse der Faktengehalt der von der Frau geäusserten Vorwürfe geprüft werden. Das Verhalten von Geri Müller heute zu werten, sei vorschnell und nicht seriös. «Wir schätzen seine politische Arbeit für die Stadt Baden.»

Müller fühlte sich selbst unter Druck gesetzt

Geri Müller hat über seinen Anwalt Andreas Meili eine Stellungnahme verschickt. Er geht darin nicht direkt auf den Inhalt des angeblichen Sex-Chats ein, schreibt aber über sein Motiv, in dem Fall die Polizei einzuschalten:

Im heutigen «Sonntag» wurde über eine Chatbeziehung von mir berichtet. Bei diesem Kontakt handelte es sich um eine rein private Angelegenheit. Die Frau, mit der ich Kontakt hatte, hat mich seither massiv unter Druck gesetzt und damit gedroht,  Privates an die Medien und Drittpersonen weiterzugeben und mir damit Schaden zuzufügen. Ich habe versucht, sie von diesem Vorhaben abzuhalten und meine Privatsphäre zu schützen. Leider erfolglos, wie ich heute mit der Publikation im «Sonntag» feststellen musste. Ich muss mir heute vorwerfen, darauf vertraut zu haben, dass Privates privat bleiben würde. Mein Vertrauen wurde bitter enttäuscht und grob missbraucht. Nach Suiziddrohungen von ihrer Seite habe ich die Kantonspolizei Bern eingeschaltet. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich zum Schutz der Privatsphäre aller Beteiligten nicht weiter äussern möchte.»

Die Affäre schlägt längst auch auf nationaler Ebene Wellen: Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz schrieb der sda, dass sie «mit dem aktuellen Wissensstand» die Aussagen Frickers unterstütze. Ausführlicher Stellung nehmen könne sie aber erst, wenn sie mit ihrem Parteikollegen selber gesprochen habe.

Grünen-Nationalrat und Fraktionspräsident Balthasar Glättli nahm Müller in Schutz. Dieser habe ihm gegenüber glaubhaft machen können, dass er sein Amt nicht missbraucht habe. Solange nicht das Gegenteil bewiesen sei, «gibt es keinen Grund aus Selfies eine Staatsaffäre zu machen».

In den Nacktbildern sieht Glättli indes kein Problem: «Wenn er mit den Fotos niemand belästigt hat und keine Übergriffe passierten, ist das Privatsache.»

Diese Aussage stützt auch Politikberater Mark Balsiger. Dennoch sei die Sache heikel: «Zum einen ist Müller eine öffentliche Person, für den moralisch höhere Ansprüche gelten», sagte er der sda. Zum anderen seien die Nacktaufnahmen teilweise an seinem Arbeitsplatz - im Badener Stadthaus - entstanden. Darum sei die ganze Sache eben doch nicht nur privat.

Laut Balsiger kann Müller seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen - er sollte aber rasch handeln. «Müller muss über seinen Schatten springen und seine gesamte Version der Geschichte vor den Medien erzählen.»

Am Montag findet in Baden eine ordentliche Stadtratssitzung statt. Es ist gut möglich, dass sich Müller dort zum ersten Mal öffentlich äussern wird. (bih/SDA)

Publiziert am 17.08.2014 | Aktualisiert am 17.08.2014
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76 Kommentare
  • Edith  Zellweger 18.08.2014
    Mein Gott was für ein Theater. Wenn sich ein Paar gegenseitig Nachtbilder schickt geht dies doch die ganze Schweiz und auch das Ausland nichts an - auch wenn die Bilder am Arbeitsplatz gemacht worden sind. Sex am Arbeitsplatz ist doch nicht so unüblich und auch nicht zu verachten! Ausserdem haben auch Politiker ein Sexleben und nicht nur das Fussvolk. Schlimm finde ich, dass es leider immer mehr Frauen und Männer gibt, die ihre Liebschaften mit bekannten Persönlichkeiten schamlos ausschlachten!
  • Peter  Kaufmann aus Oftringen
    18.08.2014
    Wer in der Freizeit was tut ist seine Sache. Viele Leute wissen nicht, dass Freizeit und Beruf 2 Paar verschiedene Schuhe sind. Das ist unsere Gesellschaft und sie besteht aus Polizisten wo alle kontrollieren was sie tun. Geri Müller bleibt für mich einer der beliebtesten und besten Politiker.
  • Tobias  Hohl , via Facebook 18.08.2014
    Ich hoffe für die Frau, dass ihre Aussagen korrekt sind und sie richtig gehandelt hat. Es ist einfach widerlich, wie Frauen mit Falschbeschuldigungen das Leben eines Mannes zerstören können. Besonders widerlich, was hier glücklicherweise offensichtlich nicht zutrifft, sind falsche Vergewaltigungsvorwürfe. Mit solchen Falschbeschuldigungen schaden Frauen allen anderen, welchen diese schreckliche Tat widerfahren ist.
  • beat  baur aus niederbipp
    17.08.2014
    Das ist unsere gesellschaft. Was soll das geschrei? Oder, warum gibt es so viele fremdgeh portale? Hört auf mit der doppelmoral. Peinlich ist, das es an die öffentlichkeit gelangt ist. Aber uns alle geht das privatleben anderer nichts an!
  • Adrian  Zengaffinen , via Facebook 17.08.2014
    Dieser Herr kam einem schon bisher etwas seltsam vor. Er sollte sich nach dem Vorgefallenen doch bitte in das Privatleben zurückziehen. Dort kann er dann meiner Meinung nach alle Föteli machen und versenden wie er Lust dazu hat.