BERN - Je weniger Gripen bestellt werden, desto höher sind die finanziellen Risiken für die Schweiz. Dem Jet-Deal droht das Aus.
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Schweden will weniger Gripen. Das macht den Kampfjet-Kauf für die Schweiz riskanter. (AP Photo)
Ueli Maurer wollte eigentlich erst am Dienstag vor die Presse treten. Doch die Schweden kamen ihm zuvor. Maurers Stockholmer Amtskollegin Karin Enström gab am Samstag bekannt, dass ihr Land mit der Schweiz ein Rahmenabkommen unterzeichnet habe.
Es regelt Details des geplanten Kaufs von 22 Gripen-Kampfjets. So etwa, dass Schweden spätestens vier Jahre nach einem allfälligen Volks-Ja die ersten Jets liefern muss. Auch die Kosten sind detailliert aufgelistet.
Schwedische Medien melden, dass die beiden Länder die Ausgaben für Pilotentrainings aufteilen. Zudem regelt das Abkommen, was der Jet, der heute erst auf Papier existiert, alles können muss.
Das VBS will die Meldungen nicht kommentieren, hält aber fest: «Finanzielle, politische und zeitliche Risiken konnten mit dem Abkommen minimiert werden.»
Doch in Wirklichkeit sind die finanziellen Risiken weiter gestiegen. Schweden will nur noch 40 bis 60 Gripen kaufen, alles Einplätzer. Früher waren 80 bis 100 geplant.
Dies hat Folgen für die Schweiz. Ausser ihr setzt nur Schweden auf den Gripen. Diese Woche stellte die Sicherheits-Subkommission nach Untersuchung des Kaufs einen Bericht vor. Darin bezweifelt sie, ob eine Gripen-Produktion von 80 bis 100 Jets genüge, um die Weiterentwicklung des Flugzeugs zu finanzieren.
Nun schrumpft die Gesamtflotte gar auf 60 bis 80. Zum Vergleich: Der Rüstungskonzern EADS hat seinen Eurofighter, den die Schweiz ebenfalls evaluierte, bereits 700-mal verkauft.
«Je weniger Gripen Schweden kauft, desto grösser ist die Gefahr, dass die Jets technologisch nicht in der Form gebaut werden, wie man uns verspricht», befürchtet Thomas Hurter (SVP), Präsident der Subkommission.
Der Hersteller Saab könne sich dies kaum leisten. Auch die schwedische Regierung werde nicht einspringen, sagt Hurter.
«Die Zukunft des Projekts Gripen wird immer unsicherer», urteilt SP-Sicherheitspolitikerin Evi Allemann. Kein Konzern der Welt werde mit viel Geld ein Flugzeug entwickeln, solange der Verkauf höchst unsicher sei.
Auch die FDP steht kurz davor, die Reissleine zu ziehen. Parteipräsident Philipp Müller sagte der NZZ: «Sofern die massiven Zweifel bestehen bleiben, bleibt nichts anderes übrig, als rasch den Evaluationsprozess für ein anderes Flugzeug einzuleiten.»
Die schwedische Regierung hofft derweil weiterhin auf Unterstützung aus der Schweiz, um den Jet in die Lüfte zu bringen. Premierminister Fredrik Reinfeldt sagte gestern in einem Interview: «Die Partnerschaft mit der Schweiz bedeutet, dass wir ein schlagkräftigeres Kampfjet-Programm zu tieferen Kosten betreiben können.»
Solche Aussagen bringen SVP-Nationalrat Thomas Hurter erst recht auf die Palme. «Wir sind Käufer. Wenn überhaupt. Sicher keine Partner!»
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