Gotthard-Turbos wegen Studie auf dem Prüfstand: Auto-Politiker für mehr Tempokontrollen

  • Studie: Massiv mehr Sicherheit in Tunnels dank Abschnittskontrolle
  • Jetzt bröckelt der bürgerliche Widerstand gegen neue Tempokontrollen
  • Doch ist das nur Taktik wegen der Gotthard-Abstimmung?
Schlaue Kontrolle: Die Anlage am Arisdorftunnel büsst bei zu hohem Durchschnittstempo. play
Studie beweist: Mit Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen wie beim Arisdorftunnel lässt sich die Unfallrate in Tunnels massiv senken. Keystone

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Mehr Sicherheit, darum geht es bei der zweiten Röhre am Gotthard. So jedenfalls lautet das Hauptargument der Tunnel-Turbos. Und es verfängt. 64 Prozent der Stimmbürger wollen am 28. Februar der 2,8 Milliarden Franken teuren Vorlage, die nebst einer Sanierung des Strassentunnels auch den Bau der zweiten Röhre vorsieht, zustimmen. Dies hat die SRG-Trendumfrage kürzlich ergeben. 

Dennoch kommen die Tunnel-Turbos jetzt ins Schwitzen. Denn auch günstigere Massnahmen können die Sicherheit in Tunnels massiv verbessern. Etwa sogenannte Abschnittsgeschwindigkeitskontrollen (AGK).

Anders als bei konventionellen Radargeräten wird hier das Tempo von Fahrzeugen nicht nur punktuell gemessen. Vielmehr wird mit zwei Messpunkten die Durchschnittsgeschwindigkeit des Autos auf einer bestimmten Strecke errechnet. Liegt sie höher als das Tempolimit, gibt es eine Busse. Verkehrsteilnehmer sollen so zu konstanter Fahrweise erzogen werden. In der Schweiz gibt es erst eine Anlage, sie wurde 2011 im Arisdorftunnel auf der A2 in Betrieb genommen.

Eine unveröffentlichte Studie des Österreichischen Kuratoriums für Verkehrssicherheit kommt jetzt zum Schluss, dass Abschnittskontrollen die Sicherheit in Tunnels äusserst effektiv erhöhen. Die Unfallrate in Tunnels mit AGK liegt mehr als 35 Prozent tiefer als in Tunnels ohne AGK. Die Unfallkostenrate sei sogar nur halb so hoch als im Durchschnitt, so Studienleiter Klaus Robatsch zu Blick.ch. Mit anderen Worten: Die Abschnittskontrolle rettet Leben und spart Geld. 

Der 61-jährige Aargauer will dafür bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen. play
Der 61-jährige Aargauer will dafür bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen. Keystone

Pikant: Viele Politiker, die sich vor der Abstimmung über die zweite Röhre am Gotthard als besorgte Sicherheitsapostel aufspielen, haben sich noch vor wenigen Jahren mit Händen und Füssen gegen mehr Radar- und Abschnittskontrollen gewehrt. Unter anderem SVP-Verkehrspolitiker Ulrich Giezendanner (AG). Die Frage liegt somit auf der Hand: Meinen es Giezi und Co. tatsächlich ernst mit der Sicherheit im Verkehr? Oder wollen sie dem Volk mit dem vorgeschobenen Sicherheitsargument einfach einen teuren Strassenausbau schmackhaft machen?

Zwar lehne er eine immer stärkere Überwachung des Verkehrs grundsätzlich ab, sagt SVP-Giezendanner auf Anfrage. «Aber wenn die Unfallrate durch Abschnittskontrollen wirklich so stark gesenkt werden kann, müssen wir das auch hierzulande verstärkt einsetzen.» Voraussetzung sei aber, dass eine Prüfung für die Schweiz dies untermauere.

NEIN-KOMITEE, GOTTHARD STRASSENTUNNEL, GOTTHARD, 2. ROEHRE, ZWEITE ROEHRE, play
KEY

«Ein erstaunlicher Schlenker», kommentiert zweite Röhre-Gegnerin Evi Allemann (SP). Just jene, die jetzt mehr Sicherheit im Verkehr forderten, hätten in den letzten Jahren konsequent dagegen gestimmt. «Wir können nur hoffen, dass Giezendanner auch nach der Gotthard-Abstimmung noch bereit ist, über Massnahmen zur Verkehrssicherheit zu diskutieren.» 

Publiziert am 28.01.2016 | Aktualisiert am 04.02.2016
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Machen Abschnittskontrollen den Tunnelverkehr sicherer?

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  • Susan  Köhli , via Facebook 29.01.2016
    Wie soll eine versteckt durchgeführte Geschwindigkeitskontrolle Unfälle verhindern??
  • Friedrich  Nellen aus Naters
    29.01.2016
    Würde das ganze Geld, dass der Staat den Autofahrer mit Radarkontrollen, Benzinsteuer, etc. abzockt, wieder zurück in den Unterhalt oder Neubau von Strassen fliessen, könnte man die 2. Gotthardröhre ganz leicht finanzieren.
  • Bernd  Benny , via Facebook 29.01.2016
    Der Auto Fahrer wird in der Schweiz so ausgenommen, das ist schon unmenschlich. Nirgends auf der Welt werden Autofahrer so abgezockt wie hier. Aber es wehrt sich ja auch keiner dagegen. Deswegen macht der Staat munter weiter.
    • Karl  Szabo aus Zürich
      02.02.2016
      Wieso ist dieses Thema für die SVP praktisch Tabu?Wer hat die horrende Bussen bewilligt?Z.B: 19 Km. zu schnell,auf eine gerade Strasse,in der 30-er Zone:890.-Franken Busse1+60 Franken für 4 Fotos
      Dazu kommt ein "Gebühr"für die Administrivmassnahmen von
      250 Franken,also indirekt wird zweimal bestraft für die gleiche Sache,
      wieso geht niemand nach Strassburg wegen der Sache lieber TCS,ACS?
      Bizarr:Man kann diese BUssen auch mit 20(!) Franken im Monat abstottern!!!Miese Geldmacherei in Zürich
  • Ulrich  Schwab 28.01.2016
    In Burgdorf hat sich die Gemeinde eine Lärmschutzwand gespart und das Tempo auf 30km/h gesenkt. Jetzt wird selbstverständlich fleissig gemessen. Offenbar hat es im Bauamt ein paar Clowns angestellt. Sie sollten dann aber auch die Velofahrer messen und büssen!
  • Silvano  Polinetti aus maunin
    28.01.2016
    Himmela.......undwolkenbruch!
    NICHT nur überhöhte Tempos sorgen für Unfälle!!!!!
    Heute abend auf dem nachhausefahren gleich zwei Situationen live erlebt,die AUCH zu Unfällen führen könnten.
    Ein vor einer Ampel sich verpflegender Automobilist!
    Und auf der Autobahn Richtung Berner Oberland beim überholen mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit.
    Einer der wenigen telefonierenden,Handysüchtigen ohne Freisprechanlage Verkehrsgefährdenden telefonierenden mit Werbung
    XY,Kanton Zug,Subaru