Gotthard-Abstimmung Wieso schweigen eigentlich die Unfallverhüter?

Was empfiehlt die Beratungsstelle für Unfallverhütung dem Stimmbürger zur Gotthard-Vorlage? Nichts! Man wolle nicht instrumentalisiert werden, heisst es.

Ein Auto fährt durch den Gotthard-Strassentunnel. Sagt das Stimmvolk Ja, soll der Verkehr künftig in zwei getrennten Röhren durch den Berg brausen. (Archivbild) play
Ein Auto fährt durch den Gotthard-Strassentunnel. Sagt das Stimmvolk Ja, soll der Verkehr künftig in zwei getrennten Röhren durch den Berg brausen. (Archivbild) KEYSTONE/URS FLUEELER

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Noch eine Woche bleibt den Kämpfern in der Gotthard-Schlacht, ihre letzten Reserven zu mobilisieren. Gerade im Bereich der Sicherheitsthematik würden beide Lager nur allzu gerne die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) auf ihrer Seite wissen. Als Kronzeugin dafür, ob die zweite Röhre sicherheitstechnisch tatsächlich etwas taugt – oder eben nicht.

Beide Lager berufen sich auf BfU

Klar ist, beide Lager stützen sich in ihrer Argumentation derzeit auf die BfU. Konkret auf eine 2013 veröffentlichte Analyse, wie sich eine zweite Röhre auf das Unfallgeschehen im Gotthard auswirken dürfte.

Mit zwei einspurig betriebenen Röhren dürfte sich die Zahl der Unfallopfer von rund elf auf fünf Personen pro Jahr halbieren, so das Resultat. Jedes Jahr gäbe es einen Schwerverletzten und vier Leichtverletzte weniger. Zudem würde alle zwei Jahre ein Person weniger getötet. Ein Argument, welches die Tunnelfreunde mit Freuden ins Feld führen.

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Mit einer zweiten Röhre steigt zwar die Sicherheit im Gotthard, doch das Rettungspotenzial ist vergleichsweise gering, so das Fazit der BfU. (Symbolbild) KEY

Aber Achtung: Auch die Tunnelgegner berufen sich auf die BfU. Im Vergleich mit durchschnittlich rund 28'000 Verkehrsunfallopfern – davon gegen 500 Getötete – pro Jahr, sei «das Rettungspotenzial also gering», hält die Studie fest. Und sollten die beiden Röhren dereinst doch jeweils zweispurig befahren werden, würden bereits «geringe Mengen» des dadurch generierten Mehrverkehrs «den durch die Zweiröhrigkeit erzielten Sicherheitsgewinn wieder zunichtemachen». Eine Verkehrszunahme um drei Prozent reicht dafür, rechnet die BfU vor.

BfU: «Absolut neutral»

Und welche Schlüsse zieht die BfU aus ihrer Untersuchung nun ganz offiziell für die Gotthard-Abstimmung? Was empfiehlt sie den Stimmbürgern?

BfU-Sprecher Daniel Menna: «Da die BfU-Studie sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern für ihre Zwecke instrumentalisiert wird, hat die BfU beschlossen, sich im Vorfeld der Abstimmung absolut neutral zu verhalten und für keinerlei weitere Auskünfte zur Verfügung zu stehen.»

Ausgerechnet die Sicherheitsexpertin verbietet sich in dieser zentralen Sicherheitsfrage den Mund! 

Das lässt Raum für Spekulationen: Offenbar stellt sich nämlich selbst bei Sicherheitsexperten die Frage, ob das Geld für die zweite Gotthardröhre an anderen Hotspots nicht für deutlich mehr Sicherheitsgewinn sorgen würde.

Publiziert am 22.02.2016 | Aktualisiert am 22.02.2016
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48 Kommentare
  • michael  imhof 23.02.2016
    "Jedes Jahr einen Schwerverletzten und vier Leichtverletzte weniger".. so die Analyse des BfU
    Dafür 3 Milliarden, also 600 Millionen pro Verletztem hinzulegen empfinde ich als Wahnsinn und Verhältnisblödsinn..
    Oder übergebt diese Angelegenheit einem Privatkonsortium mit Lizenz für eine Durchfahrtsgebühr.
  • Gallenblog  Gallenblog , via Facebook 23.02.2016
    Mit wieviel Toten und Verletzen muss man beim Bau der Röhre rechnen?
  • Danni  Stufer 22.02.2016
    Wer in Physik aufgepasst hat, weiss, das der Gegenverkehr am gefährlichsten ist, somit nimmt die Schwere der Unfälle mit der 2. Röhre ab. Wer in der Verkehrspolitik augepasst hat, weiss, dass das Geld nicht woanders im Strassenverkehr eingesetzt wird, wenn nicht am Gotthard, sondern bei der Bahn oder sonstwo. Also, Sicherheit ja, 2. Röhre ja.
    • Peter  Martaler aus Chur
      22.02.2016
      Wer den Dreisatz beherrscht, der weiss, dass Mehrverkehr zu mehr Unfällen führt .... und der Mehrverkehr beschränkt sich dann nicht auf den Tunnel, sondern betrifft die ganze Nord-Süd-Achse!
  • Yves  Ebneter aus Winterthur
    22.02.2016
    Klares NEIN weil:
    1. Das Geld an wichtigeren Knotenpunkten eingesetzt werden muss.
    2. NEAT (Zuerst Entwicklung abwarten, dann Handeln)
    3. Die Unfälle sind im Verhältnis zum Verkehrsaufkommen i.O.
    4. Mobilität ohne Unfälle ist Zukunftsdenken (Entwicklung abwarten)

  • rolf  sulzer 22.02.2016
    Dass die 2. Röhre mehr "Sicherheit", sprich Unfälle verhütend wirken soll, ist eine reine Lüge. Sie verhindert keine Unfälle mit Geisterfahrern, Sekundenschläfer, Fahrer, mit gesundheitlichen Problemen, die telefonieren, schreiben, lesen, essen, trinken, rauchen, Pannen, LKW-und PW-Brände etc. in einem schnurgeraden Tunnel. Eine Tunnelfahrt während 17 km, bleibt in beiden Fällen gleich gefährlich. Kommets.
    • Roger  Graf 22.02.2016
      Logisch denken ist nicht allen gegeben! Ein Pannenstreifen wie er mit der 2. Röhre realisiert wird erhöht die Sicherheit enorm!
    • Heinz  Manhart aus Cainta
      23.02.2016
      Ob zwei Fahrzeuge, im schlimmsten Falle ein Bus oder Laswagen mit einem Personenwagen bei 80Km/h (den so sollte im Tunnel gefahren werden) frontal kollidieren oder zwei Fahrzeuge die in der geleichen Richtung fahren ist ein sehr grosser Unterschied, herr sulzer.