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Er wollte eine Diskussion entfachen – die hat er jetzt, aber sie dreht sich um ihn: Im SonntagsBlick präsentierte der Grüne Bastien Girod (28, ZH) mit seiner Nationalratskollegin Yvonne Gilli (52, SG) einige Vorschläge, um die nach ihrer Ansicht «zu hohe Einwanderung» in die Schweiz zu verlangsamen.
Doch damit hat das Duo die Grünen auf dem falschen Fuss erwischt. «Wir haben selten so viele Reaktionen erhalten», sagt Co-Generalsekretärin Miriam Behrens (44). «Davon kommen viele aus der Partei der Schweizer Demokraten, die uns und Girod zu den Migrationsthesen gratulierten.»
Auch in den Augen von Ex-Parteichefin und Zürcher Stadträtin Ruth Genner (53) bewegen sich die beiden mit ihren Thesen auf ausländerfeindlichem Terrain: «Die Empörung bei den Grünen ist riesig. Mit dem Papier begibt sich Girod in die Nähe der Schweizer Demokraten.» Und: «Wir brauchen keine ausgrenzenden Umweltschützer.»
Ist der Grüne Girod also ein Blut-und-Boden-Politiker? «In seinen Überlegungen stellt Girod einen Zusammenhang zwischen Umweltbelastung und Bevölkerungszahl her und sucht den Ausweg bei der Begrenzung der Migration», so Genner. Das sei falsch. Nicht die Zahl der Menschen sei entscheidend, die an einem Ort wohnen, sondern der «ökologische Fussabdruck», den sie hinterlassen, also wie umweltfreundlich sie sich verhalten, wie viel Boden, Rohstoff und Energie sie für ihren Lebensstil und Lebenstandard beanspruchen.
Dabei gehe es um den Gegensatz zwischen Arm und Reich und nicht um Migrant oder Schweizer, so die Zürcher Stadträtin weiter. In den letzten Jahren hat sie Girod und die jungen Grünen persönlich stark gefördert und sogar finanziell unterstützt.
Nun aber giftet Girod gegen seine frühere Mentorin zurück: «Das Papier ist nicht diskriminierend. Seit Donnerstag ist es online. Bevor uns Grüne öffentlich kritisieren, sollten sie es zuerst lesen.»
Girod und Gilli haben inzwischen von der Parteispitze Post erhalten. Die Gruppe Migration, der auch Parteichef Ueli Leuenberger (57, GE) angehört, verlangt eine Aussprache.
Sicher ist: Die Migrationspolitik bleibt als Thema brisant. Trotz Krise wanderten bis im August 84931 Personen in die Schweiz ein. Das sind zwar weniger als 2008 mit 104474, im langjährigen Vergleich aber immer noch ein Spitzenwert.