
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Der Mann lebt unter falscher Identität irgendwo in Europa, in ständiger Angst, dass ihn die iranische Killerkommandos ausfindig machen: Abolghasem Mesbahi Ex-Topagent des Irans und ehemaliger Leibwächter von Ajatollah Chomeini. Im Film «Zeuge C – Genf, Stadt der Schatten», der kommende Woche auf TSR und danach auf 3 Sat zu sehen ist, erzählt er nun erstmals, wie Genf zur Operationsbasis des iranischen Staatsterrors wurde.
Genf war Basis von Mord- und Terroranschlägen
Im Dokumentarfilm des Genfer Journalisten und Filmemachers Frank Garbely bestätigt Mesbahi, was bisher nur gemunkelt wurde. Der iranische Geheimdienst benutzte die Stadt Genf als Operationsbasis iranischer Terroristen für Attentate und Mordanschläge. Etwa die Ermordung des früheren iranischen Premierministers Schapur Bachtiar 1991 in Paris. Zur Tarnung war er in Genf als Student angemeldet. Sein Professor: Alt-Nationalrat Jean Ziegler (SP).
Mesbahi war in den 80er Jahren Geheimdienst-Koordinator für Westeuropa und stieg kurz darauf zur Nummer drei der VEVAK auf, dem bedeutendsten Nachrichtendienst des Iran. Nachdem ihn Frankreich wegen terroristischer Umtriebe auswies, verlegte er seine Geschäfte nach Genf. Als Europa-Chef der VEVAK nahm er regelmässig an Sitzungen teil, bei denen Attentate und Mordanschläge beschlossen wurden.
Genfer Polizei unterwandert
Mesbahi kannte alle Killerkommandos und wusste über welche Kanäle der Terrorismus finanziert wurde. Im Film sagt er: «Genf war das Zentrum, eine Art rückwärtiges Hauptquartier für Spionage und Spezialoperationen, sprich Terrorismus». Das iranische Generalkonsulat habe junge Leute rekrutiert, die zu Terroristen ausgebildet wurden. Das Gästehaus der iranischen Uno-Mission sei beispielsweise für Killerkommandos reserviert worden.
Finanziert wurden die Operationen über ein Genfer Bankkonto, auf dem laut dem Top-Spion 200 Millionen Dollar lagen. Brisant: Der iranische Nachrichtendienst pflegte offenbar beste Beziehung zur Genfer Polizei. Mesbahi sagt, es gab «eine Art Stillhalteabkommen und einen Informationsaustausch.» Ausserdem habe der iranische Geheimdienst die Genfer Polizei unterwandert. Eine Genfer Polizistin soll ihm jahrelang vertrauliche Polizeiinformationen geliefert und spätere sogar potentielle Mordopfer bespitzelt haben.
In den 90er Jahren, als sich Mesbahnis Agenten-Karriere dem Ende neigte, informierte er die Schweizer Polizei auch über das 200 Millionen Konto der iranischen Operationszentrale. Doch weder Genfer Behörden noch die frühere Bundespolizei noch der Bundesanwalt griffen ein.
Nach einem Treffen mit dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter fällt Mesbahi 1988 beim iranischen Regime in Ungnade. Mitte der Neunziger muss er vor den Schergen des Ayatollah-Regimes aus dem Iran fliehen. Seither versteckt er sich in Europa und kooperiert mit der Justiz und westlichen Nachrichtendiensten.
So tauchte er im sogenannten «Mykonos-Prozess» in Berlin als Zeuge C der Anklage auf. Es ging um die Ermordung von vier Iranern 1992 im Restaurant Mykonos, darunter auch der damalige Chef der Demokratischen Kurdischen Partei. Ein Mordattentat, geplant in der Schweiz. Von der Terror-Zentrale Genf aus.
play
«Zeuge C»: Mesbahi wurde international gesucht. (ZVG)