SP-Klage bei Polizeidirektor Gelten für linke Politiker strengere Gesetze?

Wird in Bern bei der Bewilligung von Demonstrationen mit ungleichen Ellen gemessen? Das befürchten die Jungsozialisten und mehrere SP-Nationalräte.

  • Publiziert: 09.10.2012
  • Von Christof Vuille
play Diese Gruppe von Jungsozialisten sah sich der Berner Polizei gegenüber.

In einem Brief an den Berner Polizeidirektor Hansjürg Käser und den Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause, der Blick.ch exklusiv vorliegt, klagen linke Politiker über eine angebliche Ungleichbehandlung zwischen Bauern und Jungsozialisten.

Datum des Konflikts ist der 27. September. Zum ersten Mal diskutiert der Nationalrat in einer mehrstündigen Debatte über die «1:12-Initiative» der Jungsozialisten.

Die jungen Linken möchten mit dieser Initiative die allerhöchsten Löhne drastisch beschränken  – kein Manager soll in einem Monat mehr verdienen als der schlechtestbezahlte Mitarbeiter im Jahr.

Nationalräte mussten sich ausweisen

Um «ihrem» Anliegen Nachdruck zu verleihen, demonstrierte an diesem Donnerstag eine Gruppe von etwa 30 Jusos vor dem Bundeshaus: Als Manager verkleidet applaudierten sie bürgerlichen Parlamentariern und pfiffen linke Befürworter ihrer Initiative aus.

Die Berner Kantonspolizei schritt ein – mit einem VW-Bus und drei Beamten (Blick.ch berichtete). Sie führten bei den «Demonstranten» eine Personenkontrolle durch. Juso-Chef David Roth, seine Sekretärin und weitere SP-Nationalräte, die sich einmischten, mussten sich ausweisen.

Ihnen droht jetzt eine Busse für unbewilligtes Demonstrieren.

Bauern kriegten die Bewilligung

Die Polizei hätte bloss ihre Pflicht getan, hiess es im Anschluss bei der Kantonspolizei. Und tatsächlich: Die Juso holten für die Aktion keine Bewilligung ein. Sie hätten auch keine gekriegt, zumindest nicht auf dem Bundesplatz. Denn während der Session sind politische Kundgebungen vor dem Bundeshaus eigentlich tabu.

Während derselben Session wurde aber für eine Bauerndemo vor dem Bundeshaus eine Bewilligung erteilt – am Rande der Session, wie Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause nach der Aktion gegen die Jungsozialisten bestätigte.

Die Bauern blieben aber viel länger als erlaubt, schenkten Wein aus und waren gewiss nicht leiser als die Juso-Gruppe.

Warum also das unterschiedliche Eingreifen der Ordnungshüter? Das will Juso-Chef David Roth vom Berner Polizeidirektor Hansjürg Käser wissen.

Im Brief argumentiert die Juso nun, dass sie gar keine Demonstation durchführten, weil es «keine gesteigerte Nutzung des öffentlichen Grundes» gab.

Juso: Rechtsstaatlich bedenklich

Es sei zudem «irritierend», dass die Bauern eine Bewilligung erhielten, und «rechtsstaatlich bedenklich» dass die Meinungsäusserung der Juso verhindert wurde.

Auch der Berner SP-Nationalrat Mathias Aebischer hat den Brief mitunterzeichnet. Ihm gehe es nicht darum, die Arbeit der Polizei schlechtzureden. Aber man müsse sich schon fragen, wieso die Juso anders behandelt werden als etwa die Bauern. «Ich habe dem Polizisten auch gesagt, dass ich hoffe, die Aktion sei nicht politisch motiviert.»

Aebischer plädiert für eine offenere Bewilligungspraxis, da ihn politische Aktionen nicht stören, solange sie friedlich sind.

Polizeidirektor Käser bestätigt auf Anfrage den Erhalt des Briefes. Die Forderung nach einer Vereinheitlichung der Bewilligungspraxis findet er prüfenswert.

Allerdings verweist er darauf, dass für Bewilligungen die Stadt – also Reto Nause – verantwortlich sei, und nicht er.

Beliebteste Kommentare

  • Heinz  Stäheli
    Lieber Herr Wehmuth ich möchte nur an folgenden Bericht erinnern:
    Blaulicht vom 10.3.2010

    Jungsozialisten im kriminellen Milieu
    Im Kanton Aargau treiben seit Jahren Linksextremisten ihr Unwesen. So
    sind zwei Linksextremisten – sie bezeichnen sich selbst als
    Linksautonome – die mutmasslichen Täter der Serie von
    Brandanschlägen auf Autos von SVP-Politikern. Juso-Chef Cédric
    Wermuth wurde bereits wegen politisch motiviertem Hausfriedensbruch
    verurteilt.
  • Dino  Boss , Winterthur
    Die SP, die Jungsozialisten, die Grünen und was alles noch so links ist, die glauben ohnehin immer, sie würden benachteiligt. Für diese ist die Welt erst in Ordnung, wenn sie überall im Vorteil, also einfach vor den andern liegen.

Alle Kommentare (44)

  • Ewald  Rindlisbacher , Grayland
    Die meisten Demos und saemtliche Demos mit Vandalismus und Randalierer sind Linke, wenn nun mal halt Rechte mal etwas ueber die Zeit Demonstriert haben, da wuerde ich auch ein Auge zudruecken.
    • 10.10.2012
    • 38
    • 8
  • Anton  Keller , Zürich
    Weil man möglicherweise keine Bewilligung erhält ist noch lange kein Grund KEINE Bewilligung einzuholen.
    • 10.10.2012
    • 74
    • 7
  • Meyer  Hans
    Zitat von Herr Aebischer : «Ich habe dem Polizisten auch gesagt, dass ich hoffe, die Aktion sei nicht politisch motiviert.»
    Lächerlich, um zu demonstrieren braucht es eine Bewilligung und es ist normal, dass die Polizei bei einer unbewilligte Demonstration kommt und die Personalien der Beteiligten kontrolliert. Aber scheinbar gelten die Gesetze nicht für JUSO.
    Die Bauern hatten diese Bewilligung eingeholt. Dieses Jammern ist also kindisch und für eine politische Partei unwürdig
    • 10.10.2012
    • 69
    • 9
  • Fred  Bartlome
    Schluss mit diesen linken Provokationen. Ja, ja besondere Gesetze gelten ohenhin fuer linke Politiker und deren Anhaenger schon seit Jahren, man denke nur an die unglaublichen Ausschreitungen in Zuerich jeweils am 1. Mai mit gewaltigen Kosten und Schaeden fuer die Oeffentlichkeit und das immer ohne Folgen fuer die Missetaeter.
    • 10.10.2012
    • 60
    • 8
  • Andreas  Hüssy , via Facebook
    Ich lach mich schlapp, läck ist das was Lustiges. Da schreien sie, sie wären ungleich behandelt worden, ja sie schreien und jammern. Aber nicht einmal ein Gesuch eingereicht? Himmel wie doof muss man sein? Ich dachte Juso/SP sind alles ewige Studenten und dergleichen? Gott sei Dank hab ich auf ein Studium verzichtet... ich würde mich schämen, einen solchen Zwergenaufstand zu veranstalten wenn ich mich nicht an die Regeln halte...
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