Road-Pricing in der Schweiz «Gegen ein Pilotprojekt spricht gar nichts»

Die Stadt Luzern will Road-Pricing testen – darf aber nicht. Warum klemmt der Bundesrat beim Test eine Strassengebühr für Städte plötzlich?

  • Publiziert: 29.10.2012
  • Von Peter Brühwiler
play Stau in Luzern: Road-Pricing steht als Lösung des Problems vorerst nicht zur Debatte. (Stefan Dähler)

Oslo, London, Stockholm – und bald auch Luzern? Die dortige Stadtregierung hat sich letzte Woche mit einem GLP-Vorstoss zum Thema Road-Pricing beschäftigt.

Das Resultat: Man unterstütze die Idee, über Abgaben den Strassenverkehr zu lenken, teilte sie mit. Aber der Bund sei zur Zeit nicht bereit, die für ein Pilotprojekt notwendigen Gesetzesänderungen vorzunehmen.

«Problem nicht regional angehen»

«Die Bemerkung, dass der Bund gegen ein Road Pricing ist, stimmt nicht», sagt Guido Bielmann vom Bundesamt für Strassen (Astra) auf Anfrage. Die Thematik sei aber «komplex und kann aus Sicht des Bundesrates nicht regional angegangen werden.»

Statt «punktuelle Schritte einzuleiten», will der Bund in drei Jahren einen Konzeptbericht zu Mobility-Pricing vorlegen, wie er kürzlich in der Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss von Evi Allemann (SP/BE) schrieb.

Mit Mobility Pricing soll sowohl für die Strasse als auch für die Schiene ein neues Finanzierungsmodell gefunden werden.

«Das eine schliesst das andere nicht aus»

«Ich hätte es sehr begrüsst, wenn der Bund einzelne Pilotversuche zugelassen hätte und trotzdem parallel dazu an einem Konzeptbericht gearbeitet hätte», meint dazu Nationalrätin Allemann. «Das eine schliesst das andere ja nicht aus.»

Auch GLP-Ständerätin Verena Diener bezeichnet die Argumentation des Bundesrates als «nicht stichhaltig».

Gegen ein Pilotprojekt spreche gar nichts, findet sie. «Im Gegenteil: Ein Versuch würde die Vor- und Nachteile des Modells aufzeigen und die Diskussion versachlichen.»

Dieser Ansicht war vor nicht allzu langer Zeit auch das Verkehrsdepartement (Uvek). Noch 2007 – Departementschef war damals Moritz Leuenberger (SP) – wollte es den Weg für Versuche mit Road Pricing freimachen.

Warum ist der Enthusiasmus unter der neuen Uvek-Chefin Doris Leuthard erlahmt?

Die CVP-Bundesrätin wolle nicht zu viele polarisierende Baustellen bei sich ansiedeln, vermutet Diener. «Um die Gegner ihrer Energiepolitik zu beschwichtigen, gibt sie ökologische Errungenschaften in der Mobilität wieder preis.»

Bremst Atomausstieg Strassengebühr aus?

Die ablehnende Haltung gegenüber Road Pricing sei ein Beispiel dafür. Das Ja zu einem zweiten Gotthard-Strassentunnel ein anderes.

«Jetzt kommt dann die Neat, aber wir haben keine Verlagerungspolitik. Für die Alpentransitbörse wird nicht einmal gekämpft», kritisiert Diener.

Schlechte Aussichten also für die Luzerner Road-Pricing-Enthusiasten. Wobei: das einzige Hindernis auf dem Weg zum Pilotprojekt ist der Bund nicht.

«Weil die Platzverhältnisse eng sind, der Strassenverkehr schon am Anschlag ist und der ÖV oft im Stau stecken bleibt, wäre Luzern perfekt für einen Pilotversuch», sagt zwar der frischgewählte städtische Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne).

Mit ins Boot holen müsste er aber auch die umliegenden Gemeinden und den Kanton. «Denn ohne diese wäre das Testgebiet zu klein.»

Sollten Schweizer Städte Road Pricing prüfen?»

Beliebteste Kommentare

  • Hans  Schmid
    Gerade beim Verkehr hat der Umwelt-Wahn in der Schweiz schon mehr als genug Schaden angerichtet: Schleich-Tempo 80/120, Bussenterror, Spurreduktionen, Kapazitätsabbau, Parkgebühren, CO2-Abzock-Steuer, Jahrzehntelange Verschleppung von Ausbauprojekten, etc.
    Höchste Zeit, dass BR Leuthard hier Gegensteuer gibt!
  • Andrea  Pohl-Derungs , via Facebook
    Wenn Roadpricing auch noch kommt, dann sind wir wieder im Mittelalter. Da wurde auch Geld verlangt um die Strassen benutzen zu dürfen. HALLO wir Leben im 21 Jahrhundert. Wir Menschen besser gesagt das Volk , sind doch keine Weihnachtsgänse :-

Alle Kommentare (54)

  •   Heinz Knauser , z.Zeit in Thailand
    Good Bye Luzern.
    Das Brauch ich nicht auch noch!
    Dann war ich so eben das letzte mal in Luzern!
    Mir scheint einigen hats ins Hirn geschissen!
    Lauter ab Zocke!
    • 30.10.2012
    • 39
    • 2
  • Maximilian  Berger
    Wo ist eigenltich der TCS? Der wurde schon lange von den mächtigen korrumpiert! Ich trete dieses Jahr aus, weil die nichts für den Autofahrer tun; dann kann ich vom eingesparten Beitrag wenigstens die 100.- Fr. für die neue Autobahn Vignette bezahlen! Pannenhilfe kann ich anderswo günstiger versichern!
    • 30.10.2012
    • 32
    • 1
  • Eddy  Keller , Dällikon
    Es gäbe einfache Lösungen! Das alle auswärtigen die in Zürich arbeiten, müssten die Steuern in Zürich bezahlen und nicht in der Wohngemeinde wo sie günstig wohnen. Dann hätte es auch weniger Völkerwanderrung zB LU/GR/SH/BS/AG usw nach Zürich. Die Firmen müssten dann auch Löhne zahlen, die sie im Durchschnitt in ihrer Wohn-Gemeinde hätten, weil die nicht die Lebenserhaltungskosten haben als wenn sie in Zürich leben würden.
  • Reto  Müller
    Autos stinken, nehmen Platz weg und sind gefährlich. Ganz gut wenn Autofahren teuerer wird und dadurch weniger Autos auf den Strassen sind.
    • 30.10.2012
    • 4
    • 72
  • Heinz  Jenni
    Im Kanton Bern werden Strassen verengt. Dazu werden diese Inseln gebaut und mit Rondellen wird auch nicht gespaart. Gegen Kreisel bin ich nicht, wo es nützlich ist. Ich sehe aber Kreisel wo pro Tag 3 Bauern, 2 Lastwagen umd 8 Privatautos einschwenken. Wo ist da der Nutzen für den Aufwand des Kreiselbaues. Auch die Strassenverengung in Dörfern dient nicht zu irgend welchem Schutz und langsamer wird auch nicht gefahren. Bei normalen Strassen und den heutigen Autos erachte ich 50Kmh für innerorts angemessen.Roadpricing in Stockholm bringt zu Stosszeiten vermehrt Autoschlangen und erregte Strassenbenützer. Der Verkehr ist nicht weniger, wird aber doppelt bezahlt.
    • 30.10.2012
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    • 0
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