Gebärden statt Tasten Gehörlosen-Telefon gehört ab 2018 zum Service public

OLTEN - Durch Videocom können Gehörlose mit Hörenden telefonieren. Der Service soll ab 2018 zur Grundversorgung gehören. Doch worum geht es eigentlich?

Mit VideoCom können Gehörlose in Gebärdensprache telefonieren: Dolmetscherin Gabriela Spörri gebärdet gerade «Doktor». play
Mit VideoCom können Gehörlose in Gebärdensprache telefonieren: Dolmetscherin Gabriela Spörri gebärdet gerade «Doktor». Mario Heller

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Für die meisten ist ein Anruf beim Arzt keine grosse Sache: Man wählt, erklärt das Anliegen und vereinbart einen Termin. Ist man nicht hörend, gestaltet sich das schwieriger. Dank der 1988 gegründeten Stiftung Procom und ihrem Projekt Videocom können auch Gehörlose solche Anrufe tätigen: Die gehörlose Person ruft, ähnlich wie bei Skype, per Videotelefon die Vermittlung an. Dort nennt sie in Gebärdensprache ihren gewünschten Gesprächspartner. Eine Dolmetscherin startet dann ein Telefongespräch zum Ziel und übersetzt das Gespräch aus der Gebärdensprache simultan in die gesprochene Sprache und zurück.

Pascal Péquignot, Geschäftsführer der Stiftung Procom play
Pascal Péquignot, Geschäftsführer der Stiftung Procom Mario Heller

Das ist von zentraler Bedeutung, wie der Leiter der Stiftung, Pascal Péquignot, erklärt: «Viele Gehörlose möchten in ihrer Muttersprache, der Gebärdensprache, kommunizieren.» Daher entspräche die Videovermittlung einem grundsätzlichen Bedürfnis der Gehörlosen.

Die Wichtigkeit des Projekts bestätigt auch Reto Hügli vom Bundesamt für Kommunikation: «Wir sehen die Videovermittlung als Beitrag zur Chancengleichheit in der Informationsgesellschaft.»

Kein langes Warten auf Antworten

Bevor das Projekt 2011 lanciert wurde, gab es nur ein Schreibtelefon, mit dem die Gehörlosen ihre Worte einer Vermittlungsperson zuschicken. Diese lesen sie dem Empfänger vor, und tippen die Antwort wiederum dem Gehörlosen zurück. Das führt zu zeitlichen Verzögerungen. Diese fallen beim Video-Telefon weg.

Ab dem kommenden Jahr ist das Gehörlosen-Telefon nun Service public. Das nimmt die Swisscom in die Pflicht, wie Hügli sagt: «Es liegt als Anbieterin der Grundversorgung an ihr, die Leistung möglichst effizient zu erbringen.» Für den Bund an sich entstünden so also keine Mehrkosten. Die Stiftung hat für das Jahr 2016 einen Projektaufwand von etwa 1,2 Millionen Franken budgetiert. 

Der Entscheid des Bundesrates, Video-Anrufe in die Grundversorgung aufzunehmen, war eine grosse Erleichterung für Péquignot: «Das ist ein Erfolg! Es ist schön zu sehen, dass sich die Arbeit der letzten fünf Jahre gelohnt hat. Selbstverständlich ist das nicht.»

Publiziert am 10.01.2017 | Aktualisiert am 10.01.2017
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  • Morgan  Schwab aus Bülach
    10.01.2017
    Sehr gut :) ! Ein grosser Fortschritt für uns Gehörlose :)