Gastrosuisse-Präsident Platzer kritisiert Arbeitslosenvorrang «Das ist ein Blödsinn»

Die parlamentarische Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative sei Blödsinn, sagt Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer. Sie reduziere weder die Zuwanderung noch die Arbeitslosigkeit.

Wehrt sich gegen das schlechte Image der Branche: Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer. play
Wehrt sich gegen das schlechte Image der Branche: Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer. Thomas Andenmatten

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Was wurde bei der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative auf sie eingeprügelt: die Gastronomiebranche. Trotz hoher Arbeitslosigkeit würden die Chefs der rund 27'000 Hotels und Restaurants lieber billigere Ausländer rekrutieren und diese Ende Saison auf die Strasse stellen, wetterten selbst FDP-Politiker, welche die SVP-Initiative nur mit einem sanften Arbeitslosenvorrang umsetzten.

Kurze Glücksmomente

Einen Tag vor der Schlussabstimmung im Parlament wehrt sich jetzt der Buhmann der Nation, Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer: Dass der Staat Arbeitgeber zu Vorstellungsgesprächen zwingt und horrende Bussen androht, sei ein «Blödsinn». «Das löst bei ungeeigneten Arbeitslosen nur kurze Glücksmomente aus und dann kommt die Enttäuschung, wenn eine Absage erfolgt.» 

Nicht genügend inländische Kandidaten

Die Arbeitslosigkeit würde mit der Interviewpflicht überhaupt nicht sinken, so Platzer. Wenn es geeignete Kandidaten im Inland gebe, würden die schon heute eingestellt, doch es gebe nicht genügend. «Im Ausland zu rekrutieren, ist für Gastronomen aufwendiger – und wegen der geltenden GAV sind ausländische Arbeitnehmer auch nicht billiger.»

Die meisten sind Kurzaufenthalter

Platzer hat berechnet, dass die Gastrobranche weniger als ein Prozent zur Zuwanderung in die ständige Wohnbevölkerung beiträgt. «Zwischen 2010 und 2015 wanderten netto pro Jahr nur 500 Personen dauerhaft ein. Denn die meisten sind Kurzaufenthalter und die Abwanderung aus der Branche ist hoch.»

Acht Prozent als arbeitslos gemeldet

Dennoch: Rund jeder zweite der über 200'000 Mitarbeitenden der Branche hat keinen Schweizer Pass, und im Gastgewerbe und der Hauswirtschaft sind acht Prozent als arbeitslos gemeldet – eine doppelt so hohe Quote wie der Durchschnitt. Platzer erklärt dies mit der hohen Fluktuation aufgrund der Saisonalität – denn: «Im Gastgewerbe sind Langzeitarbeitslose seltener als in der Gesamtwirtschaft.»

Auffangbecken für Personen ohne Ausbildung

Zudem würden Personen, die gar keine Gastroausbildung haben oder nur kurz in der Gastronomie gejobbt haben, die Arbeitslosigkeit in die Höhe treiben. Der Grossteil der Arbeitslosen, die dem Gastgewerbe zugeschrieben werden, hat laut dem Gastrosuisse-Präsidenten nur die obligatorische Schulbildung absolviert, jedoch keine Ausbildung gemacht. «Wir sind also oft auch eine Art Auffangbecken und bieten Personen ohne Ausbildung eine Chance.»

Publiziert am 15.12.2016 | Aktualisiert am 17.12.2016
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  • Rolf  Hess 16.12.2016
    Stellen Sie sich vor. Der Gastro Chef hat etwas festgestellt, das bereits seit Wochen alle Schweizer wissen. Diejenigen, denen das gefällt, und die Anderen. Unter Anderen verstehen sich mehr als 50 Prozent der Stimmbürger, die das waren und ALLE Stände, die jetzt sogar von den eigenen Ständeräten in die Pfanne gehauen wurden.
  • Roger  Berger 15.12.2016
    Da gibt es doch Hoteliers, die die Probezeit mit Ausländern für die Wintersaison, die in diesen Tagen startet, auf VIER unübliche Wochen vereinbarten. Spätestens ab Mo. 9. Januar fallen die Gästezahlen rapide. Dann werden viele MA nicht mehr benötigt, und einfach mit einem Argument vor die Türe gestellt. Das ist klarer Missbrauch.
  • Henri  Steinlin aus Courchavon JU
    15.12.2016
    Wie wäre es mit einer innovativer Umsetzung der MEI durch durch das Gastrogewerbe? Ein Schweizer Vorrang in gewissen Betrieben mit nur Schweizer Angestellten - "hier arbeiten nur Schweizer". Ich denke da müssten alle frustrierten MEI-JA Stimmer vor dem Lokal Schlange stehen.
    Oder könnte es sein dass die Solidartät nicht so gross ist wie immer behauptet wird und wurde?
    Das Modell sollte auch in der Baubranche erfolgreich sein. Ein Haus nur von Schweizern gebaut für Schweizer :-)
    • carlos  zapato aus St. Gallen
      15.12.2016
      Blöd nur, das eben Schweizer lieber billig bauen wollen. Und keiner zu einem Hungerlohn im Gastrogewerbe arbeiten will. Oder zahlen Sie gerne über 5 Stutz für einen Kaffee im Restaurant mit nur CH Personal?
    • willi  Frischknecht 15.12.2016
      Von Geschäften verstehen Sie nicht allzu viel und Ihre Idee ist Diskriminierung vom feinsten.
      Die MEI heisst nicht nicht keine Ausländer, sondern nicht unbegrenzt, falls sie das noch nicht verstanden haben.
  • Claude  Aebi , via Facebook 15.12.2016
    Ist doch immer das gleiche! Ist doch ne reine Kostenfrage!die wirtschaft wehrt sich doch mit Händen und Füssen dagegenwar ja klaar! pfff.von wegen nicht genügend innländische Qualifizierte!
  • Jean-Pierre  Hubschmid aus Bülach
    15.12.2016
    Warum nimmt man nicht die Sommer Sai­son­ni­e­re in den Winterbetrieb und ende Winter zurück in die Sommer Saison. Es soll noch jemand behaupten, die Personen haben keine Erfahrung. Aber es werden immer wieder Ausreden kommen um das zu umgehen.
    • Blubberstein  Al 15.12.2016
      Wer sagt, dass dem nicht so sei. Aus mehrjähriger Erfahrung kann ich Ihnen garantieren, dass es sehr viele Betriebe gibt, die förmlich darum kämpfen diese zu halten, da Besetzung derselben Stellen noch mehr Geld verschlingt. Es gibt aber viele andere Gründe, warum dennoch Viele das Angebot ausschlagen. So muss sich dann der Restaurateur/Hotelier halt wieder neue Leute an Board holen. Cest la vie.