Fünfer-und-Weggli-Schweiz Wir Heuchler

Exklusiv-Umfrage zeigt Schweizer wollen öko sein – aber im Einfamilienhaus wohnen, Auto fahren und in die Ferien fliegen.

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Was darf es denn sein: der Fünfer oder das Weggli? Eine neue Umfrage, die BLICK exklusiv vorliegt, zeigt, dass Schweizerinnen und Schweizer am liebsten beides wollen – und das in nahezu allen Lebensbereichen. Über 21'000 Personen hat das Institut Sotomo des Politgeografen Michael Hermann via blick.ch und lematin.ch befragt, und die haben klare Ansprüche – die sich jedoch nur schwer miteinander verbinden lassen.

Sehnsuchtsort Land

Beispiel Wohnen: Das ideale Leben spielt sich für die Schweizerinnen und Schweizer auf dem Land ab. 64 Prozent wollen am liebsten aufs Land ziehen, gefolgt von der Kleinstadt (43 Prozent). «Das Land ist nach wie vor der Sehnsuchtsort der meisten», so Hermann. In einer Grossstadt möchten hingegen nur 26 Prozent leben.

Nicht nur auf dem Land wollen Herr und Frau Schweizer wohnen, sondern dann auch noch in einem Einfamilienhaus. 55 Prozent träumen von einem Haus. Am wenigsten beliebt ist das Hochhaus. Nur zwei Prozent aller Befragten würden gern in einem wohnen, auch Blockwohnungen sind mit nur zehn Prozent Zuspruch eher unbeliebt. 

Folgenschwere Widersprüche

Gefragt, was ihnen für die Wohnlage am wichtigsten ist, sagen die meisten: Landschaft und Naturnähe, dann folgen gute Verkehrsanbindungen und Nähe zum Arbeitsort. Das sorgt für Probleme: «Das eine geht in der langen Frist auf Kosten des anderen», sagt Hermann. Konkret: «Wer nicht allzu weit abgelegen und doch im Grünen leben will, fördert die Zersiedelung und wirkt damit letztlich dem Anspruch nach einer schönen Landschaft entgegen.»

Auch das bestätigt die Sotomo-Umfrage, die im Auftrag der Krankenkasse KPT durchgeführt wurde: Schweizerinnen und Schweizer, die eine schöne Landschaft als wichtiges Kriterium für ihre Wohnsituation angeben, pendeln im Schnitt weiter zu ihrem Arbeitsort und leben häufiger in einem Einfamilienhaus. «Sie tragen damit vermehrt zur Bodenbeanspruchung und damit zu dessen Versiegelung bei», so Hermanns Fazit. Und bedrohen damit, was ihnen doch so wichtig ist: die unverbaute Natur.

Fünfer-und-Weggli-Schweiz: Öko sein aber trotzdem Auto haben play
Michael Hermann, Schweizer Geograph und Politikwissenschaftler. René Ruis

Umweltschutz ja, aber bitte ohne Verzicht

Nicht nur beim Wohnen zeigt sich unsere Scheinheiligkeit. Beim Konsum steht es nicht besser. Obwohl 59 Prozent der Befragten angeben, dass ökologische Nachhaltigkeit ihnen wichtig oder sehr wichtig ist, sind die meisten nicht bereit, dafür auf etwas zu verzichten. «Ökologische Ideale wirken sich kaum auf das Verhalten aus», so Hermann.

45 Prozent der Umweltbewussten pendeln mehr als zehn Kilometer zwischen Wohnort und Arbeit, mehr als 30 Prozent wohnen in einem Einfamilienhaus. Den Grosseinkauf im Ausland lassen sich die Umweltbewussten ebenso wenig nehmen wie die Ferien in der Ferne: 40 Prozent fliegen mehr als einmal im Jahr. Das alles verbraucht Ressourcen. 

Bio kaufen ist Umweltbewussten wichtig

Einzig beim Einkauf von Bio-Lebensmitteln unterscheiden sich die Umweltbewussten: 74 Prozent finden das wichtig, bei den weniger Umweltbewussten sind es nur 37 Prozent. «Weil es nicht um Verzicht geht, spielt die Grundhaltung hier eine relevante Rolle», erklärt Hermann die Ausnahme. Denn man muss mehr zahlen, aber nicht verzichten. Das zeigt: Wir sind ein Volk von Heuchlern.

Publiziert am 10.10.2016 | Aktualisiert am 10.10.2016
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92 Kommentare
  • H.   Heller aus Zürich
    11.10.2016
    Ich war kürzlich in Bangkok. Dort laufen Klimaanlagen 24 Stunden, selbst in durchlässigen Bretterbuden der Ärmsten, selbst wenn niemand da ist. Solange Asien rücksichtslos unsere Atmosphäre vergiftet, heize ich auch auf angenehme 22 Grad.
  • Jürg  Maggi , via Facebook 10.10.2016
    Das ist so, wir Schweizer waren und sind Schmarotzer, Rosinenpicker, wir wollen alles, wollen überall mitreden und mitentscheiden aber nirgends dabei sein! Das war in den vergangenen 100 Jahren so und wird bei dieser Mentalität in diesem Land auch so bleiben, traurig aber wahr!
  • Daniela  Ponti 10.10.2016
    Herrmann ist der allergrösste Heuchler überhaupt - wenn ich daran denke was er bei den Wahlen bei SF so rauslässt. Rauslassen darf. Ich will dass es mir gut geht, dann der Umwelt, andere Menschen oder Flüchtlinge sind mir nicht egal, aber durchaus zweitrangig. Dass ich nur gut sein soll um die Welt zu retten, empfinde ich als Zumutung.
  • Bruno  Frank aus Azmoos
    10.10.2016
    Unsere Kindeskinder werden sich fragen was zum Geier unsere Generation sich gedacht hat…
    … als wir das begrenzte (und damit eigentlich kostbare) Erdöl verheizt haben.
    … als wir dem Klimawandel einfach zugelassen haben und so die grösste Flüchtlingswelle der Menschheit ausgelöst haben.
    … als wir die Meere leergefischt haben.
    … das Geld der vorherigen Generation verjubelt haben und auf Pump gelebt haben.
    Und sie werden uns deswegen als habgierig und verantwortungslos verfluchen. Garantiert!
    • Thomas  Stäubli , via Facebook 10.10.2016
      Öl bzw. ölähnliche Liquide kann man auch synthetisch herstellen, indem man Wasserstoff und Kohlenstoffe bei hohen Temperaturen und hohem Druck zusammen mit Katalysatoren einschliesst. Es ist von daher nicht begrenzt. Oder man kann es aus Pflanzen gewinnen.
    • Walter  Vetter , via Facebook 10.10.2016
      Bruno Frank: wir beeinflussen zwar den Klimawandel ein bisschen, aber das Klima wandelt sich seit es ein Klima gibt. Es wird mit dieser Angstmacherei nur eine sinnlose Klima-Bewirtschaftung betrieben und sinnlos Geld um verteilt.
    • Peter  Würgler aus Wolfhausen
      10.10.2016
      Danke Herr Frank. Aber Sie gehen davon aus, dass sich unsere Kindeskinder diese Fragen stellen werden. Ich glaube nicht, dass sie noch Gelegenheit dazu haben werden.
    • Silvio  Mayer , via Facebook 10.10.2016
      Herr Stäubli, was Sie sagen stimmt schon. Nur wird dazu enorm viel Energie benötigt und bei der Umwandlung geht sehr viel Energie verloren. Das ist völlig sinnlos, wenn man mit der gleichen Energie gleich ein Elektrofahrzeug "tanken" kann und praktisch die ganze Energie zum fahren brauchen kann.
  • Harry  Kant , via Facebook 10.10.2016
    Wisst ihr eigentlich dass Australien 78 Prozent der Energie aus fossilen Brenstoffen gewinnt? Und uns will man das Autofahren und den Standby vermiesen? Nein, nicht mit mir! Ach, und vom 110V Netz in den USA gar nicht zu sprechen. Wir sollten hier sowieso besser auf 440 gehen!
    • Thomas  Stäubli , via Facebook 10.10.2016
      Es spielt keine Rolle, ob 110, 220 oder 440 Volt. Die allermeisten Geräte wandeln den Strominput eh in Gleichstrom mit der für die elektronischen Bauteile benötigten Spannung.