Jo Lang zieht nach Bern Freiwillig vom Steuerparadies in die Steuerhölle

BERN - 30 Jahre lang mischte Jo Lang den Kanton Zug auf. Jetzt will der ehemalige grüne Nationalrat und Armeeabschaffer Bern unsicher machen.

  • Publiziert: 31.10.2012
  • Von Roger Baur
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Auf den Tag genau vor 30 Jahren begann seine politische Karriere im Kanton Zug. Und heute früh, um 8.20 Uhr, endete sie. «Ich habe ganz bewusst die Abmeldung auf den 30. Jahrestag meiner Wahl ins Zuger Stadtparlament gesetzt», sagt Jo Lang. «Und heute Nachmittag melde ich mich in Bern an.»

Schon seit den Herbstferien lebt der 58-Jährige in Bern bei seiner Frau. Die  beiden lernten sich vor 18 Jahren kennen, «der Umzug war darum schon lange geplant». Denn seine Frau hatte damals zwei kleine Kinder, ein Wegzug kam für die Verwaltungsangestellte nicht in Frage.

Das ist die Hölle, und das ist gut so

Für Lang hingegen, der seit 1982 an der Baugewerblichen Berufsschule in Zürich lehrt, war der weitere Pendelweg kein Hindernis. Doch 2003 wählten die Zuger den Grünen-Politiker in den Nationalrat – ein Wegzug war kein Thema mehr. Bis zur überraschenden Abwahl im letzten Jahr.

Und nun kommt er also doch nach Bern. Vom Steuerparadies in die Steuerhölle. Lang macht das nichts. «Denn ich habe gesehen, was der Steuerwettbewerb auslöst. Die hohen Mieten vertreiben die Normalverdiener über die Kantonsgrenzen, viele ziehen aus Zug in die Kantone Luzern, Aargau oder Zürich und pendeln dann täglich zurück.»

«Ich mache Politik, bis ich im Sarg liege»

Er freue sich sehr auf Bern. «Ich schätze die urbane, offene Mentalität, die sich mit diesem ländlichen Stallgeruch mischt. Das gefällt mir als Bauernsohn natürlich.»

 «Der Bund» machte Langs Umzugspläne heute publik, am Morgen vermeldete die Grüne Partei den Kantonswechsel. Und danach? «Ich trete dem Grünen Bündnis der Stadt Bern bei und werde mich auch bei der regionalen GsoA engagieren», sagt Lang etwas wage. Schiebt dann aber leidenschaftlich nach: «Ich mache Politik seit ich 16 bin und werde das tun, bis ich im Sarg liege.»

Denn mit dem Engagement von Franziska Teuscher in der Stadtberner Politik kommt den Berner Grünen einen neuer, reifer Kopf gerade recht.

Ob bewusst oder nicht: Jo Lang übt schon. Am letzten Freitag stand er in der «Arena» hinter dem Berner Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. Und trat dort gegen Zug an.

Beliebteste Kommentare

  • Tom  Meier , Baar
    Winke, winke...Zug weint Dir keine Träne nach. Du hast ja eh immer gegen den Kanton Zug politiert und dem Standort Schaden zufügen wollen.
  • Meier  Daniel
    in seiner Zeit in der Gemeindeverwaltung Cham war aber einer der ersten Fragen, bei Projekten, immer was man vom Kanton und vom Bund holen kann und wie man möglichst wenig in den Finanzausgleich zahlen muss. Reiche Ausserkantonale die zusammen mit anderen Reichen einen Briefkasten z.B. an der Baarerstrasse teilten mussten den Jo Lang auch nicht fürchten. Da war er kulant. Genauer kann ichs leider nicht schreiben die Fnktion hier lässt nicht mehr zu.

Alle Kommentare (18)

  • Toni  Binder , Steinhausen , via Facebook
    Wir sollten noch mehr solche hartnäckige Politiker wie Jo Lang haben. Er hat sich nicht wie viele andere Politiker verleugnet.
    Wenn ich auch nicht immer in allen Bereichen seiner Meinung war
    und bin, unser demokratisches System braucht solche Mitstreiter.
    Jo Lang, machen sie weiter so!
  • Constantin  Sarner , Allschwil
    In punkto Wehrpflicht abschaffen stimme ich Jo Lang zu. All seine anderen Pläne sind grüne Träumereien, weit and er Realität vorbei.
  • Daniel  Meierhofer , Aarau
    Es interessiert wohl kaum jemanden, wo Jo Lang wohnt. In Zug sind alle froh, dass er weg ist... in Bern geht das grosse Gejammer jetzt dann los... Es ist wie mit dem Atomendlager: Niemand will es.
  • Ségolène  Hausser-Dupré , Genf
    Die Abwahl war unvermeidlich. Jo Lang lebte schon lange nicht mehr in Zug, aus opportunistischen Wahlgründen hielt er sich eine Briefkastenadresse, obwohl er schon lange in Bern wohnte und in Zürich arbeitete. Er hatte an den Volksschulen und Gymnasien Berufsverbot wegen seiner staatsfeindlichen Umtriebe. Sein Wegzug ist den Zugern egal; Jo Lang wurde seit Jahren nicht mehr ernst genommen. Seine ehemaligen Redaktionsgenossen und linken Weggefährten bauschen Langs Abschleichen als Medienmeldung auf. Nur: Keinen juckt mehr, was der abgehalfterte Altreaktionär macht. Eigentlich eine traurige Figur. Und leicht lächerlich.
  • Hubert  Schoch
    in der Hoffnung, dass es im Kanton Bern genügend Sitze gibt, damit er auch noch einen kriegt.
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