Frauen in Kantonsregierungen Wird Freiburg zum dritten Testosteron-Kanton?

Im Kanton Freiburg droht den beiden bisherigen Staatsrätinnen die Abwahl. Dann würde der Kanton von einem reinen Männergremium regiert. Ein Rückschritt für die Frauen, die schon heute nur knapp einen Viertel der Exekutivsitze besetzen.

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Bei den Wahlen in die Freiburger Kantonsregierung hatten nur die Männer gut lachen. Im Bild die im ersten Wahlgang gewählten Jean-Pierre Siggen (CVP), Georges Godel (CVP), Olivier Curty (CVP) und Maurice Ropraz (FDP, (v. l.). Keystone

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Die Staatsratswahlen im Kanton Freiburg verheissen für die Frauen nichts Gutes. Vier Männer wurden im ersten Wahlgang gewählt. Auf den weiteren Rängen folgen zuerst drei neu angetretene Männer – und erst dahinter die beiden bisherigen Staatsrätinnen. Die Freiburger Kantonsexekutive droht damit zum reinen Männergremium zu werden.

Zu den heutigen regierungsrätlichen Herrenclubs in den Kantonen Luzern und Tessin käme also ein dritter Testosteron-Kanton hinzu. Die Männerdominanz in den Kantonsregierungen würde wieder erhöht.

Aktuell besetzen Männer 117 von 154 kantonalen Exekutivsitzen – ein Anteil von 76 Prozent. Setzen sich die Männer auch in Freiburg gänzlich durch, steigt der Anteil weiter.

Frauen droht Rückschritt

Die derzeit 37 Regierungsmandate in Frauenhand sind ein Rekordwert. Nun droht aber ein Rückschritt.

Zum Leidwesen von SP-Nationalrätin und Gleichstellungspolitikerin Yvonne Feri (AG). «Ein Frauenanteil von wenigstens 30 Prozent wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung», sagt sie. «Und mittelfristig müssen beide Geschlechter in etwa paritätisch in den Regierungen vertreten sein. Doch davon sind wir noch weit entfernt.»

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SP-Nationalrätin Yvonne Feri: «Es kann nicht nur die Aufgabe linker Parteien sein, Frauen zu fördern und aufzustellen. Auch die Bürgerlichen müssen ihre Hausaufgaben machen und Frauen stärker unterstützen.» KEY

Dass in Freiburg ein reines Männergremium droht, bedauert Feri. Dass dabei ausgerechnet ein neuer SP-Mann eine bisherige SP-Frau aus der Regierung werfen könnte, sei nicht der SP anzulasten. «Wir sind mit zwei Frauen und einem Mann angetreten, wir haben der Wählerschaft damit eine Auswahl mit kompetenten Personen geboten.»

SP stellt am meisten Frauen

Feri sieht vor allem die bürgerlichen Parteien in der Pflicht: «Es kann nicht nur die Aufgabe linker Parteien sein, Frauen zu fördern und aufzustellen. Auch die Bürgerlichen müssen ihre Hausaufgaben machen und Frauen stärker unterstützen.»

Ihre Kritik ist berechtigt. Tatsächlich stellt derzeit die SP mit 13 Frauen am meisten Regierungsrätinnen. Dahinter folgt die FDP mit zehn Frauen. Die CVP schafft es gerade mal auf fünf bei 41 Exekutivmandaten. Die Grünen stellen vier und die SVP als grösste nationale Partei gerade mal drei Regierungsrätinnen. Für die BDP sitzen zwei Frauen in Kantonsregierungen.

CVP-Pfister: «Entscheidend ist die Kompetenz» 

Nachholbedarf ist also vorhanden. «Wir ermuntern immer wieder Frauen, politische Aufgaben zu übernehmen. Grundsätzlich hat bei uns aber jeder und jede die gleichen Chancen, sich auf Ämter zu bewerben», sagt CVP-Chef Gerhard Pfister.

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CVP-Chef Gerhard Pfister: «Wir ermuntern immer wieder Frauen, politische Aufgaben zu übernehmen. Grundsätzlich hat bei uns aber jeder und jede die gleichen Chancen, sich auf Ämter zu bewerben.» KEY

Dass die CVP in den Kantonsregierungen nur einen kleinen Frauenanteil aufweist, «ist eine Momentaufnahme, die sich rasch wieder ändern kann», sagt Pfister. Und dass Frauen bei der CVP grundsätzlich zu kurz kommen würden, bestreitet er.

«Unser Parteivorstand ist geschlechtermässig ausgewogen, von den Bürgerlichen haben wir den höchsten Frauenanteil in der Bundeshausfraktion, und mit Bundesrätin Doris Leuthard stellen wir seit Jahren eine Frau in der Landesregierung.»

Gezielte Frauenförderung steht allerdings nicht zuoberst in Pfisters Pflichtenheft. Er sagt klar: «Entscheidend ist für mich die Kompetenz der Leute, nicht das Geschlecht.»

Zwei Kantone mit Frauenmehrheit 

Feri hofft derweil, dass sich die Geschlechterfrage dereinst erübrigt und eine ausgewogene Vertretung zur Selbstverständlichkeit wird.

Aktuell erfüllen nur gerade fünf Kantone in etwa diesen Anspruch. In Zürich, Schaffhausen und Baselland sitzt jeweils nur ein Mann mehr als Frauen in der Exekutive.

In den Kantonen Thurgau und Waadt stellen die Frauen gar die Mehrheit!

Publiziert am 08.11.2016 | Aktualisiert am 08.11.2016
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  • Othmar   Huber 09.11.2016
    Wie war das doch? Diese Krankheit der Gleichmacherei uns noch unsere Freiheit und Unabhängigkeit kosten. Es ist doch ganz einfach - das Geschlecht ist NICHT ausschlaggebend, sondern die Fähigkeiten. Leider funktioniert dies nicht in unserem BR und wir werden dies teuer bezahlen müssen. Eine Frau Feri vergisst gerne, dass die Frauen eigentlich auch noch eine der WICHTIGSTEN Aufgaben in unserer Gesellschaft wahrnehmen sollte, nämlich die Geburt und Pflege unseres Nachwuchses.
  • Hans  Müller 08.11.2016
    Gehe ich richtig in der Annahme, dass nur dann ein "Problem" besteht, wenn es in einer Regierung eine Männermehrheit hat? Herrscht umgekehrt eine Frauenmehrheit, dann ist das eine tolle Sache? In etwa so, wie es supergut ist, wenn 70 Prozent der Studenten weiblich sind, aber alles eine Katastrophe (Diskriminierung! Benachteiligung!) ist, wenn 70 Prozent der Studenten männlich sind... So viel zum Thema Wertschätzung des männlichen Geschlechts in der heutigen westlichen Welt.
  • Stefan  Buttliger 08.11.2016
    Sorry...
    Ich amüsiere mich köstlich über diese "SP-Gleichstellungspolitikerin" Feri... Zitat: "Es kann nicht nur die Aufgabe linker Parteien sein, Frauen aufzustellen..." -NEIN, Frau Feri, genau DAS ist nicht die Aufgabe der Parteien - die sollen für die SCHWEIZ politisieren! Alles andere, ist das Engagement weiblicher Personen, die sich für diesen Job interessieren!
    Ich vermute, dass bei der SP nur Leute ohne Eier vorwärts kommen?
    Egal, ob männlich oder weiblich? - deshalb ein 1:2 Verhältnis?
  • Frey  Gerhard aus Thun Schweiz
    08.11.2016
    @ Herr Pries und Herr Naef ihr habt beide recht. Leider zeigt die geschichte des Bundesrates ein Bild welches real ist. Schaut zurück und ihr werdet selber darauf kommen wann die Desaster angefangen haben.
    Mit Streicheln, Kuschen und Schönreden kann keine Politik gemacht werden. ach du arme eidgenossenschaft wie lange wirst du noch unter der Knechtschaft Leben?
  • Roger  Stahel 08.11.2016
    Egal ob Frau oder Man die schauen eh nur für den eigenen Geldbeutel,das Volk interessiert die doch nicht,da nützt mir nichts ob jetzt da mehr Männer oder Frauen sind!!!