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Griechenland steht am Abgrund. Nur mit einem einschneidenden Sparprogramm und dank Milliardenhilfen von den EU-Partnern kann sich der marode Staat über Wasser halten. Kein Wunder, entlädt sich die Wut des Volkes in teils gewalttätigen Massenprotesten. Und kein Wunder, denken viele junge Griechen ans Auswandern.
Der Chemieingenieur Aris Ioannidis sagt: «Ich haue ab. Ich habe keine Lust mehr hier nach Arbeit zu suchen und Angebote zu bekommen, die unter aller Sau sind. Kannst du mit 700 Euro leben und hoffen, eine Familie zu gründen?»
Ioannidis spricht für seine ganze Generation. Jeder vierte junge Grieche steht ohne Job da – und gerade viele gut Ausgebildete sehen kaum eine Zukunftschance in ihrem krisengeschüttelten Land.
Lieber nach Frankreich oder Deutschland
Der Neuenburger Soziologie-Professor und Migrations-Experte Gianni D’Amato rechnet mit einer Auswanderungswelle nach Frankreich, Deutschland oder in die USA, wie er in der «BAZ» erklärt. Dass viele Griechen in die Schweiz kommen, glaubt er hingegen nicht.
Die Schweiz ist bisher tatsächlich kein Auswanderungsland für Griechen: Nur gerade 6500 Griechen leben hier.
Dank den bilateralen Verträgen und der Personenfreizügigkeit stünde ihren Landsleuten der Schweizer Arbeitsmarkt offen – allerdings mit Einschränkungen. Nur Griechen, die schon einen unbefristeten Job gefunden haben oder selbständig tätig sind, bekommen die Aufenthaltsbewilligung B über fünf Jahre. Alle anderen haben nach einer Einreise in die Schweiz sechs Monate Zeit, um sich eine Arbeit zu suchen.
Informatiker und Ingenieure wären gefragt
Marie Avet, Sprecherin des Bundesamtes für Migration, mag gegenüber Blick.ch keine Prognose abgeben, ob die Krise zu einer vermehrten Einwanderung von Griechen führen wird. Dafür sei es noch zu früh.
Die Aussichten auf eine Aufenthaltsbewilligung hingen zudem stark von der Qualifikation und den Sprachkenntnissen ab. «Die meisten Schweizer Arbeitgeber verlangen, dass ihre Angestellten eine Landessprache oder mindestens gut Englisch sprechen.»
Der Schweizer Arbeitsmarkt könne prinzipiell gut ausgebildete Griechen brauchen – etwa Ingenieure oder Informatiker, sagt Avet. «Die Frage ist nur, ob sie überhaupt in die Schweiz kommen wollen. In Deutschland etwa leben viel mehr Griechen – und soziale Netzwerke spielen bei Migrations-Entscheiden immer eine wichtige Rolle.»