Film gegen SVP-Initiative «Nach dem 9. Februar sind die Künstler erwacht»

Mit dem Kinofilm «Heimatland» heimsen Gregor Frei und Lionel Rupp derzeit Preise und Lorbeeren ein. Nun wollen sie die Durchsetzungs-Initiative bodigen. Mit einem Kurzfilm.

Mit Kurz-Film gegen SVP-Initiative
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«Eine Frau lügt beim Ausfüllen eines Formulars. Das haben wohl schon einige von uns gemacht»: Gregor Frei über seinen Film gegen die Durchsetzungs-Initiative.

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Herr Frei, mit «Heimatland» haben Sie 2015 einen der erfolgreichsten Schweizer Filme produziert. Jetzt kämpfen Sie mit einem Kurzfilm gegen die Durchsetzungs-Initiative. Warum?
Die Durchsetzungs-Initiative hat mich und Lionel Rupp zu diesem Film animiert, weil sie mit wichtigen Werten unvereinbar ist.

Mit welchen Werten?
Gleichheit, Verhältnismässigkeit, Gewaltenteilung, vor allem aber Fairness. Diese Initiative ist für gewisse Leute extrem unfair: Leute, die hier leben, aber keinen Schweizer Pass haben, können wegen geringen Vergehen ausgeschafft werden. Das hat doch keinen Sinn. Ich sehe nicht ein, was die Initiative bringen soll. Die «Ausländerkriminalität» bezieht sich weitgehend auf Menschen, die im Ausland leben, die sogenannten Kriminaltouristen. Gegen die hilft die Durchsetzungs-Initiative nicht.

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«Diese Initiative ist für gewisse Leute extrem unfair»: Gregor Frei, Regisseur. 

In ihrem Film wird eine Frau ausgeschafft, weil sie in einem Versicherungsprotokoll flunkerte. Die Befürworter der SVP-Initiative werden ihnen vorwerfen, dieses Beispiel sei übertrieben. 
Dieser Vorwurf sticht nicht. Unser Beispiel bezieht sich klar auf den Initiativtext. Eine Frau lügt beim Ausfüllen eines Formulars. Das haben wohl schon einige von uns gemacht. Doch wenn die Initiative durchkommt und man Ausländer ist, reicht das künftig für eine Ausschaffung. Die DSI-Befürworter hätten sich halt vorher überlegen sollen, was sie in den Initiativtext schreiben. 

Unter den aktiven Gegnern der Durchsetzungs-Initiative finden sich zahlreiche Künstler. Wir sehen eine ausserordentlich breite Mobilisierung in der Zivilgesellschaft. Worauf führen Sie das zurück?
Einerseits auf die Initiative: Sie hat Auswirkungen, die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt weit gravierender sind als bei vielen anderen SVP-Initiativen. Andererseits glaube ich, dass die Künstler nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 erwacht sind. 

Wie meinen Sie das?
Ich hatte immer das Gefühl, die SVP werde irgendwann von ihrem Höhenflug runterkommen. Das hat sich nicht bewahrheitet. Bringt die SVP heute eine Idee vors Volk, ist die Chance immer real, dass sie eine Mehrheit findet. Wenn ich daran denke, welche Initiativen da noch auf uns zu kommen, wird es mir fast schlecht. Ich denke, das hat den Widerstand bei Künstlern angefacht. Bei uns Filmschaffenden kommt hinzu, dass wir unmittelbar nach dem 9. Februar ganz konkret negative Folgen zu spüren bekamen, als die EU uns die Filmgelder kürzte. 

Sie kämpfen also auch aus finanziellem Eigeninteresse?
Es gibt diesen Aspekt. Aber er steht in einem grösseren Kontext: Wir Filmschaffenden haben erfahren, was es heisst, wenn sich die Schweiz isoliert.

Gemäss Umfragen gibt es ein Nein zur SVP-Initiative. Erleichtert?
Nein, eher besorgt. Die Gefahr ist gross, dass die Leute sich jetzt zurücklehnen und am 28. Februar zuhause bleiben. Das darf nicht passieren. Auch deshalb haben wir unseren Film hergestellt. Wir wollen zeigen, dass die Initiative auch Familien trifft, Arbeitskräfte, Nachbarn. Vielleicht gelingt es uns, einige Wähler aus der politischen Mitte zu überzeugen. 

Publiziert am 20.02.2016 | Aktualisiert am 24.02.2016
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17 Kommentare
  • Albert  Eisenring 21.02.2016
    Ich frage mich, was genau in diesen "Künstlern" erwacht sein soll?
    Auf jeden Fall nicht die von diesen "Künstlern" ansonsten so hochgelobte Toleranz und Solidarität. Jedenfalls nicht gegenüber Menschen mit anderen Ansichten – dafür umso mehr gegenüber Menschen mit kriminellen Neigungen. Vermutlich muss man wirklich Künstler sein, um diese "hohe Kunst" zu verstehen...
  • Peter  Vojtila aus Luzern
    20.02.2016
    Der Regisseur hat überhaupt keine Ahnung von Versicherungsrecht. Wenn die Frau sich verletzt hat, dann zahlt entweder die NBU oder letzten Falles die Unfalldeckung der Krankenkasse. Es gibt keinen Grund, falsche Angaben zu machen. Völlig unrealistisches Beispiel.
  • markus  Müller 20.02.2016
    Ich als Ausländer fühle mich sehr unwohl mit der Situation. Einerseits bin ich für die ausschaffung aber was ist wenn es wirklich so ist wie im Film? Dan heisst es nur noch Pech gehabt! Dan kann man es nicht rückgängig machen.
    • Albert  Eisenring 20.02.2016
      Sie müssen sich keine Sorgen machen, Herr Müller: da die Gegner der DSI den Befürworten Ausschaffungen unterstellen, welche beide Seiten nicht wollen, wird garantiert niemand wegen solcher Bagatellen ausgeschafft werden. Also darf man nach Annahme sogar froh sein, wenn wenigstens einigermassen mehr Kriminelle ausgeschafft werden als heute.
    • marco  martini aus Rohr
      24.02.2016
      Sehr richtig erkannt Markus Müller. Was wenn man mal pech hat. Ich wurde vor 2 Jahren UNSCHULDIG in einen Verkehrsunfall verwickelt, und als Mitschuldig angeklagt! Und zum Glück weil der hinter mir Fahrende ältere Herr alles beobachtet hat wurde ich freigesprochen. Nur aus Glück weil man den älteren Mann noch ausfindig machen konnte nach fast einem Jahr Prozessen. Derjenige welcher behauptet unfehlbar zu sein, der möge den ersten Stein werfen von uns! Ich bin auf jeden FAll nich unfehlbar!
  • beatrice  roth aus tramelan
    20.02.2016
    No Panic. Vor dieser Frau fürchte ich mich nicht, die ist nicht kriminell, also lasst es liebe Linken.
    • marco  martini aus Rohr
      24.02.2016
      Beatrice Roth, Ein Versicherugnsbetrug ist sehr wohl Kriminell! Hallo....
  • Laurent  Meier aus Biel
    20.02.2016
    Ich verstehe den Film nicht: unabhängig davon, ob ein Unfall während der Berufsausübung, oder in der Freizeit passiert ist, hat ein Versicherungsnehmer Anspruch auf Leistungen; was genau möchte uns der Filmemacher mitteilen?
    • Ulrich  Schwab 20.02.2016
      Was er mitteilen will ist ganz klar. Noch mehr Unklarheiten und Unsicherheit verbreiten. Die Mentalität der meisten Schweizer ist, bei Unsicherheit, abzulehnen.
    • Arbim  Zeqiri 20.02.2016
      Sie hat gelogen, darum wird Sie angezeigt und nach Annahme der DSI müsste Sie ausgeschafft werden!