Der starke Franken und die Schuldenkrise in Europa verschärfen die Situation für die Schweizer Hotellerie. Nun hat SVP-Nationalrat Oskar Freysinger eine Idee. Doch nicht alle unterstützen ihn.
Schwere Zeiten für den Schweizer Tourismus. Das Image als Hochpreisland hat die Schweiz sowieso. Der starke Franken und die Schuldenkrise in ganz Europa verschärfen die Situation für die Schweizer Hotellerie im Vergleich mit der ausländischen Konkurrenz zusätzlich.
Dem will der Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger jetzt entgegentreten. Mit einer umstrittenen Idee will er dafür sorgen, dass noch mehr Schweizerinnen und Schweizer in die Bresche springen. Sie sollen die Löcher stopfen, indem sie ihre Ferien zu Hause verbringen.
Konkret schlagen Freysinger und 14 Mitunterzeichner in einem Vorstoss im Nationalrat vor, dass die Schweizer ihre Ferienkosten – wenigstens die Ausgaben für die Hotelübernachtungen – künftig von den Steuern abziehen können.
Anreiz schaffen
«Ich will einen Anreiz schaffen, dass das Geld in der Schweiz bleibt», sagt Freysinger. Mit seiner Idee soll die Bürokratie aber auf keinen Fall grösser werden. «Ich stelle mir ein Modell vor wie bei der Kinderbetreuung.» Wer will, soll in der Steuerrechnung einen Abzug machen dürfen.
Ein Rechenbeispiel: Eine Familie, reformiert, mit zwei Kindern, wohnhaft in der Gemeinde Oberentfelden AG. Steuerbares Einkommen: 72'000 Franken. Dafür bezahlt die Familie 8111 Franken Steuern, Bundessteuer eingerechnet.
Angenommen, die Familie hat 2000 Franken für Übernachtungen in Schweizer Hotels ausgegeben, kann sie diesen Betrag in Abzug bringen. Dadurch sinkt die geschuldete Steuer um 448 Franken.
Modellrechnungen, um welchen Betrag sein Vorschlag die Staatskasse belasten könnte, hat Freysinger nicht gemacht. Er ist aber sicher: «Allzu viel wird das den Staat nicht kosten.»
Win-win-Situation produzieren
Das sieht SVP-Vizepräsidentin und Mitunterzeichnerin Nadja Pieren (BE) ähnlich: «Ich denke, Freysingers Vorschlag würde eine Win-win-Situation produzieren. Die Hoteliers hätten vollere Betten und würden mehr verdienen und versteuern.» Kurz: Der Bürger müsste weniger Steuern zahlen, der Staat hätte wenig Einbussen.
Es gibt allerdings auch kritische Stimmen, selbst bei Weggefährten Freysingers. «Man soll das prüfen», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr. Er hat den Vorstoss ebenfalls unterschrieben, warnt aber, dass so «wahrscheinlich noch weitere Begehrlichkeiten geweckt würden».
Und was sagen jene, für die der neue Steuerabzug gedacht wäre? Beim Branchenverband Hotelleriesuisse ist man skeptisch und warnt, dass der Vorstoss ordnungspolitisch problematisch wäre und «protektionistische Züge aufweist». Es gebe bereits bewährte Mittel zur Förderung des Tourismus wie die Gesellschaft für Hotelkredit, Innotour oder Schweiz Tourismus.
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