Der Walliser Nationalrat Freysinger hat ein Rezept gegen leere Hotelbetten Ferien in der Schweiz von den Steuern abziehen!

Der starke Franken und die Schuldenkrise in Europa verschärfen die Situation für die Schweizer Hotellerie. Nun hat SVP-Nationalrat Oskar Freysinger eine Idee. Doch nicht alle unterstützen ihn.

  • Von Jürg Auf der Maur und Matthias Pfander

Schwere Zeiten für den Schweizer Tourismus. Das Image als Hochpreisland hat die Schweiz sowieso. Der starke Franken und die Schulden­krise in ganz Europa verschärfen die Situation für die Schweizer Hotellerie im Vergleich mit der ausländischen Konkurrenz zusätzlich.

Dem will der Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger jetzt entgegentreten. Mit ­einer umstrittenen Idee will er dafür sorgen, dass noch mehr Schweizerinnen und Schweizer in die Bresche springen. Sie sollen die Löcher stopfen, indem sie ihre Ferien zu Hause verbringen.

Konkret schlagen Freysinger und 14 Mitunterzeichner in ­einem Vorstoss im Nationalrat vor, dass die Schweizer ihre Ferienkosten – wenigstens die Ausgaben für die Hotelübernachtungen – künftig von den Steuern abziehen können.

Anreiz schaffen

«Ich will einen Anreiz schaffen, dass das Geld in der Schweiz bleibt», sagt Freysinger. Mit seiner Idee soll die Bürokratie aber auf keinen Fall grösser werden. «Ich stelle mir ein Modell vor wie bei der Kinderbetreuung.» Wer will, soll in der Steuerrechnung einen Abzug machen dürfen.

Ein Rechenbeispiel: Eine Familie, reformiert, mit zwei Kindern, wohnhaft in der Gemeinde Oberentfelden AG. Steuerbares Einkommen: 72'000 Franken. Dafür bezahlt die Familie 8111 Franken Steuern, Bundessteuer eingerechnet.

Angenommen, die Familie hat 2000 Franken für Übernachtungen in Schweizer Hotels ausgegeben, kann sie diesen Betrag in Abzug bringen. Dadurch sinkt die geschuldete Steuer um 448 Franken.

Modellrechnungen, um welchen Betrag sein Vorschlag die Staatskasse belasten könnte, hat Freysinger nicht gemacht. Er ist aber sicher: «Allzu viel wird das den Staat nicht kosten.»

Win-win-Situation produzieren

Das sieht SVP-Vizepräsidentin und Mitunterzeichnerin Nadja Pieren (BE) ähnlich: «Ich denke, Freysingers Vorschlag würde eine Win-win-Situation produzieren. Die Hoteliers hätten vollere Betten und würden mehr verdienen und versteuern.» Kurz: Der Bürger müsste weniger Steuern zahlen, der Staat hätte wenig Einbussen.

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen, selbst bei Weggefährten Freysingers. «Man soll das prüfen», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr. Er hat den Vorstoss ebenfalls unterschrieben, warnt aber, dass so «wahrscheinlich noch weitere Begehrlichkeiten geweckt würden».

Und was sagen jene, für die der neue Steuerabzug gedacht wäre? Beim Branchenverband Hotelleriesuisse ist man skeptisch und warnt, dass der Vor­stoss ordnungspolitisch problematisch wäre und «protektionistische Züge aufweist». Es gebe bereits bewährte Mittel zur Förderung des Tourismus wie die Gesellschaft für Hotelkredit, Innotour oder Schweiz Tourismus.

Sollen Ferien in der Schweiz steuerlich gefördert werden?»

Beliebteste Kommentare

  • Jean-Claude  Straub
    Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht. Aber warum nur die Hoteliers unterstützen? Mit dieser Unterstützung wird ihnen das Wort "Dienstleistungen" völlig abhanden kommen. Solange die Hoteliers fremde Arbeistkräfte einstellen, die wenig bis gar nicht deutsch sprechen, wird kein Schweizer seine Ferien im eigenen Land verbringen. Wenn schon, gibt es noch anderen Institutionen, die davon profitieren könnten bzw. sollteb; Campingplätze, B + B usw.
  • Wasser  Fluh , via Facebook
    Wie wärs mit Service, normalen Preisen und freundlicher Bedienung? Von den Steuern abziehen kann mans ja immer noch.......

Alle Kommentare (47)

  • Andreas  Oertli , chur
    Wenn ich denke das ich für einen Aufenthalt in einer Therme hier bis zu 50 SFr. bezahle und dann noch Parkhaus 10 .....in D bezahlt man die hälfte und der Service und Funfaktor ist auch noch besser....gute Nacht Schweiz. Kommt mir nicht im Traum in den Sinn hier Ferien zu machen.....
  • Gertrud  Lütolf
    Herr Freysiner, woher sollen wir denn diese Steuern nehmen ? Da Ihre Partei doch gegen das Steuerzahlen ist, bleibt dem Bund nicht mehr viel Geld um nicht neue Schulden zu machen. 2/3 unserer Steuern sind doch schon mit dem Lastenausgleich, den Landwirtschaftssubventionen und den viel zu hohen Gehälter der Parlamentarier verplant. Nach meiner Rechnung provitieren doch alle Bergregionen davon und somit auch die Hoteliers.
  • Susanne  Sam
    Mehr Swissness in den Hotels wäre zwingend notwendig. Ich habe keine Lust meine Ferien in einem Hotel in der Schweiz zu verbringen, wenn das Personal nur gebrochen in der jeweiligen Landessprache spricht oder in der Deutschschweiz Hochdeutsch spricht.
    • 30.10.2012
    • 53
    • 7
  • René  Widmer , Ersigen
    Wieso man wieder eine Branche - welche den Grossteil der Probleme durch schlechtes Preis-Leistungsverhältnis voll selbst verschuldet - unterstützen soll, ist mir schleierhaft. Besser wäre es, ein neues Label für Servicequalität zu schaffen und generell im Gastgewerbe auf Top Gastfreundschaft zu setzen.
    • 30.10.2012
    • 41
    • 5
  • Peter  Kaufmann , Oftringen
    Oder wie wärs wenn unser Staat uns Bürger weniger Benzinsteuern aus dem Sack ziehen würde und die Preise bei der Tankstelle und dem öffentlichen Verkehr mal senkt? Auch alles wo mit Tourismus verbunden ist.
    • 30.10.2012
    • 23
    • 6
Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 »
Seitenanfang

Top 3

1 Bundesgerichts Entscheid zur Zweitwohnungs-Initiative Voller Erfolg für...bullet
2 BLICK erklärt, wo’s überall brennt Steuerstreit an allen Frontenbullet
3 Für 740 Mio. Franken Bundesrat will neues Armeematerialbullet

Politik