SVP-Vizepräsident Christoph Blocher: «FDP wird unseren Ansprüchen nicht gerecht»

  • Publiziert: 15.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Interview: Marcel Odermatt

SVP-Vizepräsident Christoph Blocher (68) erklärt, warum eine Bundesratskandidatur der SVP immer wahrscheinlicher wird – und weshalb er von der FDP enttäuscht ist.

Herr Blocher, steigt die SVP am 16. September mit einem eigenen Kandidaten ins Bundesratsrennen um die Nachfolge von Pascal Couchepin? 
Christoph Blocher:
Der Druck, selber anzutreten, wird grösser. Die Parteileitung hat sich in den letzten beiden Tagen getroffen.

Und?
Dabei hat sich gezeigt,  dass namhafte Vertreter unserer Partei der Ansicht sind, dass wir einen eigenen Kandidaten nominieren sollten. Es wird immer wahrscheinlicher, dass wir jemanden ins Rennen schicken.

Weshalb?
Der Fraktionsvorstand der SVP trifft sich am 19. August in Bern. Dort liegt ein Antrag vor, dass die SVP selbst antritt.

Wie sieht der aus?
Die Antragsteller machen geltend, der Anspruch der SVP auf zwei Sitze sei eindeutig. Das schmutzige Päckli, das die Linke und die CVP bei der letzten Bundesratswahl geschmiedet haben, soll nach dem Willen der Linken diesmal für die CVP aufgehen. Anstelle der Konkordanz gilt die Linksregierung.

Was soll das Manöver? Eine SVP-Kandidatur ist doch chancenlos.
Erstens haben wir mit einem Wähleranteil von fast 30 Prozent einen Anspruch auf einen zweiten Sitz. Zweitens haben die Konservativen mit den Linken schon lange ein Päckli gemacht.

Jetzt kommt wieder diese Platte.
Die Linke hat der CVP den Sitz doch schon lange versprochen. Bei diesem Spiel können wir nicht mitmachen! Und drittens: Wir haben die FDP gebeten, bei der Kandidatensuche das Feld zu öffnen, um eine fähige Persönlichkeit zu finden. Bisher ist nichts passiert. Deshalb werden in der SVP die Befürworter einer eigenen Kandidatur immer mehr.

Die FDP kann nicht automatisch mit den Stimmen der SVP rechnen?
Das entscheidet die Fraktion, wenn das Vorgehen der anderen Parteien und die Kandidaten für die Bundesratswahl bekannt sind. Wir stellen fest, dass die FDP bei der Kandidatensuche unseren Ansprüchen bisher leider nicht gerecht geworden ist.

Kann ein CVP-Bundesratskandidat Stimmen von der SVP bekommen?
Da die CVP keinen Anspruch auf einen zweiten Sitz hat, ist das nicht möglich!

Was definiert den Anspruch?
Die SVP steht zur Konkordanz, das heisst: Die SVP mit über 29 Prozent Wähleranteil hat Anspruch auf zwei Sitze, die SP mit 19 Prozent auf zwei, die FDP mit 17,7 Prozent auf zwei und die CVP mit 14,5 Prozent auf einen. Die SVP hat nur einen. Und der Anspruch der FDP auf einen zweiten Sitz ist eher gerechtfertigt als für die CVP.

Kandidat Urs Schwaller sagt, nur dank CVP-Stimmen sei Ueli Maurer gewählt worden. Deshalb rechne er mit SVP-Stimmen.
Viele in der CVP haben wie die Linken für den Sprengkandidaten Walter gestimmt, und die CVP war bei der Abwahl 2007 entscheidend beteiligt.

play Auswahl: Laut Blocher liegt ein Antrag für eine SVP-Bundesratskandidatur auf dem Tisch. (Keystone)