FDP sieht Digitalisierung als Chance «Hier nicht zu investieren, wäre falsch»

Die FDP Schweiz hat an ihrer Delegiertenversammlung ein Positionspapier zur Digitalisierung beschlossen. Die Partei sieht in der «vierten industriellen Revolution» mehr Chancen als Risiken. Dafür sei es aber notwendig, in Bildung und Infrastruktur zu investieren und Regulierungen abzubauen, erklärt Parteipräsidentin Petra Gössi im Interview.

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Die Digitalisierung schreit mit Siebenmeilenstiefeln voran und wird unseren Alltag von Grund auf verändern. Das macht vielen Menschen Angst. Angst, die FDP-Präsidentin Petra Gössi verstehen kann.

Aber: «Die Politik kann den Wandel nicht aufhalten. Deswegen wir müssen dafür sorgen, dass wir parat sind für die Veränderungen», sagt Gössi zu BLICK.

Was geschehe, wenn man das verpasse, habe man in der Bankenkrise beobachten können: «Damals waren wir so masslos hintendrein, dass es schwierig war, zu reagieren.»

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Digitalisierung als Chance

Das soll sich nicht wiederholen, findet die FDP und hat daher ein Positionspapier zur Digitalisierung erarbeitet. Horrorszenarien, wonach durch den technologischen Wandel hunderttausende Arbeitsplätze verloren gehen (BLICK berichtete), findet man darin nicht.

Der Freisinn sieht die «vierte industrielle Revolution» eher als Chance. Gelinge es der Schweiz, in Sachen Innovation Weltspitze zu bleiben, würde der Standort vielmehr gestärkt.

Dafür müsse das Land fit getrimmt werden, sagt Parteipräsidentin Petra Gössi und stichelt gegen die SP: «Wer den Klassenkampf ausruft, übersieht, dass der Kampf heute nicht mehr zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern stattfindet, sondern zwischen Arbeitnehmern und der Globalisierung» so Gössi. Darauf müsse die Politik Antworten finden.

Investitionen in Bildung

Um fit zu werden, braucht es für die FDP vor allen auch Investitionen, etwa in die Infrastruktur. Besonders wichtig ist für Gössi die Bildung. Hier ist die FDP auch bereit, Geld zur Verfügung zu stellen.

«Wenn es Geld braucht, um unsere Bevölkerung fit zu machen für die neue Welt, dann sind wir bereit, dieses auch zu sprechen.» Die Schweiz dürfe nicht verpassen, hier zu investieren. Dann laufe die Schweiz Gefahr, international abgehängt zu werden. «Hier nicht zu investieren, wäre falsch.»

FDP will Arbeitszeiterfassung abschaffen

Neben Investitionen nutzt die FDP das Digitalisierungspapier auch, um einmal mehr den Abbau von Regulierungen zu verlangen. So fordert die Partei, die klassische Arbeitszeiterfassung aufzugeben.

Der einzelne soll zwar nicht mehr arbeiten müssen als heute. Doch die klassischen Arbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr seien einfach nicht mehr zeitgemäss. «Heute müssen wir flexibler sein und benötigen die entsprechenden Rahmenbedingungen», so Gössi. 

Zudem sollten Gesetze innovative Start-ups nicht behindern und die Verwaltung müsse unbürokratische Mittel zur Verfügung stellen, die den Unternehmen die Arbeit erleichtern. So will die FDP, dass der elektronische Identitätsnachweis schnell eingeführt wird.

Ja zu allen Vorlagen

Neben dem Positionspapier zur Digitalisierung hat die FDP auch Parolen für die Abstimmungsvorlagen für den Urnengang am 12. Februar gefasst. Die Delegierten sprachen sich für die Schaffung eines Fonds für die Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr (NAF) aus.

Bereits zuvor hatte die Parteipräsidentenkonferenz Ja zur erleichterten Einbürgerung von Personen der dritten Ausländergeneration gesagt. Auch die Unternehmenssteuerreform III wird von der FDP bejaht.

Publiziert am 26.11.2016 | Aktualisiert am 12.12.2016
Ulrich Rotzinger, Stv. Leiter Wirtschaft
Das meint BLICK

Die Chance packen!

Seien wir ehrlich: Die Digitalisierung trifft alle Arbeitnehmer. Wann, wie und in welchem Mass sich die Berufe ändern, weiss heute noch keiner. Aber die Gefahr, dass Sie oder ich bald einem Automaten Platz machen müssen, ist real.

Arbeitszeitreduktion, Weiterbildung und Umverteilung – das ist die Antwort der Gewerkschaft Syndicom auf die Digitalisierung. Sie greift zu kurz und scheint etwas sehr defensiv. Denn die Berufsleute kommen so nicht aus der Sackgasse heraus.

Der kaufmännische Verband (KV) Schweiz nimmt eine zweckoptimistische Haltung ein. Im Fokus steht weniger die Fortbildung im eigenen Beruf, sondern die lebenslange Erweiterung von Sozial- und Selbstkompetenz. Die eigenen Fähigkeiten und der Umgang mit anderen werden wichtiger. Neue Jobs bauen darauf.

In den eigenen Fähigkeiten liegen Chancen, die man jetzt packen muss!

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14 Kommentare
  • Elsbeth  Schmid 27.11.2016
    Wir brauchen keine Wahlvorschläge mehr, warum, weil wir keinem Politiker mehr über den Weg trauen. Wir entscheiden selbst, ob wir ein Nein oder Ja zu einer Vorlage an der Wahlurne werfen. Egal welche Parteivorsitzenden, sie glauben wirklich, sie hätten die Weisheit mit dem Löffel gefr.....n.
  • Chrigel  Neff aus St. Gallen
    27.11.2016
    Nun ja. Wenn die FDP dieses Thema bewirtschaftet, kann der einzige Grund sein, dass entsprechende Exponenten der FDP eben solche Dienstleistungen anbieten. Dann sind es wahrscheinlich noch diese Spezialisten, die Bundesprojekte von anfänglich 8 Mio auf 40 Mio aufblähen. Sonst? Kein Wort.
  • Marco  Steingruber aus Fribourg
    27.11.2016
    Was meint Gössi mit "Fit für die Welt machen?" Das sind doch leere Floskeln. Jeder einzelne muss schauen, wie er von sich aus fit wird. Wer Kinder hat, die um einen Platz im Erwerbsleben kämpfen müssen, weiss das. Der goldene Schlüssel liegt in verantwortungsbewusster Erziehung. Sie soll den Kontakt mit der Digitalisierung zulassen. So, dass die normale, geistige Entwicklung für erspriessliches Können, Phantasie, Denkvermögen + Kreativität nicht schon im Kindesalter via Smartphonemanie abstirbt.
  • Walter  Lehmann 26.11.2016
    "Digitalisierung" wird zunehmend zum Unwort des Jahres. Das Gegenteil von "digital" ist "analog". Man erkläre mir einmal, was den bei uns in Administration und Produktion heute noch "analog" abläuft. Das Banken-Business z.B. ist schon seit Jahrzehnten digitalisiert.
  • Ueli  Müller aus Bern
    26.11.2016
    ...ja, liebe Frau Gössi, dass wär falsch.
    Noch viel falscher ist es, dass Volk nicht ernst zu nehmen, wie am Beispiel MEI Krücke Inländervorrang light, von der FTP initiiert!
    Spielen dürfen Sie später immer noch.