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Will Quoten: FDP-Frauen-Präsidentin Carmen Walker Späh gestern Samstag an der Zürcher Limmat.
(ZVG)Historischer Beschluss der FDP-Frauen: Erstmals verlangen sie wie SP und Grüne die Einführung von Frauenquoten in Schweizer Chefetagen per Gesetz.
Am frühen Donnerstagabend traf sich die Spitze der FDP-Frauen in Bern. Anderthalb Stunden dauerte das Meeting. Es endete mit einem bürgerlichen Tabubruch. SonntagsBlick weiss: Was bisher nur Linke wollten, fordern jetzt erstmals auch die freisinnigen Frauen. Gesetzesvorschriften sollen Schweizer Führungsetagen zu Frauenquoten zwingen.
Bis anhin hatten die FDP-Frauen, gleich wie ihre Kolleginnen von CVP und SVP, solche Quoten strikt abgelehnt. Eine freiwillige Beteiligung sei besser als der Zwang per Gesetz, hiess es im Wahlkampf vor einem Jahr.
Doch jetzt schwenkt die Präsidentin der FDP-Frauen und Zürcher Kantonsrätin Carmen Walker Späh (54) um: «Liberale lieben zwar keine starren Quoten und keine Frau will eine Quotenfrau sein.» Die heutige krasse Untervertretung des weiblichen Geschlechts in den Führungsgremien sei jedoch in einer liberalen Gesellschaft ebenso wenig akzeptabel.
Und: «Als Liberale wollen wir nicht, dass der Staat der Wirtschaft per Gesetz vorschreibt, wie sie zu arbeiten hat; die unternehmerische Freiheit ist den FDP-Frauen wichtig.» Aber: Der Staat müsse dann eingreifen, wenn die Chancengleichheit faktisch nicht existiere, so Walker Späh.
Zweistufiges Vorgehen geplant
An der Sitzung einigten sich die 15 FDP-Kader – darunter Nationalrätin Christa Markwalder, die Vizepräsidentinnen Irène Thalmann und Petra Studer sowie Generalsekretärin Claudine Esseiva – geschlossen auf ein zweistufiges Vorgehen.
In einem ersten Schritt müssten die öffentliche Verwaltung inklusive bundesnahe Betriebe wie SBB, Post, Swisscom oder SRG in ihren Führungsorganen einen Frauenanteil von rund 30 Prozent erreichen. Die FDP-Frauen wollen künftig alle Vorstösse unterstützen, die dieses Ziel anvisieren. Das ist zurzeit unter anderem in Zürich und Bern der Fall.
Carmen Walker Späh versteht den Beschluss auch als Misstrauensvotum gegen die rot-grün dominierten Städte: «Obwohl die Linken ständig von Gleichberechtigung und Quoten reden, ist in ihren Städten bezüglich weiblicher Kader zu wenig passiert.» Tatsächlich macht das Frauenkontingent in den obersten Kadern der Stadt Zürich – seit 22 Jahren von SP und Grünen regiert – gerade mal zehn Prozent aus.
«Firmen müssen verpflichtet werden»
Später werden die Verwaltungsräte von börsenkotierten Unternehmen ins Visier genommen. «Wenn freiwillige Massnahmen nicht fruchten, müssten die Firmen verpflichtet werden, eine zeitlich befristete Quote einzuführen, zum Beispiel für fünf Jahre», erklärt Walker Späh. Vor zehn Jahren habe Norwegen eine Frauenquote von 40 Prozent lanciert, mit grossem Erfolg. Sie werde sogar mehr als erfüllt.
Zurückhaltend sind die FDP-Frauen bei Kontingenten für alle Unternehmen. «Frauenquoten von 30 Prozent in sämtlichen Konzernleitungen zu fordern, ist im Moment realitätsfremd.» Es gebe heute leider zu wenig Frauen, die für Managementaufgaben qualifiziert seien.
Allem Engagement zum Trotz: In der immer noch männerdominierten FDP selber haben Frauen keinen leichten Stand. Im April kandidierte Walker Späh für einen Posten als Vizepräsidentin: Sie verlor die Ausmarchung – gegen einen Mann, den Schwyzer Vincenzo Pedrazzini. Im 15-köpfigen Parteivorstand machen nur vier Frauen mit, die angepeilte Quote von 30 Prozent wird damit verpasst.
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