FDP-Armeepolitiker fordert Wehrpflicht abschaffen!

Flankiert von Christophe Keckeis schlägt der Genfer FDP-Politiker Pierre Maudet (32) einen radikalen Umbau der Armee vor.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 150 Seniorinnen klagen gegen Bundesrätin Doris Leuthard Angst vor dem Klima
2 Volksinitiative Grüne Wirtschaft – das müssen Sie wissen! Grüner Zwang...
3 Umgezont! Rentner dürfen nicht mehr bauen, weil ihr Grundstück in...

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
177 Kommentare
Fehler
Melden

Pierre Maudet. Jungstar der FDP. Als Mitglied der Genfer Stadtregierung für Umwelt und Sicherheit zuständig. Nach dem Rücktritt von Pascal Couchepin 2009 wurde er als Bundesratskandidat gehandelt. Der Hauptmann gilt als Armee-Reformer, er hat sich auch schon für die Abschaffung des Obligatorischen stark gemacht.

Radikaler Vorschlag

Was er gestern in Bern präsentierte, ist noch radikaler. «Schweizerische Sicherheitspolitik – der wahre Bericht» heisst sein Armeekonzept. Eine Anspielung auf den umstrittenen Sicherheitsbericht von Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP).

«Die grösste Bedrohung für die Sicherheit der Schweiz ist Ueli Maurer», so Maudet.

Der Bundesrat ignoriere die wahren Bedrohungen. Er wage es nicht, Tabus in Frage zu stellen. «Heute wird leider zuerst gefragt: Wie viele Leute haben wir? Entsprechend wird dann die Mission bestimmt.» Es müsse aber gerade umgekehrt sein.

Tabus brechen

In seinem Konzept, das im Grundsatz von den an der Medienkonferenz anwesenden Ex-Armeechef Christophe Keckeis und alt Brigadier Peter Arbenz unterstützt wird, bricht Maudet reihenweise Tabus. Er will die Wehrpflicht abschaffen.

Und weil die Schweiz sich nicht allein verteidigen könne, will er bilaterale Zusammenarbeit mit der EU bei der Verteidigung.

Für Maudet ist klar, dass in den «nächsten 50 Jahren» kein Angriff eines Nachbarlandes zu erwarten ist. Die wahren Gefahren heute seien: Cyberwar, Terrorismus und Extremismus, organisiertes Verbrechen und Naturkatastrophen.

20 000 Mann sind genug!

Die Armee, die daraus resultiert, umfasst nur noch 20 000 Mann statt 80 000, mit denen der Bundesrat plant:
Drei mechanisierte Brigaden: 12 000 Mann. Der Kern der Armee, sorgt für Sicherheit im Inland, wird auch für Friedenseinsätze im Ausland eingesetzt.

Luftstreitkräfte: 5000 Mann. Sorgen für ständige Überwachung des Luftraums.

Katastrophenhilfe: 1000 Mann. Sind sofort einsetzbar bei Naturkatastrophen oder Terroranschlägen.

Cyberwar-Zelle: 200 Mann. Wehrt Cyberangriffe ab, kann auch selbst solche lancieren.

Support/Logistik: 2000 Mann.

Zudem fordert Maudet die Professionalisierung der Nachrichtendienste und die Schaffung eines Sicherheitsdepartements.

Ex-Armeechef Keckeis lobte: «Mich freut dieses Engagement eines jungen Offiziers für die Sicherheit unseres Landes sehr. Das ist Miliz pur!» Er teile zwar nicht alle Forderungen, machte er gegenüber BLICK klar. Aber es gelte, Tabus zu brechen. Etwa jenes, dass die Schweiz sich allein verteidigen könne. Keckeis könnte sich in einer ersten Stufe eine Zusammenarbeit mit Deutschland und Frankreich vorstellen.

Publiziert am 17.01.2011 | Aktualisiert am 03.01.2012
teilen
teilen
0 shares
177 Kommentare
Fehler
Melden

177 Kommentare
  •   20.01.2011
    Die Chance, dass die EU irgenwann auseinanderbricht ist nicht von der Hand zu weisen. Das Chaos um uns herum wäre unvorstellbar. Allein nur schon die Probleme mit dem EURO gäben ein riesiges Desaster. In so einem Fall wären wir heilfroh, eine starke Armee zu haben. Der ewige Friede ist und bleibt nämlich eine naive Illusion.
  •   20.01.2011
    jedes Land hat eine Armee, die eigene oder eine fremde.
  •   19.01.2011
    Die Saat ist gesät. Bis in etwa 10 Jahren haben dann auch die rückständigen SVP-Heinis begriffen, dass eine Berufsarmee das einzig wahre ist. Siehe Britannien. Da geht man mit Freude als 16jährige/r Schulabgänger/in in eine der Waffengattungen, bekommt eine tolle Ausbildung, kommt weltweit herum und hat dann eine gute Pension. Einige werden allerdings in der Holzkiste nach Hause geflogen.; mit kollateralem Schaden muss der nationale Grössenwahn, Weltpolizist zu sein, halt bezahlt werden.
  •   19.01.2011
    hm, würde das gerne sehen wie diese armee das land verteidigt wenn sie von einer übermacht angegriffen wird. ausserdem würden die vielen secondos sofort abhauen und auch jeder zweite schweizer würde den marschbefehl verweigern.
  •   19.01.2011
    Die Schweiz hat über 188000 aktive Soldaten und dies kostet uns fast 4 Mia. (wikipedia) Und wozu?
    Schatzmann sagt, er wisse nichts anderes mit 20000 Leuten anzustellen als Kasernen zu wischen.
    Ich frage mich, was die jetzigen 188000 Soldaten so treiben! Die erzählen ja so Einiges...