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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, seit Donnerstag läuft in den Schweizer Kinos der Film «Operation Walküre» über das Attentat vom 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler, angeführt und ausgeführt von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Tom Cruise spielt Stauffenberg und hat diese Woche in der «Bild»-Zeitung erklärt: «Auch ich hätte versucht, Hitler zu töten!» Was halten Sie davon?
Tom Cruise hält sich offenbar für einen leider zu spät geborenen Helden. Das ist ziemlich infantil.
Wie meinen Sie das?
Wie kann ein Hollywood-Schnösel allen Ernstes von sich behaupten, er hätte vor einem halben Jahrhundert die Intelligenz und die Kraft und den Mut gehabt, ein Attentat gegen Hitler zu planen, durchzuführen und durchzuziehen?
Tom Cruise identifiziert sich eben mit Stauffenberg.
Keiner ist ein Stauffenberg! Und im Nachhinein schon gar nicht.
Frank A. Meyer, Hollywood versucht immerhin, ein wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte filmisch aufzuarbeiten ...
... was heisst hier aufzuarbeiten? Herausgekommen ist ein passabler Film aus historischem Stoff. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber mit den Vorgängen, die zum 20. Juli 1944 führten, hat das Ganze nur äusserlich zu tun.
Warum?
Die Figur Stauffenberg wird mitsamt Deutschlands militärischem Widerstand völlig überhöht.
Überhöht?
Die Verschwörer haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt und geopfert. Dafür gebührt ihnen Ehre. Doch ihr Bruch mit Hitler kam sehr, sehr spät. Die deutsche Offiziers-Elite hätte es früh schon in der Hand gehabt, Hitler zu stürzen. Stattdessen stützte sie ihn, bis der Krieg verloren war. Das musste spätestens im Sommer 1944 jedem höheren Militär klar sein.
Vereinfacht der Film?
Er macht aus Stauffenberg den üblichen, untadeligen Hollywood-Helden. Allerdings in Wehrmachts-Uniform. Stauffenberg war Verehrer des deutschen Schwulst-Dichters Stefan George. Dessen Jüngerschaft verachtete die Demokratie. Das war ja das Problem: Die meisten der späten deutschen Widerständler hatten nach 1918 die erste deutsche Demokratie bekämpft.
Wenigstens erhoben sie sich gegen die Nazi-Gräuel und die Juden-Vernichtung!
Auch auf diese Gräuel reagierten sie zu spät! Gleich nach der Machtübernahme 1933 überzogen die Nazis Deutschland mit Konzentrationslagern. Und folterten dort Juden und Demokraten und überhaupt alle, die sie als ihre Feinde verfolgten. Ganz einfache Menschen haben den Naziterror schon früh erkannt. Wie zum Beispiel der Schreiner Georg Elser, dem 1939 ein Attentat misslang. Er wurde im KZ Dachau ermordet. Oder der Schweizer Student Maurice Bavaud aus Neuenburg, der sich 1938 nach Berlin aufmachte, um Hitler zu töten. Er wurde enthauptet. Im Nazireich leisteten Menschen Widerstand, lange bevor wenige hohe Militärs aus dem Traum vom Endsieg erwachten. Der Widerstands-Schinken mit Tom Cruise verengt und verzerrt die Geschichte.
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