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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, blickten Sie nicht auch – wie viele Journalisten – neidisch nach London? Der Staatsbesuch des Glamourpaars Nicolas Sarkozy und Carla Bruni hat den Zeitungen in England satte Auflagensteigerungen beschert.
Das macht mich nicht neidisch, sondern nachdenklich. Bruni-Sarkozy haben jetzt auch noch die internationale Politik zur Unterhaltung gemacht. Das ist zwar vergnüglich, vor allem aber ärgerlich. Die Politik soll ja die ernsteren Dinge besorgen. In London wurde sie in den Hintergrund gedrängt, vom Bürger kaum mehr wahrgenommen.
Der französische Staatspräsident Charles De Gaulle mit seiner Yvonne oder der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt mit seiner Loki hätten einen solchen Wirbel nie entfachen können.
De Gaulle und Schmidt machten aber gute Politik. Sie veränderten die Welt ein Stück zum Besseren – ohne Glamour und Gattin im Dior-Kleidchen. Übrigens, Brunis Hofknicks war leider auch schon Politik: Eine Präsidenten-Gattin aus dem Land der stolzen französischen Revolution darf vor einer Königin nicht in die Knie gehen.
Immerhin eine Genugtuung für die Queen ...
... ich weiss nicht, ob Elizabeth II. das überhaupt bemerkt hat. Vor der Königin verneigt sich ja jeder englische Bürger. Die Grande Dame der Staatenwelt ist im Gegensatz zum ewigen Girlie mit der Gitarre eine Gestalt von Format, ein Staatsoberhaupt mit Geschichte im Blut. Sie sass schon auf dem Thron, als Churchill noch regierte. Als junge Frau erlebte sie den Krieg und die Bombardierung Londons durch Hitlers Luftwaffe. Sie leistete Militärdienst als Automechanikerin. Sie ist immer noch da. Und sie bleibt hoffentlich noch lang!
So neu ist der Auftritt des französischen Duos nun auch wieder nicht. Denken Sie nur an John F. Kennedy und seine Jackie!
Jackie und John waren Haute Couture, Carla und Nicolas sind Konfektion – Dior hin oder her.
Das interessiert doch heute keinen mehr. Der Trend geht zur attraktiven Gespielin – in Politik und Wirtschaft.
Noch ist es nicht lange her, da galt der Wechsel von der Ehefrau mit Kindern zur Kindfrau mit langen Beinen als dégoûtant. Inzwischen gilt sowas nicht mehr als Mésalliance, sondern als Ausdruck der privaten Potenz mächtiger Männer. Der Brustkorb schwillt, der Bauch wird eingezogen. Schöne Frauen gehören zum modernen Marketing. Ich weiss nicht, ob McKinsey seinen Unternehmer-Kunden das schon empfiehlt.
Wir sollten solche Frauen nicht unterschätzen. Oft sind sie nicht nur Trophäen, sondern gehen einen eigenen Weg.
Auch das ist ein Zeichen der Zeit: Junge Gattinnen und Geliebte entwickeln Eigenständigkeit, eigenen Ehrgeiz, auch auf politischem Gebiet. Sie wollen plötzlich selber Macht und machen Karriere. Nehmen wir nur Hillary Clinton in den USA – oder Cristina Fernández de Kirchner in Argentinien, die ihrem Gatten als Staatspräsidentin nachfolgte. Das ist Emanzipation. Alice Schwarzer sei Dank!
Warum so ernst? Warum nehmen Sie die Sache nicht als Reality Soap auf hohem Niveau?
Weil nichts von solchen Auftritten wie in London bleibt als schöne Bilder. Doch die Wirklichkeit ist leider anders. Sie fordert von der Politik Ernsthaftigkeit. Nicht Make-up und Glitter.