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Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, dürfen wir hier über die amtlich verfügte Abschaltung von Radio Energy in Zürich reden?
Eigentlich nicht.
Was heisst: eigentlich nicht?
Das Radio gehört mehrheitlich Ringier. Da sind Sie der Chef und ich bin Mitarbeiter. In eigener Sache haben wir gewissermassen Redeverbot.
Ich möchte aber reden: 60 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, falls es uns nicht gelingt, eine andere Lösung zu finden. Also: Was sagen Sie zu dem Entscheid von Bundesrat Moritz Leuenberger?
Er ist inakzeptabel. Man schliesst kein Radio, das seit Jahren sendet. Man raubt nicht «par ordre de Mufti» 60 Journalistinnen, Journalisten und weiteren Radioleuten den Arbeitsplatz.
Radio Energy ist das erfolgreichste Privatradio des Landes. Es soll weichen, weil die UKW-Frequenzen angeblich knapp sind...
Es gibt genug Frequenzen, sie müssen nur zur Verfügung gestellt werden. Und selbst wenn es nicht genug Frequenzen gäbe, würde es der politische Anstand gebieten, keine neuen Radios zuzulassen, sondern die eingelebten Sender bestehen zu lassen.
Das neue Radio-und Fernsehgesetz sieht aber vor, die Vergabe dieser Frequenzen regelmässig zu überprüfen.
Überprüfen heisst nicht neu verteilen.
Dem Haus Ringier wird zur Last gelegt, auf dem Medienmarkt zu viel Macht zu haben.
Auch dieses Argument sticht nicht: Das Haus Ringier hat im Raum Zürich keine beunruhigende Marktmacht, ganz im Gegensatz zum Haus Tamedia, das den «Tages-Anzeiger» mit Regionalteilen herausgibt, Radio 24 und TeleZüri betreibt, mit «20 Minuten» S-Bahnen und Trams überschwemmt, et cetera.
Radio Energy wird zur Last gelegt, es erfülle den Informationsauftrag nur ungenügend.
Radio Energy informiert junge Menschen, wie junge Menschen von einem schnellen Medium informiert werden wollen. Auf welche Weise es das tut, darüber sollten in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft weder Beamte noch Politiker richten. Doch die mehr als 220 000 Hörerinnen und Hörer, denen nun ihr Radio weggenommen wird, können sich in ebendieser freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft auch wehren – und dem Potentaten im Bundeshaus mit Protest auf die Pelle rücken.
Es ist schon erstaunlich, dass in der Schweiz staatliche Instanzen einen Sender einfach abschalten können...
...ich stelle mir vor, Putin hätte in Russland etwas Ähnliches getan. Wie würde die westliche Publizistik und Politik darauf reagieren? Empört. Und mit dem Vorwurf diktatorischer Willkür. Zu Recht.
Moritz Putin? Sind Sie nicht mit Leuenberger befreundet?
Seit Jahrzehnten. Er ist eigentlich ein feiner Geist, humorvoll, sensibel.
Und was ist jetzt in ihn gefahren?
Die Beamten sind in ihn gefahren! Das konnte man an der Pressekonferenz und den anschliessenden Interviews erkennen. Er betonte ständig, die Entscheide, die er verkünden müsse, seien nicht seine Entscheide, sondern die der Funktionäre. Das ist nun allerdings ganz bedenklich: Ein Bundesrat gibt seinen Bundesratshut an der Beamtengarderobe ab.
Ihre Meinung interessiert uns: Dürfen Bundesbeamte ein Radio schliessen, weil es angeblich an Frequenzen fehlt? Diskutieren Sie mit anderen Lesern.