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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, was war da eigentlich bei Porsche los in den letzten Wochen?
Es ist die Geschichte vom Fall – im doppelten Sinn – eines Managers, eines überaus fähigen, eines grossen Managers sogar.
Sie sprechen von Wendelin Wiedeking, der Porsche 17 Jahre lang von Erfolg zu Erfolg führte – und nun fast in den Konkurs.
Wiedeking übernahm die Sportwagenschmiede in Zuffenhausen 1993 kurz vor der Pleite, setzte sogar eigenes Geld ein und machte da-raus den profitabelsten und imagestärksten Autohersteller der Welt.
Und wieso musste er jetzt gehen?
Der Fall Wiedeking ist symptomatisch für eine ganze Generation von Managern, die reihenweise Abstürze produziert haben: Schrempp mit Daimler-Chrysler-Mitsubishi, Middelhoff mit Karstadt-Quelle, Funke mit der Hypo Real Estate, Fuld mit Lehman Brothers, natürlich auch Ospel mit der UBS, um nur einige wenige zu nennen.
Geht es konkreter, Frank A. Meyer?
An Wendelin Wiedeking lässt sich exemplarisch das Persönlichkeitsbild dieser Wirtschaftsgrössen studieren: Sie sind fähig, ehrgeizig, arbeitswütig, skrupellos – und hemmungslos, was ihre Sucht nach persönlichem Erfolg betrifft, nach Macht und Geld.
Wiedeking hat vor allem seine Aktionäre reich gemacht...
So reich, bis sie mit ihrer Firma am Abgrund standen! Porsche hat heute 14 Milliarden Euro Schulden; Volkswagen übernimmt ein praktisch insolventes Unternehmen. Die Geschichte des exzessiven Erfolges, der im Debakel endet, ist ebenfalls symptomatisch für diese Manager-Generation und ihre Unternehmen, sei es Karstadt-Quelle, das heute Arcandor heisst, sei es Lehman Brothers, sei es unsere UBS.
Welcher Teufel reitet solche Figuren?
Vielleicht lässt sich auch dies an Wendelin Wiedeking ablesen. Ich versuche es mit der vorsichtigen Beschreibung seines Wandels: Als er bei Porsche antrat, war er ein schmaler, unscheinbarer junger Mann. Er wirke «wie der Buchhalter einer Rollladenfirma», spottete der «Spiegel» damals. Mit den Jahren, quasi parallel zu seinem Erfolg, veränderte er sich auf geradezu spektakuläre Weise: Er wurde voluminös, es wuchs ihm ein Doppelkinn, auch seine Zigarre wurde immer dicker, seine Gestik immer autoritärer und selbstgewisser, sein Reden dröhnend. Er verlor offenbar das wichtigste Mass – sein eigenes.
Thomas Middelhoff von Arcandor ist schlank.
Middelhoff stilisierte sich anders, dick wurde bei ihm die Zehn-Millionen-Yacht am Mittelmeer. Die Masslosigkeit der Boni-Generation nimmt verschiedenste Formen an.
Nochmals: Was passiert mit diesen Menschen?
Sie lösen sich aus der Gesellschaft. Es fehlt ihnen plötzlich der Bezug zu Mass und Wert. Sie betrachten den Erfolg ihres Unternehmens als ureigene Leistung ihrer Person. Ihr Ego wird zur Blase: Nicht ihr Produkt hat Erfolg, nicht die Mitarbeiter, Tausende oder Zehntausende Arbeitnehmer – sie allein sind die Champions! Wiedeking ist als weitsichtiger Manager aufgestiegen. Und als wirklichkeitsblinder Egomane abgestürzt.
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