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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, darf eine Spitzenmanagerin schwanger werden?
Wie können Sie diese Frage überhaupt stellen?
Also ja?
Aber selbstverständlich!
In Managerkreisen – und nicht nur dort – findet man dies keinesfalls so selbstverständlich. Nehmen wir nur den viel-debattierten Fall von Jasmin Staiblin, der Chefin von ABB Schweiz. Da gab es in den vergangenen Wochen viel Kritik ...
... ja und?
Die «Weltwoche» zum Beispiel titelte: «Darf eine Firmenchefin in der Krise schwanger werden? Nein!»
Sie zitieren allen Ernstes ein rechtsradikales Sektenblatt?
Ich zitiere, was Chefredaktor Roger Köppel auf Seite 1 seiner «Weltwoche» setzen liess.
Die Aussage passt perfekt zum Thema Kinder. Sie ist infantil.
Nochmals: Darf eine Managerin einfach 16 Wochen fehlen?
Wir erleben derzeit eine Krise, die von Macho-Managern verursacht wurde, deren Abwesenheit vom Arbeitsplatz womöglich so manches verhindert hätte. Stellen Sie sich vor, Marcel Ospel hätte sich ein paar Monate nach Hause zurückgezogen, zum Legospielen mit seinen Zwillingen – und auf die Hütchenspiele am Finanzmarkt verzichtet ... Es wäre ein Segen für die Bank und die Schweiz gewesen.
Meinen Sie das jetzt alles wirklich im Ernst?
Für die Wirtschaft, ja für die Gesellschaft ist es wichtig, dass Frauen in verantwortungsvollen Jobs Kinder kriegen, dass sie trotz Familienpflichten an ihrer Laufbahn festhalten, dass sie das wirkliche Leben mit dem Karriereleben verquicken. Dabei gewinnen sie Sensibilitäten und Erfahrungen, die uns Männern ganz einfach fehlen.
Frauen sind die besseren Manager?
Auf jeden Fall sind sie anders.
Nämlich?
Ich sage es mit einem Beispiel: Eine Frau erzieht zwei Kinder, erzieht nebenbei auch noch den Mann, was ja mitunter unumgänglich ist. Sie managt also einen Familienverband, eine Lebensgemeinschaft – und entwickelt damit eine menschliche Reife, von der Knaben, die in Harvard oder St. Gallen Fallstudien am Computer lösen, nicht einmal träumen können.
Frauen im Management haben also etwas, das Männer nie haben werden?
Unternehmerische Entscheidungen und unternehmerische Verantwortung setzen vor allem innere Reife voraus. Das Debakel der Finanzwirtschaft, das wir gerade durchleben, ist nicht zuletzt die Folge männlicher Unreife!
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