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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, was halten Sie davon, dass Obwalden seine schönsten Wohnlagen für Reiche reserviert?
Es überrascht mich nicht. Aber es macht mich sprachlos...
Lassen Sie uns trotzdem darüber reden.
Mir fällt spontan nur ein Wort ein: schändlich. Was sich in Obwalden abspielt, ist eine Schande!
Sind Sie da nicht ein bisschen hart? Der Kanton macht doch nur Standortpolitik, er will gute Steuerzahler anlocken.
Die Obwaldner Regierung tritt Schweizergeist mit Füssen, den Geist der Gleichheit. Die Eidgenossen haben seit Jahrhunderten den Grundsatz: Vor dem Gesetz sind alle gleich. Wohnzonen für Reiche und Superreiche schaffen Ungleichheit auf Schweizer Boden. Das ist eine Ungeheuerlichkeit. Da kann man ja gleich das Rütli für Scheichs und Oligarchen reservieren, damit sie dort ihre Paläste bauen!
Kommen Sie uns doch jetzt nicht mit dem Rütli! Wir leben im Jahr 2009. Da kämpft jeder Standort darum, besonders attraktiv zu sein.
Ja, wir ersetzen die Heimat durch den Standort, ihm wird alles geopfert, auch die Seele der Schweiz. Das Bankgeheimnis ersetzt den Bundesbrief, ein Kanton im Herzen der Eidgenossenschaft verwandelt sich zum Geschäftsmodell – mit Flattax und Resorts für Reiche.
Verstehen Sie denn nicht, dass ein ländlicher Kanton wie Obwalden um seinen Erfolg kämpft? Und dafür mehr bieten muss als etwa die Metropole Zürich?
Der Kanton Obwalden lebt von der Grossregion Luzern, die solche Monaco-Spiele überhaupt erst möglich macht. Kein Reicher würde sich der Langeweile einer ländlichen Idylle aussetzen, hätte er nicht eine Stadt mit Wirtschaft und Unterhaltung und Kultur in seiner Nähe, wäre er nicht durch Verkehrs- und Kommunikations-Infrastruktur mit seiner Geschäftswelt vernetzt.
Was wollen Sie damit sagen, Frank A. Meyer?
Die Städte tragen die Last, und die Schlaraffen-Kantone – zu denen auch Schwyz und Zug zählen – locken den Lastenträger-Kantonen mit Steuervorteilen die Reichen weg.
So spielt nun mal der schweizerische Steuerwettbewerb...
Genau, Wettbewerb statt Solidarität! Obwalden weigert sich sogar, zum kulturellen Lastenausgleich mit Zürich und Luzern beizutragen. So viel Kantons-Egoismus lässt sich kaum noch überbieten. Mit freundeidgenössischem Geist hat das alles nichts mehr zu tun.
Ihre Meinung interessiert uns: Wird die Schweiz zum Spielplatz für Reiche? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.