Walder & Meyer Über Männer und (vor allem) über Frauen

  • Publiziert: 24.07.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
play Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. (Geri Born / Illustration: Igor Kravarik)

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, mehr als drei Viertel der Schweizer erklärten in einer Umfrage der «SonntagsZeitung», sie würden eine Frauenmehrheit im Bundesrat begrüssen. Sind wir Männer bedroht?
Das kann durchaus sein.

Wie meinen Sie das?
Wir sprachen ja schon letzte Woche über das Ende der Männerherrschaft in der Politik. Das Leser-Echo war überwiegend positiv. Nach Jahrtausenden der Herrschaft durch das Patriarchat, also durch uns, folgt vielleicht schon in den nächsten Generationen die Herrschaft durch das Matriarchat, also durch die Frauen.

Kommt das denn gut?

Wenn es kommt, kommt es gut, weil es gut kommen muss – unbedingt. Die Welt benötigt dringend eine erwachsene Gesellschaft.

Und was hat das mit den Frauen zu tun?

Die Frauen garantieren das Erwachsensein der Gesellschaft. Denn nur Frauen werden wirklich erwachsen.

Frank A. Meyer, ich bitte Sie ...!
Sie fühlen sich von dieser Aussage provoziert? Gut so! Ich will sie Ihnen erklären: Die grösste Kraft des Menschen, Kinder zur Welt zu bringen, ist fraulich. Die höchste Kreativität des Menschen, Kinder zu erziehen, ist fraulich. Die höchste Kompetenz des Menschen, Kinder auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten, ist ebenfalls fraulich. Kraft, Kreativität, Kompetenz – dazu die voraussetzungslose Liebe, die Mütter für ihre Kinder empfinden. Aus all dem ergibt sich die allseitig erwachsene Persönlichkeit der Frau, wie sie dem Mann nicht vergönnt ist.

Was ist dem Mann denn vergönnt?
Er sucht Ersatz für diese weibliche Ur-Kreativität. Er erfindet die Welt immer wieder neu – wissenschaftlich, technisch, politisch, auch künstlerisch. Das ist die konstruktive Seite. Und er zerstört die Welt – durch Kriege, durch Ausbeutung, durch hemmungsloses Gewinnstreben, wie wir dies gerade wieder im Golf von Mexiko erlebt haben. Das ist die destruktive Seite.

Sie bezeichnen die Frauen im Ernst als bessere Menschen?

Meine Aussage entspricht dem Verlauf der Geschichte.

Ihr Urteil ist ziemlich waghalsig.
In all ihrem Tun ist die Frau geprägt von körperlichen, seelischen und intellektuellen Erfahrungen, die ein Mann kaum machen kann. Leider. Wir Männer bleiben zurück. Ich habe nie verstanden, wie Sigmund Freud vom «Penis-Neid» der Frauen sprechen konnte. Ich glaube vielmehr, dass wir Männer in den tiefsten Schichten unserer Seele auf die Gebärfähigkeit der Frauen neidisch sind.

Worauf wollen Sie eigentlich hinaus?
Die Männerherrschaft hat die Welt weit gebracht, im Positiven, leider auch im Negativen. Jetzt braucht die Welt dringend die erwachsene Vernunft der Frauen. Wie sie die Kinder hegen und schützen, so müssen sie die Welt hegen und schützen – in Schutz nehmen vor uns Männern. Und wir Männer haben die Wahl: im besten Sinne kindlich zu bleiben – oder kindisch zu werden. Die Verheerungen von Natur und Gesellschaft durch kindische Männer erleben wir tagtäglich.

Marc Walder, 44 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz

Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier

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